Die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung ist tolerant gegenüber Personen, die als «anders» wahrgenommen werden. Nur neun Prozent fühlen sich gestört.
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Eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung ist tolerant gegenüber als "anders" wahrgenommenen Personen. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Von der Schweizer Bevölkerung fühlen sich neun Prozent durch «Andere» gestört.
  • Regelverstösse bilden den Hauptgrund, rassistische Motive schwingen teilweise mit.

Neun Prozent der Schweizer Bevölkerung zwischen 15 und 88 Jahren fühlen sich durch als «anders» wahrgenommene Personen im Alltag gestört. Dabei zeigen sich Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund toleranter.

Hauptgrund für die Irritation sind Verstösse gegen die Regeln des Landes oder die Verunsicherung durch abweichendes Verhalten. 29 Prozent der Irritierten nannten diesen Faktor laut einer Erhebung über das Zusammenleben in der Schweiz 2021. Dies schreibt das Bundesamt für Statistik am Donnerstag. Dabei erwähnten sie gewalttätige, laute, unter Drogeneinfluss stehende und in Banden auftretende Menschen.

Als zweithäufigsten Grund nannten 26 Prozent der Irritierten die Herkunft der Störenden, also Ausländer, Asylsuchende oder Leute mit Migrationshintergrund. An speziellen Staatsangehörigkeiten erwähnten sie dabei explizit Deutschland, Eritrea, Osteuropa, das ehemalige Jugoslawien und die Türkei.

Zehn Prozent fühlen sich als ungewollten Störfaktor

20 Prozent der sich gestört Fühlenden führten im weiteren die mangelnde Integration als Störfaktor an. Dabei gab das Festhalten an einer Kultur oder Lebensweise, die sich von jener der Mehrheit unterscheidet den Ausschlag.

Auf Gruppen bezogen störten Musliminnen und Muslime mit 14 Prozent die Irritierten am vierthäufigsten. Zugeschrieben wurde das der religiösen Praxis und den sichtbaren Symbolen wie der Verschleierung oder den Bärten. Manche störten sich an der Anwesenheit arabischer Menschen. Elf Prozent der sich gestört fühlenden Bevölkerung ärgerten sich über den Missbrauch des Systems der sozialen Sicherheit.

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Ein Teil der Schweizer Bevölkerung stört sich an muslimischen Symbolen. - Keystone

Auf der anderen Seite fühlten sich zehn Prozent der Bevölkerung aufgrund ihrer persönlichen Eigenschaften als ungewollte Störfaktoren. Als Hauptgrund nannten 38 Prozent diese Gruppe, nicht als Schweizerinnen oder Schweizer anzumuten. 85 Prozent von ihnen fühlten sich aber eng mit der Schweiz verbunden.

In der Gesamtbevölkerung nahmen sich im vergangenen Jahr 79 Prozent als schweizerisch wahr. Ohne Migrationshintergrund hatten 93 Prozent dieses Gefühl, und insgesamt waren es 88 Prozent der Staatsangehörigen. Unter den Eingebürgerten teilten hingegen lediglich 59 Prozent dieses Gefühl des «Schweizertums». Unter den Ausländerinnen und Ausländern fühlten sich 52 Prozent als Schweizer.

Grossteil der Wohnbevölkerung mit Schweiz identifiziert

Insgesamt 91 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung identifizierten sich mit der Schweiz, insbesondere mit der Kultur und den Werten. Dabei gab es keinen Unterschied zwischen in- oder ausländischen Staatsangehörigen.

64 Prozent der Bevölkerung bezeichneten die Integration von Ausländerinnen und Ausländern als gut. 58 Prozent nahmen den Rassismus indessen als gesellschaftliches Problem wahr.

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Zürich sagt dem Rassismus den Kampf an. (Symbolbild) - Keystone

Bei der Ausländerfeindlichkeit selbst ergab die Erhebung zwischen 2016 und 2020 keinen Meinungsumschwung. Sechs Prozent der Bevölkerung sind gegen Ausländer. Zwischen sechs und elf Prozent sind gegenüber Muslimen, Schwarzen oder Juden feindlich eingestellt.

28 Prozent der Bevölkerung wurden deswegen bereits selbst Opfer von Diskriminierungen. Das BFS schliesst daraus, dass trotz einer grundsätzlichen Offenheit gewisse Personengruppen in der Schweiz Ausgrenzung erfahren.

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