Experte: Iran-Krieg lässt Schweizer Flugticket-Preise steigen
Der Iran-Krieg treibt die Energiepreise nach oben – auch Kerosin wird teurer. Die Flugtickets für Schweizer Passagiere dürften deshalb künftig mehr kosten.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Krieg im Nahen Osten hat unmittelbare Auswirkungen auf den Schweizer Flugverkehr.
- Zahlreiche internationale Airlines haben bereits angekündigt, ihre Preise zu erhöhen.
- Auch in der Schweiz dürften die Tickets nun teurer werden, prognostiziert ein Experte.
Raketen, Drohnen und Explosionen erschüttern seit Tagen den Nahen Osten. Die gemeinsame Militäraktion «Epic Fury» von USA und Israel trifft zwar vor allem Ziele vor Ort. Doch die Folgen reichen weit darüber hinaus.
Denn der Krieg treibt weltweit die Energiepreise nach oben. Auch Kerosin, der Treibstoff für Flugzeuge, wird spürbar teurer.
Das bekommen die Airlines bereits zu spüren: Erste internationale Fluggesellschaften haben angekündigt, ihre Ticketpreise zu erhöhen. Auch Passagiere in der Schweiz müssen bald tiefer ins Portemonnaie greifen.
Experte: «Für diejenigen, die jetzt ein Flugticket buchen, dürfte es teurer werden»
Flug-Experte und Aviatikpublizist Hansjörg Bürgi sagt gegenüber Nau.ch: «Wer bereits ein Ticket gebucht hat, wird in der Regel nicht mehr zahlen müssen. Für diejenigen, die jetzt ein Flugticket buchen, dürfte es jedoch teurer werden.»
Der grösste Kostenfaktor für Fluggesellschaften sei das Kerosin, erklärt Bürgi. Je nach Airline mache dieser Posten rund 30 Prozent der Gesamtkosten aus. «Das beeinflusst den Flugpreis natürlich stark.»
«Im Moment treiben die geopolitischen Entwicklungen die Ticketpreise aber ohnehin nach oben», so Bürgi. Die Preisgestaltung sei aktuell sehr schwankend.
Airlines haben hohe Kosten wegen Sanktionen
«Für Airlines, die Sanktionen – etwa den gesperrten Luftraum über Russland – mittragen, sind bereits hohe Kosten durch Umflüge entstanden.»
Russland hatte seinen Luftraum auch für Schweizer Airlines bereits im März 2022, kurz nach der Invasion der Ukraine, gesperrt. Das Land reagierte damit unter anderem auf den Bundesrats-Entscheid, sich den EU-Sanktionen gegen Russland vollständig anzuschliessen.
Die Folgen der Umflüge sind bereits bei gewissen Flugverbindungen spürbar. Besonders bei Routen mit Zwischenstopps im Nahen Osten könnten sich Veränderungen ergeben.
Eine Landung in Dubai ist wegen der aktuellen Lage sehr ungewiss. «Das wird sich ebenfalls in den Ticketpreisen niederschlagen», sagt Bürgi.
Der Experte weist zudem auf einen oft übersehenen Punkt hin: «Man darf den Luftfrachtverkehr nicht vergessen.» Dieser werde von solchen Entwicklungen ebenfalls getroffen und dürfte die Auswirkungen deutlich spüren.
Swiss ist vor grösseren Preissprüngen geschützt
Auch die Fluggesellschaft Swiss bestätigt auf Anfrage: «Treibstoff ist für uns als Airline ein zentraler Kostenfaktor.» Im vergangenen Jahr habe man noch von tieferen Ölpreisen profitiert.
Von grösseren Preissprüngen sei man aber unmittelbar geschützt. Im Lufthansa-Verbund sichere man «einen grossen Teil unseres Treibstoffbedarfs jeweils im Voraus ab», sagt Mediensprecher Michael Pelzer.
Im Nahen Osten seien aktuell verschiedene Lufträume eingeschränkt oder temporär gesperrt. Pelzer sagt: «Für uns als Airline ist der verfügbare Luftraum jedoch eine zentrale Voraussetzung für einen stabilen und effizienten Betrieb.»
Flugbetrieb ist komplizierter geworden
Werden Lufträume geschlossen, muss die Swiss umplanen: «Routen müssen angepasst werden, Flugzeuge müssen Umwege fliegen oder Verbindungen werden vorübergehend ausgesetzt.»
Das erhöhe die Komplexität im täglichen Flugbetrieb: Es führt laut der Swiss zu längeren Flugzeiten, höherem Treibstoffverbrauch und anspruchsvolleren Flug- und Einsatzplanung.
Ob diese Entwicklungen indirekt auch Auswirkungen auf die Ticketpreise haben, dazu äussert sich die Fluggesellschaft nicht.
Klar ist aber, dass die Planung für die Swiss seit der Sperrung des russischen Luftraums ohnehin anspruchsvoller wurde.
Pelzer: «Wenn zusätzlich weitere Lufträume eingeschränkt sind, wird die Planung eines globalen Streckennetzes nochmals komplexer.»
Edelweiss: Asien-Preise sind kurzfristig erhöht
Auch die Fluggesellschaft Edelweiss profitiert wie die Swiss von «Hedging», also der Absicherungsstrategie, Treibstoff bereits im Voraus zu sichern.
«Infolge der gesperrten Lufträume sind wir allerdings gezwungen, andere, meistens längere Flugrouten zu wählen», erklärt Mediensprecher Andreas Marti. «Diese führen automatisch zu einem erhöhten Kraftstoffverbrauch.»
Kurzfristig ist durch den starken Nachfrage-Anstieg bei gleichzeitig knappem Angebot im Asien-Gesamtmarkt laut Marti eine Preiserhöhung ersichtlich. Heisst: Wer beispielsweise aus asiatischen Ländern zurück in die Schweiz fliegen will, zahlt aktuell mehr als vor Kriegsbeginn.
Mittelfristig und für andere Regionen im Edelweiss Streckennetz seien die Preise von der Entwicklung von Angebot und Nachfrage abhängig. Aber auch von den Kosten, insbesondere von Treibstoff.
Deshalb gilt: «Eine verlässliche Prognose ist aktuell nicht möglich.»

















