Stadt Bern: Mit «queeren Farben» auf Asphalt gegen Hitze-Zonen
Die Stadt Bern soll prüfen, wie sich UV-reflektierende Strassenbemalungen gegen Hitze und als Zeichen für Vielfalt umsetzen lassen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die SP-Stadträtinnen Nadine Aebischer & Laura Brechbühler haben ein Postulat eingereicht.
- In «queeren Farben» soll im Rahmen eines Pilotprojekts Asphalt bemalt werden.
- So sollen Temperaturen gesenkt und ein Zeichen gegen Hass gesetzt werden.
Die Stadt Bern soll prüfen, ob und wo helle, UV-reflektierende und bewusst farbig gestaltete Bodenbeschichtungen oder Beläge eingesetzt werden könnten. Dies fordern die beiden SP-Stadträtinnen Nadine Aebischer und Laura Brechbühler in einem Postulat.
Sie regen an, dass so an besonders hitzebelasteten Standorten im Stadtgebiet ein zeitlich befristetes Pilotprojekt «Queere Hitze-Zonen Bern» realisiert werden könnte.
Denn die beiden Politikerinnen wollen quasi zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Einerseits können erwiesenermassen reflektierende Farben die Oberflächentemperaturen messbar senken.
Und andererseits, so Aebischer zum BärnerBär: «Wenn wir ohnehin Flächen neugestalten, können sie funktional kühlen und gleichzeitig ein Zeichen für Vielfalt setzen.»
Kühles Klima, kühle Gemüter
Mit «queeren Farbwelten» könne ein klares Zeichen gegen Hass und Diskriminierung gesetzt werden, heisst es im Vorstoss. Wie das genau aussehen könnte, wollen die SPlerinnen offenlassen.

«Farben wie der Regenbogen stehen international seit Jahrzehnten für queere Sichtbarkeit und werden auch in der breiten Bevölkerung klar erkannt», sagt Stadträtin Aebischer.
Dass Kühlung auch mit satten, nicht durchwegs hellen Farben funktioniert, hat denn auch ein Pilotprojekt in Wien gezeigt. Auf dieses wird im Vorstoss verwiesen. Dort hat man den Boden des Hanuschhofs, zwischen einem Museum und einem Theater gelegen, bunt bemalt und so runtergekühlt.
Queere Farben: Reflektierend und passend
Mit – abgesehen von Schwarz – ausschliesslich hellen Farbtönen wäre wohl auch die «Queer Pride Flag» als Vorlage geeignet.
Es gehe ihnen aber nicht darum, eine bestimmte Flagge eins zu eins auf den Boden zu malen, betont Aebischer. Entscheidend sei die Kombination aus klimatischer Wirksamkeit und gestalterischer Aussage.

So sollten die Farbtöne entsprechend gewählt werden, «dass sie reflektierend wirken und zur Umgebung passen».
Aebischer weist darauf hin, dass auch Bern ja diesbezüglich bereits einschlägige Erfahrung hat: So wurden im Rahmen der Women's Euro 2025 Strassenbemalungen umgesetzt, unter anderem am Viktoriaplatz und entlang der Aare.
Farbige Böden: Kein Allheilmittel
Allerdings: Auch wenn die Kühlung von Hitze-Inseln mittels farbigen Asphalts technisch funktioniert, gibt es auch Kritik. So heisst es etwa auch in der Berichterstattung zum Wiener Pilotprojekt: «Es gefällt nicht jedem.»

Doch davon lassen sich Brechbühler und Aebischer nicht entmutigen: «Es ist klar, dass Malereien oder allgemein Kunst im öffentlichen Raum nicht allen Menschen gefallen können», sagt Aebischer.
Ihre Hoffnung sei, dass es möglichst vielen gefalle – aus welchen Gründen auch immer: «Ob eine Gestaltung eindeutig als queeres Symbol gelesen wird oder primär als farbenfrohe Aufwertung des Stadtraums wahrgenommen wird, ist für uns beides möglich.»
Sollte der Stadtrat das Postulat annehmen, müsste der Gemeinderat definieren, wo in der Stadt der Pinsel angesetzt werden soll. Wichtig sei aber: Farben sollen nur eine mögliche Massnahme sein. «Wo Entsiegelung, Bäume oder Beschattung wirksamer sind, sollen diese prioritär geprüft werden.»








