Bigler: Kalte Enteignung der Wohneigentümer durch Bundesamt?

    Hans-Ulrich Bigler
    Hans-Ulrich Bigler

    Knonaueramt,

    «Der Staat hält das Eigenheim für ungeeignet und macht Druck.» Im Visier seien die Baby-Boomer, schreibt Kolumnist Hans-Ulrich Bigler.

    Hans-Ulrich Bigler Eth Zürich
    Hans-Ulrich Bigler schreibt regelmässig Kolumnen auf Nau.ch. - Nau.ch

    Das Wichtigste in Kürze

    • Alt Nationalrat Hans-Ulrich Bigler (SVP) schreibt regelmässig Kolumnen auf Nau.ch.
    • Heute schreibt Bigler über die Wohungsnot in der Schweiz.
    • Einfamilienhäuser stünden auf überdimensionierten Parzellen, heisst es.

    Die Meldung dieser Tage lässt aufhorchen: «Der Bund wittert Morgenluft: Das Hüsli gerät ins Visier der Behörden», stellt der «Blick» fest.

    Was ist passiert? Das Bundesamt für Wohnungswesen will mit einer Studie untersuchen, wie aus Eigenheimquartieren mehr Wohnraum herausgequetscht werden kann.

    Neues Zielobjekt für Bundesrat

    Der Bundesrat hat offenbar ein neues Zielobjekt gefunden, um die Wohnungsnot in der Schweiz zu bekämpfen: die Einfamilienhäuser der Babyboomer.

    Sündenböcke sind nun plötzlich jene, die ein Leben lang gespart und für ihr Eigenheim gearbeitet haben.

    Überdimensionierte Parzellen?

    Es ist wohl naiv zu behaupten, es gehe nur um eine Studie. Im Gegenteil, das Bundesamt für Wohnungswesen nimmt mit dieser Auftragsstudie rund 300'000 Einfamilienhäuser ins Visier.

    Stehen Einfamilienhäuser in der Schweiz auf überdimensionierten Parzellen?

    Nach Meinung der grosszügig entschädigten Beamten stehen diese Bauten auf überdimensionierten Parzellen. Noch schlimmer, und das geht ja aus deren Sicht gar nicht, sie werden zudem noch von einer zunehmend älteren Bewohnerschaft bewohnt.

    Haus
    «Entweder wir bauen immer weiter, zersiedeln unsere Landschaft komplett und zwingen unsere Rentner aus ihren Häusern. Oder wir dämpfen endlich die Migration», findet Bigler. (Symbolbild) - depositphotos

    Die Stossrichtung der Beamten ist klar: Weil der Wohnraum in der Schweiz knapp wird, sollen die sogenannten Babyboomer doch bitte schön subito aus ihren Häusern ausziehen. Oder diese massiv verdichten, um Platz für mehr Menschen zu schaffen.

    Ob der Eigentümer damit einverstanden ist oder nicht, spielt offenbar keine Rolle. Hier regiert die Amtsstube.

    Hinter vorgehaltener Hand wird offenbar bereits von einem breiten Generationenwechsel gesprochen, der die Chance für eine qualitative Verdichtung biete.

    Egoistische Platzverschwender

    In der Übersetzung für den normalen Bürger bedeutet dies: Wer heute im Alter noch in seinem wohlverdienten, abbezahlten Einfamilienhaus lebt, gilt plötzlich als egoistischer Platzverschwender.

    Der Staat hält das Eigenheim für ungeeignet und macht Druck. Es wird suggeriert, diese Häuser seien zu gross und kaum für ein selbständiges Wohnen im Alter geeignet.

    Ungebremstes Bevölkerungswachstum ist schuld

    Was bei dieser absurden Diskussion um die Gängelung von Hausbesitzern völlig ausgeblendet wird, ist der eigentliche Treiber der Wohnungsnot.

    Senioren
    Senioren auf einer Bank. Ist das Haus zu gross? - AFP/Archiv

    Es sind nicht die Rentner, die plötzlich mehr Platz beanspruchen. Es ist das ungebremste Bevölkerungswachstum. Wie das Bundesamt für Wohnungswesen selbst einräumen musste, ist die Zuwanderung massgeblich für die Verknappung auf dem Wohnungsmarkt verantwortlich.

    Damit sei die Frage gestellt, die wie ein Elefant im Raum steht: Bietet die Nachhaltigkeitsinitiative «Keine 10 Millionen Schweiz» den einzigen Ausweg aus dieser wohnpolitischen Sackgasse?

    Die Rechnung ist einfach: Wenn die Bevölkerung um 100'000 Zuwanderer wächst, benötigt unser Land zusätzlich etwa 45'000 Wohnungen.

    Wenn nun der eine oder andere Babyboomer sein Einfamilienhaus mit einer durchschnittlichen Wohnung ersetzt, wird das kaum einen ausgleichenden Effekt erzielen.

    Wir bauen in hohem Tempo

    Zudem bauen wir in der Schweiz ohnehin schon in einem rasanten Tempo. Jede Sekunde verschwindet ein Quadratmeter Grünfläche, pro Tag werden 8,6 Hektaren Land zugebaut.

    Wir betonieren unser Land zu, und trotzdem reicht es hinten und vorne nicht.

    Frontalangriff auf den Mittelstand

    Die Fakten sind klar zu benennen. Dass der Bund ernsthaft Studien in Auftrag gibt, um das Verdichtungspotenzial von Einfamilienhausquartieren zu quantifizieren, ist ein Frontalangriff auf den Mittelstand.

    Generationen von Schweizern haben hart gearbeitet, gespart und verzichtet, um sich den Traum vom eigenen Häuschen mit Garten zu erfüllen.

    Dass der Staat nun mit dem moralischen Zeigefinger auf diese Menschen zeigt und sie indirekt auffordert, Platz für ausländische Neuankömmlinge zu machen, ist ein beispielloser politischer Sündenfall.

    Wir stehen am Scheideweg

    Anstatt unliebsame Gruppen zu gängeln und Probleme mit Scheinlösungen zu bekämpfen, braucht es in der Schweizer Politik endlich wieder Ehrlichkeit.

    Wir stehen an einem Scheideweg: Entweder wir bauen immer weiter, zersiedeln unsere Landschaft komplett und zwingen unsere Rentner aus ihren Häusern – oder wir dämpfen endlich die Migration.

    Genau hier setzt die Nachhaltigkeitsinitiative «Keine 10 Millionen Schweiz» an. Sie benennt das Problem nicht nur, sondern liefert eine Lösung zur Wohnungsnot.

    Die Initiative verlangt, dass die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz vor dem Jahr 2050 die Marke von 10 Millionen Menschen nicht überschreiten darf. Sie zwingt den Bundesrat, endlich wirksame Massnahmen zu ergreifen, sobald die Grenze von 9,5 Millionen erreicht ist.

    Wenn wir das inländische Potenzial besser ausschöpfen, anstatt blind auf Zuwanderung zu setzen, können wir den Druck vom Wohnungsmarkt nehmen. Ein Ja zu dieser Initiative ist ein Ja zum Schutz unseres Eigentums, unserer Landschaft und unserer Lebensqualität.

    Es ist ein klares Signal nach Bern: Hände weg von der kalten Enteignung unserer Wohneigentümer.

    Zur Person

    Hans-Ulrich Bigler ist Ökonom und war von 2008 bis 2023 Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands (SGV). Er ist im Vorstand mehrerer Verbände und sass von 2015 bis 2019 für die FDP im Nationalrat. Heute ist Bigler SVP-Mitglied.

    Alt Nationalrat Hans-Ulrich Bigler.
    Alt Nationalrat Hans-Ulrich Bigler. - Nau.ch

    Hinweis zur Interessenbindung: Hans-Ulrich Bigler ist Vorstandsmitglied im Hauseigentümerverband (HEV) Kanton Zürich.

    Kommentare

    User #2502 (nicht angemeldet)

    Aber dass sicherlich alle Politiker und Bundesräte in Villen mit sehr viel Land leben davon redet niemand.

    User #4898 (nicht angemeldet)

    nun ja vermutlich ist das alles so eine komische einbildung von mir, denn was ist denn schon realität und wann, und wann immer und wenn , zu wenn dann überhaupt

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