Fluggesellschaft Swiss: Piloten haben GAV gekündigt – droht Streiks?
Mit der Kündigung des GAV kritisieren die Piloten der Fluggesellschaft Swiss das Management. Dieses verweist auf das vertragliche Streikverbot.

Das Wichtigste in Kürze
- Swiss-Piloten haben den Gesamtarbeitsvertrag der Fluggesellschaft gekündigt.
- Die Piloten kritisieren das Swiss-Management. Kommt es nun zu einem Streik?
- Die Fluggesellschaft verweist auf die vertragliche Friedenspflicht bis Ende 2026.
Mitglieder der Piloten-Gewerkschaft Aeropers, die bei der Fluggesellschaft Swiss angestellt sind, haben den Gesamtarbeitsvertrag 2023 (GAV) gekündigt. Noch bis Ende 2026 gilt er – was danach folgt, ist noch offen.
In einer Medienmitteilung äussern die Swiss-Piloten ihre Kritik und plädieren für einen «Neustart». Ursprünglich habe der Vertrag auf der Idee basiert, während dessen Laufdauer Verbesserungen umzusetzen. Das Swiss-Management habe aber «nur wenig Willen gezeigt», diese Projekte anzugehen.
Die Stimmung dürfte angespannt sein. Kommt es nun zu einem Streik? Eine Arbeitsniederlegung im kommenden Jahr wäre für die Bevölkerung, insbesondere während der Ferienzeit, äusserst ungünstig.
Aeropers: «Wir sind guter Hoffnung»
Gegenüber Nau.ch zeigt sich Aeropers auf Anfrage versöhnlich: «Wir sind guter Hoffnung, dass wir vor Ablauf des alten GAV eine Einigung finden.» Mediensprecher Thomas Steffen betont die Hauptanliegen der Mitglieder.
Im Fokus stehe die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. «Dies könnte zum Beispiel durch mehr durch die Piloten gesetzte Freitage und bessere Berücksichtigung von Einsatzwünschen erreicht werden», sagt Steffen.
Aber auch mit einer «grösseren Wahrscheinlichkeit, die Ferien mit der Familie verbringen zu können». Konkrete Forderungen habe man aber noch nicht formuliert.
Fluggesellschaft Swiss will stabiler Arbeitgeber bleiben
Die Fluggesellschaft Swiss bedauert den Entscheid über die Kündigung des GAV derweil. «Wir sind überzeugt, dass ein konstruktiver Dialog auch mit einem laufenden Vertrag möglich wäre», sagt Mediensprecher Michael Pelzer. Man sei im engen Austausch mit Aeropers.
Die kommenden Jahre würden die Swiss stark fordern. Die Kosten würden steigen, der Wettbewerbsdruck nehme zu. Auch die geopolitischen Entwicklungen würden das Umfeld unberechenbarer machen.
«Gleichzeitig wird unser Betrieb komplexer – und wir müssen ihn dort vereinfachen, wo es möglich ist», sagt Pelzer. Man wolle ein stabiler Arbeitgeber bleiben. Pelzer: «Eine wirtschaftlich erfolgreiche Swiss ist dafür die Grundlage.»
Vertragliche Friedenspflicht bis Ende 2026 in Kraft
Anders als Aeropers ist die Fluggesellschaft Swiss offenbar überzeugt: «Der laufende GAV hat für die Cockpitbesatzungen in den vergangenen knapp drei Jahren zahlreiche Verbesserungen gebracht.» Dazu gehörten Lohnerhöhungen und neue Teilzeitmodelle.
Die Komplexität des Betriebs habe sich erhöht, man habe heute mehr Piloten als vor der Pandemie. Dennoch gebe es weniger Produktivität.
«Das liegt nicht an mangelndem Einsatz, sondern an durchschnittlich weniger Arbeitszeit und einer komplexeren Einsatzplanung», sagt Pelzner.
Der Mediensprecher betont: «Die vertragliche Friedenspflicht (Streikverbot) bleibt bis mindestens 31. Dezember 2026 in Kraft.» Somit dürfte ein Streik praktisch ausgeschlossen sein. Oder?
Einfluss von streikfreudigen Gewerkschaften
Aviatik-Experte und SkyNews-Chefredaktor Hansjörg Bürgi sagt gegenüber Nau.ch: «In der Schweiz finden sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Regel, ohne zu streiken. Das ist auch einer unserer Standortvorteile.»
In unseren Nachbarländern sei das anders. «Allerdings spürt man in letzter Zeit den vermehrten Einfluss der streikfreudigen deutschen Gewerkschaften leider auch bei Aeropers», so Bürgi.

Die Verhandlungschancen schätzt der Experte trotzdem gut ein. Er sei guter Hoffnung, dass das Swiss-Management und Aeropers einen Kompromiss ausarbeiten könnten.
Bürgi: «Derzeit ist es allerdings so, dass die Piloten eher die ‹besseren Karten› haben, da Swiss zu wenig Cockpit-Crews hat.»
Streiks hätten langfristige Auswirkungen
Scheitern die GAV-Verhandlungen, würde das langfristige Auswirkungen haben. Der gute Ruf der Schweizer Airline würde leiden, sagt Bürgi. Streiks würden nicht zur Schweizer Arbeitskultur gehören.
«Zudem kämpft Swiss heute bereits gegen viele Verspätungen, diese Situation würde durch streikende Crews noch schlimmer. Wenn kein GAV zustande kommt, dann müsste Swiss allen Cockpit-Crews Einzelverträge anbieten», erklärt der Experte.
Verbesserungspotenzial sieht Bürgi vor allem bei der Veröffentlichung der Einsatzpläne. Diese sollte das Management der Fluggesellschaft Swiss früher als derzeit präsentieren. «Dies ist bei anderen Airlines der Lufthansa Gruppe auch möglich, so sollte es doch auch bei Swiss möglich sein.»
Aber: «Aeropers sollte darauf bedacht sein, den Bogen nicht zu überspannen. Denn Swiss kämpft derzeit mit massiv höheren Kosten bei etwa gleichbleibenden Erträgen.»
Swiss: Vorwürfe an Management sind falsch
Dass die Fluggesellschaft Swiss aktiv an Lösungen arbeite, die die Anliegen der Piloten ernst nehme, bekräftigt der Swiss-Sprecher Pelzer. Gleichzeitig wolle man die Swiss wirtschaftlich tragfähig halten.
«Wir tun das unabhängig vom GAV. Der Vorwurf, das Management sei nicht gewillt, an Verbesserungen zu arbeiten, ist falsch», sagt Pelzer.
Mit dem Projekt «Future Working Models» gehe man diese Themen schon seit Monaten an. Man entwickle konkrete Verbesserungen und werde das auch nach der Kündigung des Vertrags durch die Aeropers-Mitglieder fortsetzen.
«Nur wenn wir geschlossen handeln, können wir die Zukunft unseres Unternehmens erfolgreich gestalten – dafür braucht es alle.»

















