Ski-Superstar Federica Brignone zeigt Gletscher-Wüste am Matterhorn
Der Ski-Betrieb in Zermatt ist wegen hohen Temperaturen eingestellt. Federica Brignone zeigt kurz darauf dramatische Bilder. Hat Sommerskifahren eine Zukunft?
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Das Wichtigste in Kürze
- Die Zermatt Bergbahnen sperren den Theodulgletscher für Touristen wegen der Hitze.
- Federica Brignone postet ein Video vom Matterhorn und zeigt, wie die Lage vor Ort ist.
- Wie lange hat Sommerskifahren noch eine Zukunft? Klima-Experten schätzen ein.
«Es bringt mich zum Weinen» – «So schlimm habe ich ihn noch nie gesehen» – «Der Tod eines Gletschers». Federica Brignone sorgt mit einem Video (oben) für Bestürzung bei ihren Fans.
Die Doppel-Olympiasiegerin von letztem Februar in Cortina postet Bilder vom Theodulgletscher am Matterhorn. Zu sehen auf dem «Plateau Rosa» sind Bagger, viel Grau – eine Gletscher-Wüste, nennen es einige.
Passend dazu unterlegt die 36-jährige Top-Athletin ihr Video mit der Untergangs-Musik vom Film-Klassiker Titanic...
«Bilder und Webcamaufnahmen zeigen immer eine Momentaufnahme», sagt Jenny Imboden von der Zermatt Bergbahnen AG zu Nau.ch. «Deshalb lassen sich aus einzelnen Aufnahmen keine verlässlichen Rückschlüsse auf die Gesamtsituation ziehen.»
Touristen können in Zermatt nicht mehr Sommer-Skifahren
Fakt ist hingegen, dass der Theodulgletscher seit Ende Juli für Touristen gesperrt ist. Wo sonst im Sommer Ski gefahren wird, herrscht Leere. Grund dafür sind die hohen Temperaturen und die fehlende nächtliche Abkühlung.
Wie lange die Pisten zu bleiben, ist aktuell unklar, so Imboden. Der Sommerskibetrieb werde wieder aufgenommen, «sobald die natürlichen Voraussetzungen einen qualitativ guten und sicheren Betrieb zulassen».

Der Sommerskibetrieb besitze für die Destination Zermatt aber eine «grosse strategische Bedeutung». Insbesondere für die Rennsportler, aber auch für andere Gäste.
Beim Betrachten der Bilder stellt sich vielen die Frage: Wie lange ist Sommerskifahren auf dem Gletscher aber noch möglich?
Sommerskifahren – ein Auslaufmodell?
Eine pauschale Antwort, wie lange Skibetrieb im Sommer noch funktioniert, hat auch ETH-Klimaforscher Reto Knutti nicht. «Sie ist sicher abhängig von der Destination. Die höchsten können am längsten überleben.»

Nicht jeder Sommer werde so extrem, so heiss, so trocken wie 2026. «Aber es ist völlig klar, dass mit dem Klimawandel die heissen Sommer und die schneearmen Winter zunehmen. Hitzewellen werden länger, häufiger und intensiver.»
Das wird die wenigen Sommerskigebiete langfristig vor grosse Herausforderungen stellen, so Knutti weiter.
«Einerseits wegen der Schneemenge und andererseits mit den schmelzenden Gletschern darunter.» Zum Problem werden im Eis stehende Masten, Spalten oder Übergänge von den Stationen auf die Gletscher.
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Die nächsten zwei bis drei Jahrzehnte entscheiden
Sonia Seneviratne ist ebenfalls Klimawissenschaftlerin an der ETH. Sie sagt, dass die nächsten zwei bis drei Jahrzehnte entscheidend werden.
«Wenn wir es schaffen, sehr schnell den Verbrauch von Erdöl, Gas und Kohle zu reduzieren, könnten wir die Klimabedingungen auf einem ähnlichen Niveau wie jetzt stabilisieren.»

Dafür müssten die Emissionen aber bis 2030 halbiert und bis 2050 auf null gesenkt werden.
«Wenn wir es nicht schaffen, dann werden die CO2-Konzentrationen noch sehr viel zusätzlich zunehmen. Und die meisten Gletscher der Schweiz würden verschwinden.»
...dann wird Sommerskifahren «gar nicht mehr möglich sein»
Auf jeden Fall schon zu spät sei es, die bisherigen Klimaänderungen rückgängig zu machen. «Deshalb wird Sommerskifahren in der Schweiz immer schwieriger werden, und falls die Emissionen nicht zurückgehen auch irgendwann gar nicht mehr möglich sein.»
Seneviratne nennt als Hauptursache für die CO2-Emissionen die Verbrennung fossiler Energieträger. Zum Beispiel Benzinautos, Öl- und Gasheizungen oder industrielle Prozesse.
«Werden Gäste unter diesen Unsicherheiten noch frühzeitig buchen?»
Nebst der Frage, ob Sommerskifahren überhaupt noch möglich und sicher ist, entscheiden künftig auch wirtschaftliche Fragen, sagt Knutti.
Steigende Kosten für Infrastruktur, «wahrscheinlich» abnehmende Zahl von Gästen oder Spitzensportlern. Und die Unsicherheit, dass der Betrieb vielleicht nur noch zwei von drei oder einer von zwei Sommern möglich ist.
«Werden die Gäste unter diesen Unsicherheiten noch frühzeitig buchen?», fragt sich Knutti.
Braunwald schliesst für immer
Es ist also nicht viel anders als im Winter. Auch dort stellt sich oft die Frage, wie viel Gäste und Destinationen bereit sind, zu investieren.

So teilte Braunwald GL etwa Ende Juni mit, dass der klassische Skibetrieb ab der Wintersaison 2026/27 eingestellt wird. Begründet wurde der Schritt mit finanziellen Verlusten und veränderten klimatischen Bedingungen. Ein «Weiter wie bisher» sei nicht möglich.
Auch Saas-Fee-Fans machen sich Gletscher-Sorgen
Im Gegensatz zu Zermatt noch offen sind aktuell die Pisten in Saas-Fee VS. Jedoch sorgen aktuelle Bilder vom Allalin-Gletscher ebenfalls für Sorgenfalten. In Saas-Fee-Facebook-Gruppen befürchtet man Schlimmes, weil nun noch der ganze Monat August ansteht.
Nau.ch fragte beim Walliser Gebiet nach, ob der Sommerskibetrieb in Gefahr sei. Bis zur Veröffentlichung des Artikels gab es keine Antwort darauf.

















