Federer-Schuhmarke On: Branche kritisiert Schweizer-Kreuz-Entscheid
Ein Entscheid zugunsten von On sorgt für Zündstoff. Während das Schweizerkreuz neu auch bei Produktion im Ausland erlaubt ist, läuft die Branchse Sturm.

Das Wichtigste in Kürze
- Das Schweizerkreuz ist neu auch ohne Produktion in der Schweiz möglich.
- Schweizer Hersteller wie Minder und Martullo kritisieren den Entscheid scharf.
- Es wurde Widerstand angekündigt – rechtliche Schritte gegen die «Lex On» werden geprüft.
Die Schuhmarke On hat im jahrelangen Streit mit den Behörden einen Erfolg erzielt. Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum (IGE) passt seine Auslegung der Swissness-Regeln an. Künftig darf das Schweizerkreuz – unter bestimmten Voraussetzungen – auch dann verwendet werden, wenn ein Produkt in der Schweiz entwickelt, aber im Ausland produziert wird.
Während die Federer-Schuhmarke den Entscheid begrüsst, sorgt er bei anderen Schweizer Schuh-Herstellern für heftige Kritik. Besonders deutlich äussert sich Claudio Minder, Co-CEO der kybun Joya Gruppe. Er produziert seine Schuhe vollständig in der Schweiz – und sieht sich durch die neue Praxis benachteiligt.
«Für viele wird das Schweizer Kreuz jetzt einfach ein Marketing-Label»
Auf Linkedin schreibt Minder über den IGE-Entscheid: «Ehrlich gesagt: Das trifft uns.» Er betont: Ihre kybun- und Kandahar-Schuhe würden sie im Sennwald SG produzieren, «mit echtem Handwerk, nach Schweizer Richtlinien und zu Schweizer Kosten».
Ab sofort reiche es aber offenbar, wenn es heisse: «In der Schweiz entwickelt.» Für ihn sei das ein Bruch mit dem bisherigen Verständnis von Swissness, meint der selbsternannte «Schuhmacher der Nation«. «Wenn ein Schuh in Asien produziert wird, aber ein Schweizer Kreuz trägt, was bedeutet dieses Kreuz dann überhaupt noch?»

Für sie sei das Schweizer Kreuz immer ein Versprechen gewesen: «Qualität, Verantwortung, Herkunft». «Für viele wird es jetzt einfach ein Marketing-Label.» Minder warnt deswegen vor einer «Verwässerung». Besonders kritisch sieht er die Auswirkungen auf das heimische Gewerbe: Echtes Schweizer Handwerk verliere dadurch massiv an Wert.
Künzli Swissschuh will «alle juristischen Mittel» ausschöpfen
Auch Roberto Martullo, Inhaber der Künzli SwissSchuh AG, stellt sich gegen den Entscheid – obwohl sein Unternehmen theoretisch davon profitieren könnte. Gegenüber der Nachrichtenagentur AWP erklärte er zunächst, das IGE gebe «dem grossen Druck von On klein bei». Und: Man prüfe rechtliche Schritte.
Die neue Praxis öffne «Tür und Tor allen Firmen, die auch keinen Bezug zur Schweiz haben, das Schweizer Kreuz zu verwenden», so Martullo. Das schade dem Image der Schweiz im Ausland und treffe insbesondere jene Betriebe, die weiterhin in der Schweiz produzieren.

Auf Linkedin doppelte Martullo dann am frühen Montagabend nach und hielt fest: «Wir werden alle juristischen Mittel ausschöpfen um diese Lex On zu bodigen».
«Schuhmacher der Nation»: «Werde Martullo zu 100 Prozent unterstützen»
Support kann der Künzli-Swissschuh-Inhaber bei diesem Vorhaben auch vom «Schuhmacher der Nation» erwarten. Wie Claudio Minder unter seinem Beitrag in Linkedin erwähnt, werde er Martullo «zu 100 Prozent» unterstützen.

Er betont: «Mit dieser neuen Regelung werden auch viele andere Branchen in Mitleidenschaft gezogen.» Sie sei «schlicht ein echter Konsumenten-Betrug».












