André Wyss plant Kurswechsel bei der SBB
11,5 Milliarden Franken Schulden belasten die SBB. Präsident André Wyss, der neue Verwaltungsratspräsident, will die Bahn finanziell stärken.

André Wyss ist seit April 2026 Verwaltungsratspräsident der SBB und hat seine strategischen Prioritäten vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen finanzielle Handlungsfähigkeit, Verlässlichkeit und Innovation, berichtet das «SRF».
Die SBB hat derzeit Schulden von 11,5 Milliarden Franken und einen hohen Investitionsbedarf. Für den Unterhalt der bestehenden Infrastruktur werden 9,5 Milliarden Franken benötigt.
Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Bahnreisen hoch und das Halbjahresergebnis fiel besser aus. Die SBB erzielte im ersten Halbjahr 2026 einen Gewinn von 126 Millionen Franken, teilte die «SBB» mit.
SBB Wyss setzt auf mehr Effizienz
Trotz des verbesserten Ergebnisses bleibt die finanzielle Lage angespannt. Mittelfristig soll die SBB laut eigener Darstellung einen Jahresgewinn von rund 500 Millionen Franken erreichen.
Wyss will deshalb die Effizienz innerhalb des Unternehmens steigern und Investitionen stärker priorisieren. Als wichtige Hebel nennt er die Digitalisierung von Stellwerken und eine digitalisierte Betriebsführung, schreibt das «SRF».
Auch SBB Cargo soll künftig enger in den Konzern eingebunden werden. Die defizitäre Tochtergesellschaft wird ab Anfang 2027 wieder in die SBB integriert, wodurch Entscheidungswege verkürzt werden sollen.
Infrastruktur soll Vorrang haben
Beim Bahnnetz setzt Wyss den Schwerpunkt auf den Erhalt der bestehenden Infrastruktur. Modernisierung und Substanzerhalt sollen nach seinen Aussagen Vorrang vor zusätzlichem Ausbau erhalten.
Den Ausbau lehnt der neue SBB-Präsident allerdings nicht grundsätzlich ab. Wegen des steigenden Pendlerverkehrs müsse die Bahn zusätzliche Kapazitäten schaffen, erklärte Wyss gegenüber dem «SRF».
Die SBB will aktuelle Ausbaupläne deshalb genau prüfen und später Stellung beziehen. Über die entsprechenden Projekte entscheidet letztlich das Parlament.
Werden die Billettpreise teurer?
Eine weitere Erhöhung der Billettpreise schliesst Wyss langfristig nicht aus. Gegenüber dem «SRF» verwies Wyss auf die anhaltende Inflation und rechnet deshalb langfristig mit weiteren Preisanpassungen.
Eine baldige zusätzliche Erhöhung erwartet der SBB-Präsident jedoch nicht. Die Tarife werden zudem nicht allein von der SBB festgelegt, sondern innerhalb der Branche koordiniert.

Bereits beschlossen ist eine Tarifanpassung per 13. Dezember 2026. Die ursprünglich geplante durchschnittliche Erhöhung wurde von 3,9 auf 3,6 Prozent reduziert.
Was sich im Dezember ändert
Die Anpassungen fallen je nach Angebot unterschiedlich aus. Beim Generalabonnement der zweiten Klasse steigt der Preis um 100 Franken, wie die «Astra» mitteilte.
Auch das Halbtax-Abonnement für Erwachsene wird um fünf Franken teurer. Für Kinder, Jugendliche und Familien werden einzelne Preise dagegen gar nicht oder nur geringfügig erhöht.
Wyss wurde am 29. April 2026 zum Verwaltungsratspräsidenten der SBB gewählt. Er folgte auf Monika Ribar und bringt langjährige Führungserfahrung aus der Pharma-, Bau- und Immobilienbranche mit, wie die «SBB» schreibt.











