Dieses Jahr dürften noch «mehrere Dutzend Gletscher verschwinden»
Der Bella-Tola-Gletscher wurde zum Opfer der immer heisseren Temperaturen. Doch noch in diesem Jahr dürften viele weitere Schweizer Gletscher verschwinden.

Das Wichtigste in Kürze
- Die anhaltende Hitze trifft die Schweizer Gletscher hart.
- Der Bella-Tola-Gletscher im Wallis ist gar ganz verschwunden.
- Noch in diesem Jahr dürften laut Experte «mehrere Dutzend Gletscher» sterben.
Der Hitzesommer ist nicht nur im Tal, sondern auch im hochalpinen Raum spürbar. Während die Rasen im Unterland vielerorts braun statt grün sind, leiden auch die Schweizer Gletscher. Die ohnehin schon schmelzenden Eismassen trifft der Hitzesommer besonders hart.
So sind mittlerweile etwa die Gletscher in Zermatt und in Saas-Fee für das Sommer-Skifahren geschlossen. Wo normalerweise viele Ski-Teams trainieren, stehen die Lifte nun still.
Für den Walliser Gletscher Bella Tola bedeutete das heisse und trockene Wetter Anfang August gar den Tod. Wo vor einigen Jahren noch ein kleiner Rest aus Schnee und Eis lag, ist nun nur noch Geröll zu sehen.
Gegenüber SRF erklärt Matthias Huss, Glaziologe und Leiter des Schweizerischen Gletschermessnetzes Glamos: «Der Bella-Tola-Gletscher war schon seit fünf Jahren kein aktiver, gesunder Gletscher mehr. Gemäss unserem letzten Inventar 2023 hatte er noch eine Fläche von sieben Fussballfeldern.»
Das Verschwinden des Gletschers kann der Experte jedoch nicht unabhängig bestätigen. Einen Gletscher-Tod festzustellen sei nicht ganz einfach: «Ein Gletscher wird kleiner und kleiner und wird von Schutt und Steinen bedeckt.» Daher sei es irgendwann kaum mehr erkennbar, was noch Gletscher und was Toteis ist.
Laut Huss gilt ein Gletscher offiziell als verschwunden, wenn seine Fläche unter eine Hektare fällt.
Die Aussichten für die Schweizer Gletscher in diesem Sommer sind düster. «Es ist sehr wahrscheinlich, dass in diesem Sommer mehrere Dutzend Gletscher ganz verschwinden», sagt Matthias Huss.
Welche das sein werden, sei schwer vorherzusagen. Lokale Faktoren wie Schatten, Lawinen und Schuttbedeckung spielten eine Rolle. Grundsätzlich verschwinden aber die kleinsten Gletscher als Erste.
Seit 1970 sind 1000 Gletscher verschwunden
Der Rückgang der Schweizer Gletscher ist kein neues Phänomen. Seit 1970 sind laut dem Glaziologen rund 1000 Gletscher verschwunden. «Nur schon in den Jahren zwischen 2016 und 2023 haben wir 160 Gletscher verloren», ergänzt Huss.
Ein Beispiel dafür ist der Pizol-Gletscher. Letztes Jahr schockierte Huss mit einem Post auf LinkedIn. Er präsentierte darin mehrere Aufnahmen des Gletschers zwischen 2002 und 2025.
Dazu schrieb er: «Das Aussterben eines Gletschers.» Auf den Bildern ist der Gletscherschwund klar zu sehen. Wo kurz nach der Jahrhundertwende noch ein Gletscher zu sehen war, sieht man nur noch Geröll.
Das Schweizerische Gletschermessnetz Glamos überwacht regelmässig den Zustand der Gletscher.
Alle paar Jahre wird ein Gletscher-Inventar gemacht. Das letzte Inventar wurde 2023 gemacht. Bis zum nächsten dauert es noch einige Jahre.


















