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FBI sucht Schweizer seit 26 Jahren – jetzt spricht er

Laurin Zaugg
Laurin Zaugg

Genève,

Seit 1999 wird ein Schweizer Treuhänder nach Verwicklungen in ein US-Betrugsnetzwerk vom FBI gesucht. Nun spricht er über die 26 Jahre in der Ungewissheit.

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Ein Schweizer Treuhänder wird seit 1999 vom FBI gesucht – nun spricht er. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Schweizer Treuhänder erhielt 1999 einen Haftbefehl vom FBI.
  • Der Selbständige hatte mit einer betrügerischen US-Firma zusammengearbeitet.
  • Nun erzählt er von den letzten 26 Jahren in der Ungewissheit.

Im Oktober vergangenen Jahres schien die spektakuläre Fluchtgeschichte eines Schweizer Treuhänders zu Ende zu sein. Der Mann, gegen den seit 26 Jahren ein Haftbefehl des FBI besteht, wurde in Bari (I) festgenommen und inhaftiert.

Doch nur wenige Monate später sitzt er in einem Genfer Hotelbistro und spricht mit der «NZZ» über das vergangene Vierteljahrhundert.

In jungen Jahren machte sich der mittlerweile 59-jährige schweizerisch-französische Doppelbürger selbstständig. Seine kleine Genfer Beratungsfirma im Finanzbereich erhielt lukrative Aufträge, unter anderem aus den USA.

Der Mann, der anonym bleiben will, sagt zur Zeitung: «Im Sommer 1995 lud mich eine Freundin nach New York ein und stellte mich einigen Männern vor, Aktienhändler und Buchhalter.»

Unwissentlicher Einstieg in Betrugsnetzwerk

Unwissentlich, wie er sagt, erbrachte er fortan Finanzdienstleistungen für ein Betrugsnetzwerk, nämlich für die Trading-Firma Kensington Wells.

Er habe in seinen Geschäftsbeziehungen nie etwas von Betrug oder anderen Machenschaften bemerkt. Zudem habe er die Partnerschaft umgehend beendet, als er vom Betrug erfuhr.

Betrüger schickten «Mafiaschläger»

1999 erliess das FBI einen Haftbefehl gegen den in Genf wohnhaften Mann. Die US-Ermittler gehen gemäss der Zeitung davon aus, dass alle Angeklagten von den Betrügereien wussten oder sie grob fahrlässig ignorierten.

Bevor er es mit dem FBI zu tun bekam, musste er von «Mafiaschlägern» flüchten, die von Kensington Wells geschickt wurden.

Sein Ziel, sei es immer gewesen, die Sache zu regeln. «Aber ins Gefängnis wollte ich auf gar keinen Fall», so der Genfer.

Keine Einigung trotz Treffen mit FBI-Agenten

1999 flog er in Begleitung von zwei Genfer Anwälten nach Madrid, um sich mit FBI-Agenten und der Steuerbehörde zu treffen.

«Die Hoffnung war, dass ich meine Unschuld beweisen könnte. Oder dass zumindest irgendeine Art Deal zustande käme», sagt er bei der «NZZ».

Hast du schon einmal Probleme mit ausländischen Behörden bekommen?

Er habe jedoch keine Einigung erzielen können. Schlagzeilen von vergangenem Herbst, die von einer spektakulären Flucht sprachen, relativiert er: «Das ist Blödsinn.» Er habe weiterhin in Genf gelebt.

Wie die Zeitung schreibt, legen Recherchen nahe, dass die Amerikaner gar nie formell ein Auslieferungsgesuch gestellt hätten. Das Schweizer Bundesamt für Justiz sei in den Fall «nicht involviert».

Ende 2025 in Italien festgenommen

Am 10. Oktober 2025 wurde der mittlerweile vierfache Vater schliesslich in Italien verhaftet.

Bei einer Routinekontrolle im Hafen von Bari durch die italienische Finanzpolizei tauchte sein Name in einer Interpol-Liste auf.

Daraufhin inhaftierten ihn die Behörden in einem Gefängnis in der Hafenstadt. Dass er vom FBI gesucht werde, habe ihm «bei den Kleinkriminellen und Mafiosi» Respekt verschafft, schreibt die Zeitung.

Es drohten mehrere Jahre Haft in den USA

Rund zwei Monate nach Haftantritt hätte die Geschichte eine dramatische Wendung nehmen können. Wären die Auslieferungspapiere der US-Behörden rechtzeitig in Bari angekommen, hätten ihm allenfalls mehrere Jahre Haft in den USA gedroht.

Sie kamen jedoch nicht. Und drei Monate nach Haftantritt musste ihn das zuständige Kassationsgericht schliesslich freilassen.

«Als ich aus dem Gefängnis lief, klatschten alle anderen Häftlinge – wie im Film», sagt er zur Zeitung.

In Italien werde noch überprüft, ob eine Auslieferung an die USA überhaupt rechtens wäre. Derweil will der Mann die Schweiz und Frankreich vorerst nicht mehr verlassen.

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