Frauenstreik

Frauenstreik fällt auf diesen Sonntag: Was bringt das?

Cheri Reinhardt
Cheri Reinhardt

Bern,

Der feministische Streiktag findet wie immer am 14. Juni statt. Dieses Jahr fällt er auf einen Sonntag. Das wirft Fragen zur Wirkung auf.

Feministischer Streiktag
Am 14. Juni gehen in der Schweiz erneut Tausende Menschen für feministische Anliegen auf die Strasse. Dieses Jahr fällt der Aktionstag auf einen Sonntag. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der feministische Streiktag findet am 14. Juni statt.
  • Damit fällt der Aktionstag auf einen Sonntag.
  • Der Fokus liegt dieses Jahr auf unbezahlter Care-Arbeit.
  • Der Arbeitgeberverband spricht von einer politischen Demonstration.

Am kommenden Sonntag findet in der Schweiz der feministische Streiktag statt.

Doch was bringt ein Streiktag, wenn viele Menschen ohnehin arbeitsfrei haben?

Die Organisatorinnen sehen darin keinen Nachteil. Im Gegenteil: Der Fokus liegt 2026 bewusst auf unbezahlter Care-Arbeit, die auch am Wochenende geleistet wird.

Sie rechnen erneut mit Tausenden Teilnehmenden in der ganzen Schweiz.

Feministischer Streiktag
Teilnehmerinnen des feministischen Streiktags demonstrieren in Bern für Gleichstellung und gegen patriarchale Strukturen. Auch 2026 sind schweizweit zahlreiche Aktionen geplant. - keystone

Der Aktionstag sei «bewusst auf dem Sonntag belassen» worden, schreibt das Feministische Streikkollektiv Zürich auf Anfrage von Nau.ch.

Im Zentrum stehe die Kampagne für einen Care-Streik nächstes Jahr. Dabei gehe es um jene Arbeit, die häufig unsichtbar bleibe.

Fokus auf Hausarbeit und Betreuung

Laut dem Streikkollektiv wurden 2024 in der Schweiz rund 12,2 Milliarden Stunden unbezahlte Arbeit geleistet. Frauen hätten davon rund 61 Prozent übernommen.

Dazu gehörten Hausarbeit, Betreuung von Kindern, Pflege von Angehörigen oder andere Unterstützungsleistungen im privaten Umfeld.

«All jene, die putzen, kochen, waschen, umsorgen und an alles denken, möchten wir sichtbar machen», schreiben die Organisatorinnen.

Amnesty
Cyrielle Huguenot vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) sieht im diesjährigen Termin auf einen Sonntag keinen Nachteil für den feministischen Streiktag. - zVg

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) sieht im Sonntag einen passenden Rahmen. «Ja, für einen Streik der unbezahlten Care-Arbeit passt ein Sonntag», sagt Cyrielle Huguenot, Zentralsekretärin beim SGB.

Gleichzeitig gelte: «Insgesamt betrifft die bezahlte Sonntagsarbeit Frauen stärker als Männer.»

Bern erwartet erneut Tausende

Auch das feministische Streikkollektiv Bern rechnet trotz Sonntag nicht mit weniger Teilnehmenden.

In den vergangenen Jahren gingen in Bern Zehntausende Menschen auf die Strasse. 2024 und 2025 seien es jeweils rund 35'000 Personen gewesen, 2023 sogar rund 50'000.

00:00 / 00:00

Am Frauenstreiktag 2023, erklären Teilnehmende ihre Beweggründe. - Nau.ch / Drone-Air-Media.ch

Für dieses Jahr sind laut den Organisatorinnen bereits rund 40 Aktionen im Kanton Bern bekannt.

«Wir rechnen auch dieses Jahr mit einer vergleichbaren Grössenordnung», schreibt das Berner Streikkollektiv. Der Unterschied sei, dass sich die Beteiligung stärker über Quartiere und Gemeinden verteilen werde.

Arbeitgeberverband spricht von Demonstration

Zurückhaltender äussert sich der Schweizerische Arbeitgeberverband.

Der feministische Streik stehe mit seinen verschiedenen Forderungen nicht direkt in Zusammenhang mit einem konkreten Arbeitsverhältnis. Deshalb handle es sich «nicht um einen Streik im arbeitsrechtlichen Sinne».

Vielmehr sei der Aktionstag eine «politische Demonstration», schreibt Andrea Schwarzenbach, Ressortleiterin Arbeitsmarkt beim Schweizerischen Arbeitgeberverband, auf Anfrage von Nau.ch.

00:00 / 00:00

Der Frauenstreik 2023 durch Zürich. - Nau.ch / Drone-Air-Media.ch

«Insgesamt dürfte der Einfluss auf den regulären Betrieb begrenzt sein.»

Der Verband fordert bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dazu zählt er bezahlbare familienergänzende Betreuung, flexible Arbeitsmodelle sowie eine Steuer- und Sozialpolitik, die Erwerbstätigkeit fördert.

Diese Einordnung teilen die Streikkollektive nicht vollständig.

Basel verteidigt Streikbegriff

Das feministische Streikkollektiv Basel verweist auf einen breiteren Arbeitsbegriff als klassische Arbeitskämpfe. Dazu gehörten auch Politik, Sorgearbeit und Kultur. All diese Tätigkeiten seien nötig, um die Gesellschaft am Laufen zu halten.

Gehst du am feministischen Streiktag auf die Strasse?

«Während wir diesen Protest vorbereiten oder durchführen, stehen wir für andere Tätigkeiten nicht zur Verfügung. Insofern bleibt es auch an einem Sonntag ein Stück Streik», schreibt Franziska Stier für die Mediengruppe des Basler Kollektivs.

Gewerkschaft warnt vor Sonntagsarbeit

Der SGB nutzt den Aktionstag auch für eine eigene Warnung. Die bürgerliche Parlamentsmehrheit versuche, Sonntagsarbeit zu normalisieren, etwa durch ausgeweitete Ladenöffnungszeiten und weniger Schutz beim Homeoffice am Sonntag.

«Wir lehnen diese Angriffe auf den arbeitsfreien Sonntag entschieden ab», sagt SGB-Zentralsekretärin Cyrielle Huguenot.

45 Jahre Gleichstellungsartikel

Der 14. Juni ist für die Organisatorinnen ein historisches Datum. 1981 wurde an diesem Tag der Gleichstellungsartikel in die Bundesverfassung aufgenommen.

Frauenstreik Schweiz 1991
Frauen demonstrieren 1991 während des ersten Schweizer Frauenstreiks für Gleichberechtigung. - Keystone

2026 jährt sich dieser Entscheid zum 45. Mal. Deshalb halten die Streikkollektive am Datum fest, auch wenn der Aktionstag dieses Jahr auf einen Sonntag fällt.

Kommentare

User #1528 (nicht angemeldet)

Dad Wort Streik ist in den letzten Jahren recht strapaziert worden, da fällt spontan alles Mögliche ein aber leider nichts davon Positiv. Es sollte andere demokratische Mittel geben um auf Missstände aufmerksam zu machen.

User #3311 (nicht angemeldet)

Finde den Streik gut, sie möchten nur, dass sie ihre Rechte anerkannt und anschliessend duregvogglet werden

Weiterlesen

teaser
28 Interaktionen
«Noch viel zu tun»
Feministischer Streik
95 Interaktionen
Frauenstreiktag Bern
Waschmaschine Blockade
74 Interaktionen
In Zürich

MEHR FRAUENSTREIK

7 Interaktionen
Thurgau
12 Interaktionen
Bern
gegen Femizide
47 Interaktionen
2000 Stimmen
Korintha Bärtsch
9 Interaktionen
Luzerner Frauenstreik

MEHR AUS STADT BERN

1 Interaktionen
Bern
Rassismus Gurtenfestival
3 Interaktionen
Bern
Rasensport-Initiative
Rasensportinitiative
YB
2 Interaktionen
Vor WM-Auftakt