Estavayer-le-Lac FR: Camper gehen gegen Luxus-Chalets vor Gericht
In Estavayer-le-Lac FR sollen langjährige Camper Luxus-Chalets weichen. Der TCS informiert per Brief über den Abbau. Die Camper wehren sich nun vor Gericht.
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Das Wichtigste in Kürze
- Dauer-Camper in Estavayer-le-Lac legen beim Kantonsgericht Freiburg Rekurs ein.
- Auf dem TCS-Campingplatz sollen sie bis zum 21. Oktober ihre sieben Sachen räumen.
- Grund dafür: Ein neues Konzept kommt. Glamping statt Camping.
- Die Camper sind aber der Meinung, dass der Ortsplan zu einfach durchgewunken wurde.
Dicke Post für die Dauer-Camper in Estavayer-le-Lac FR. Der Betreiber des «La Nouvelle Plage» informiert in einem Brief über das definitive Aus der Fix-Plätze in der heutigen Form.
Die Camper sollen ihre Plätze am Neuenburgersee zwischen dem 5. bis zum 21. Oktober vollständig räumen.
«Die Arbeiten können täglich von 7 Uhr bis 19 Uhr durchgeführt werden.» Beim Abbau sollen die Camper aber die Mittagsruhe nicht stören ...
Drei Mal mehr Geld: Glamping statt Camping kommt
Der TCS kaufte den Campingplatz 2024 auf. Glamping statt Camping heisst das neue Konzept.
Besonders ärgerlich für viele Camper ist: Das Konzept wurde kurz nach den Überschwemmungen am Neuenburgersee verkündet, wo viele Camper alles renoviert hatten.
Nun ist ein Viersterne-Camping geplant, die Saisonplätze werden von einst über 100 auf 20 reduziert. Diese sind dann nicht mehr an der See-Front, sondern weit hinten angesiedelt.
Der Grund ist einfach: Mit einem Touristenplatz verdient man rund drei Mal mehr als mit einem Saison-Platz, erklärte TCS-Sprecherin Vanessa Flack schon letzten Sommer.
Die Gemeinde Estavayer-le-Lac verweist nun zudem auf eine kommunale Studie. Deren Ergebnis: «Der Campingplatz entspricht hinsichtlich Stellplatzgrösse, Ausstattung und Verwaltung nicht mehr den Standards und Erwartungen der Camper.»
«Die letzten Trümpfe»: Camper ziehen vor Gericht
Viele Dauer-Camper haben bisher jeweils einen Grossteil ihres Sommers auf dem Campingplatz verbracht. Nun ist also alles vorbei. Oder doch nicht?
«Die Hoffnung stirbt zuletzt – wir kämpfen», sagt Roland Kocher vom Komitee «IG Pro Camping» zu Nau.ch. «Und wir versuchen, die letzten Trümpfe aus dem Ärmel zu zaubern.»

Vergangene Woche habe man gemeinsam mit einem Anwalt ein Folge-Dossier vorbereitet, dieses gehe Anfang August heraus. Man ist der Meinung, dass nicht alles mit rechten Dingen zu- und hergeht.
«Sie wollten wahrscheinlich den Zonenplan umgehen ohne Detailbebauungsplan. Dagegen machten wir Anfang Juni Rekurs beim Kantonsgericht.»
So erklärt sich der Kanton Freiburg
Die Direktion für Raumentwicklung, Infrastruktur, Mobilität und Umwelt des Kantons Freiburg (RIMU) hat am 18. März die Gesamtrevision der Ortsplanung der Gemeinde genehmigt.
Man habe entschieden, dass keine Pflicht für einen neuen Detailbebauungsplan für den betreffenden Sektor bestehe.
Die RIMU verlangte im Entscheid jedoch von der Gemeinde, dass neue Bestimmungen in das Gemeindebaureglement aufgenommen werden. Zum Beispiel eine, wie das Verkehrsaufkommen geregelt werden soll.
«Uns blieb nichts anderes übrig, als den rechtlichen Weg zu beschreiten»
Die IG ist jedoch der Meinung: «Im Gesetz steht, dass alle Campingplätze über 5000 Quadratmeter einen Detailbebauungsplan brauchen. Dann kann man das nicht einfach durchwinken. Dagegen haben wir Einspruch erhoben.»
Nun haben die Gegenparteien Zeit, ihre Gegendarstellung einzureichen. Das bestätigen die Gemeinde Estavayer-le-Lac und die Verantwortlichen des Kantons Freiburg.
«Danach sehen wir weiter, wie das Gericht entscheiden wird», sagt Kocher. Man hätte gerne mit dem TCS eine Lösung gefunden, die für alle zufriedenstellend gewesen wäre. Ein Dialog sei aber nicht möglich.
«Sie beharren auf dieser Situation. Und solange sie auf dieser Situation beharren, können wir auch nicht mit ihnen reden», so Kocher. «Uns blieb uns somit nichts anderes übrig, als den rechtlichen Weg zu beschreiten.»
Auf Seiten der Camper gibt man sich selbstbewusst. «Wir haben noch Trümpfe im Ärmel.»
Neue Saison-Plätze kosten fast das Dreifache
Der TCS will ab nächster Saison die einst 108 Saison-Plätze auf 20 drastisch reduzieren. Wer von den aktuellen Dauer-Campern noch Interesse hat, kann sich bewerben, heisst es im Schreiben des TCS an die Camper. First come, first served.
Es gibt aber Veränderungen. Einerseits müssen die Wohnwagen und Vorzelte neu jeden Herbst vollständig abgeräumt werden. Andererseits wird es massiv teurer.
Bisher kostete ein Jahres-Platz (die Einrichtung durfte das ganze Jahr stehen bleiben) auf dem Camping um die 2500 Franken.
Künftig wird es – allerdings nur noch von April bis Oktober nutzbar – fast das Dreifache.

6500 Franken beträgt die neue Saison-Miete für einen der 20 Plätze. Hinzu kommt eine Winterlagerungsgebühr von 400 Franken.
Weitere Kosten: Saison-Mieter müssen Mitglied beim TCS (96 Franken im Jahr) und beim TCS Camping Club sein (60 Franken im Jahr) sein. Kurtaxe, Strom, Wasser und Kehricht sind im Preis noch nicht einbegriffen. «Das geht ins Unendliche», so Kocher.
Es könnte bis vor Bundesgericht gehen
Ob bis in gut drei Monaten am 21. Oktober alle Dauer-Camper ihre Zelte und Wagen abgebaut haben?
Das Verfahren beim Kantonsgericht ist hängig. «Die Beschwerde hat aufschiebende Wirkung», heisst es vom RIMU. «Das bedeutet, dass der Ortsplan hinsichtlich der von den Beschwerdeführern angefochtenen Punkte noch nicht rechtskräftig ist.»

Bis wann das Kantonsgericht seinen Entscheid im Camping-Zoff fällen wird, lässt sich noch nicht abschätzen. Dieser Entscheid könnte anschliessend noch beim Bundesgericht angefochten werden.
Was, wenn der Rekurs gutgeheissen wird?
Was, wenn der Rekurs vom Kantonsgericht gutgeheissen wird? «Dann würden wir gerne mit dem TCS zusammensitzen und einen Kompromiss finden.»
Von den einst über 100 Dauer-Campern sind 60 der IG pro Camping beigetreten. Ein Vorschlag vom Komitee IG pro Camping an TCS und Gemeinde war: Der TCS könnte über die etwa 35 zusätzlich freiwerdenden Plätze verfügen.
Nau.ch fragte beim TCS nach, was man von diesem Vorschlag der Camper hält. Es klingt nicht danach, als ob man mit den Dauer-Campern an einen Tisch sitzen möchte.
«Der Rekurs betrifft unser Vorhaben gemäss der Behörde nicht. Das Konzept wurde in Zusammenarbeit mit der Gemeinde ausgearbeitet», sagt Sprecherin Vanessa Flack.
Weiter: «Es ist vorgesehen, dass noch rund 20 Saisonplätze zur Verfügung stehen. Die restlichen Parzellen sollen für den allgemeinen Campingtourismus geöffnet werden. Der Strandabschnitt wird ebenfalls vergrössert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.»





















