Ferien am Meer sind für Teil des Mittelstands «nicht mehr möglich»
Die Fixkosten-Rechnungen türmen sich und bringen immer mehr Schweizer Haushalte an ihre Grenzen – selbst der Mittelstand gerät unter Druck.

Das Wichtigste in Kürze
- Immer mehr Mittelstand-Haushalte geraten trotz stabilem Einkommen unter Druck.
- In mehreren Kantonen entstehen bereits Wartelisten für Budgetberatungen.
- Ein Budgetberater empfiehlt: Früh Hilfe holen, Rechnungen beachten und Ausgaben anpassen.
Die finanzielle Lage vieler Schweizer Haushalte bleibt angespannt. Wohnkosten, Krankenkassenprämien und Benzinpreise belasten das Budget.
Selbst Menschen mit mittlerem Einkommen müssen immer öfter jeden Franken umdrehen. Zum Schweizer Mittelstand gehören 55,2 Prozent der Gesamtbevölkerung, also 4,7 Millionen Menschen.
Eine Auswertung des Bundesamts für Statistik zeigte vergangene Woche: Der Mittelstand leidet immer mehr unter finanziellen Engpässen. Zum Mittelstand gehören Alleinlebende von 4229 bis 9061 Franken Bruttolohn pro Monat. Auch Familien mit von 8880 bis 19'028 Franken.
Philipp Frei – Budgetberater und Geschäftsführer des Dachverbands Budgetberatung Schweiz – beobachtet diese Entwicklung täglich. Er berät Menschen, die mit ihrem Geld nicht mehr auskommen.
Diese Anfragen würden sich von Jahr zu Jahr türmen, wie er im Gespräch mit SRF verrät.
Frei erklärt, wie sich die Lage verändert hat: «Bis tief in den Mittelstand haben die Leute Probleme, mit dem zur Verfügung stehenden Geld zurechtzukommen.»
Wartelisten entstehen in gewissen Kantonen
Die Beratungsstellen stossen an ihre Grenzen. In einigen Kantonen gibt es laut Frei bereits Wartelisten für Budgetberatungen. Manche Betroffenen kommen mit ungeöffneten Rechnungen zu den Gesprächen.
Nicht immer steckt falsche Planung dahinter. Frei erklärt, dass viele Menschen ihren Lebensstil gar nicht verändert haben.
Trotzdem sind sie plötzlich knapp bei Kasse. Etwa Schicksalsschläge wie Trennung oder Krankheit können jederzeit zur Krise führen.
Vereinzelt gebe es zwar Menschen, die über ihre Verhältnisse leben. Oder solche, die die jährliche Steuerrechnung verdrängen. Aber das sei nicht die Regel, so Frei.
Laut dem Bundesamt für Statistik machen Wohnen und Energie rund 26 Prozent der Haushaltsausgaben aus. Gesundheitskosten wie Medikamente und Arztbesuche kommen auf 17 Prozent.
Verkehr, also öffentlicher Transport und Privatverkehr, schlägt mit elf Prozent zu Buche.
Lebensstandard sinkt auch im Mittelstand spürbar
Die Auswirkungen sind im Alltag sichtbar. «Eine Reise ans Meer ist selbst für einige Leute im Mittelstand nicht mehr möglich», so Frei zu SRF.
Er spricht von einem «enormen Druck», wenn man sich Dinge plötzlich nicht mehr leisten kann, die früher selbstverständlich waren.
Frei empfiehlt: Betroffene sollen sofort handeln
Wer merkt, dass das Geld knapp wird, sollte nicht abwarten. Frei sagt: «Wenn es knapp wird, sollte man sich Unterstützung im persönlichen Umfeld oder bei professionellen Stellen holen.»
Er rät ausserdem, aktiv auf Rechnungssteller zuzugehen. Wer eine Rechnung nicht begleichen kann, solle anrufen. Oft gibt es Möglichkeiten wie Ratenzahlungen oder andere Lösungen.
Beim Thema Ferien solle man ehrlich mit sich sein und sich fragen: Was lässt das Budget wirklich zu?
Manchmal führe kein Weg daran vorbei, den Lebensstandard zu senken. Und bei den nächsten Ferien etwas näher am gewohnten Heim zu bleiben.













