Crans-Montana-Opfer spricht über Überlebenskampf
«Neues Leben auf verbrannten Fundamenten»: Mélanie Van de Velde (32) überlebte die Crans-Montana-Tragödie – nun kämpft sie sich zurück ins Leben.

Das Wichtigste in Kürze
- Mélanie Van de Velde (32) ist eines der schwer verletzten Brandopfer aus Crans-Montana.
- 40 Prozent ihrer Haut wurden durch das Feuer zerstört – sie kämpft jeden Tag.
- Nun baut sie sich ein neues Leben auf – und hofft auf «Gerechtigkeit».
Für Mélanie Van de Velde (32) ist jeder Tag ein Überlebenskampf.
Vor 100 Tagen geriet ihr Leben aus den Fugen: Beim verheerenden Brand in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana wurde sie schwer verletzt.
40 Prozent ihrer Haut verbrannten, drei Transplantationen liegen bereits hinter ihr. Haut vom Oberschenkel musste entnommen werden, um zerstörte Körperstellen zu rekonstruieren.
Sie gehört zu den 115 gezeichneten Überlebenden des Infernos am Neujahrsmorgen.
Im «Bild»-Interview spricht die junge Mutter offen über ihren Alltag zwischen Schmerzen, Hoffnung und Angst. Sie beschreibt, wie sie sich «Neues Leben auf verbrannten Fundamenten» aufbaut. Ohne Mitleid zu wollen, aber mit der Bitte, «nicht vergessen zu werden».
«Geräte, die jetzt ein Teil von mir sind»
Über drei Monate nach der Katastrophe ist ihr Alltag geprägt von Verbänden, Schienen und medizinischen Hilfsmitteln. Ihre Haut brennt noch immer.
«Ein Körper, den man erst wieder kennenlernen muss», so die 32-Jährige zur deutschen Zeitung. Orthesen, Kompressionsmasken – «Geräte, die jetzt ein Teil von mir sind.»
Die Erinnerung an den Moment des Unglücks lässt sie nicht los: Nur eine Minute und dreissig Sekunden hätten gereicht, bis die Flammen alles veränderten.
«Ich sah den Tod. Ganz nah. Nah genug, um zu glauben, dass ich es nicht schaffen würde. Und doch … bin ich hier.»

Doch seit jener Nacht ist alles anders: «Seit diesem Tag lebe ich nicht mehr. Ich überlebe.»
Zuerst kam sie in Zürich ins Spital, danach wurde sie nach Nantes (F) verlegt. «Der grösste Schmerz von allem», sagt die 32-Jährige, war von ihrem zweijährigen Kind getrennt zu sein.
Heute klammert sie sich an kleine Fortschritte: Ein T-Shirt selbst anziehen, Treppen steigen, sich bücken. Aus 150 Schritten am Tag sind inzwischen 4000 geworden – ein mühsam erkämpfter Weg zurück ins Leben.
«Gerechtigkeit»
Ihre Pariser Anwältin Sylvie Noachovitch (62) betont, dass hinter der Tragödie zerstörte Existenzen stehen: «Opfer, die Wahrheit, Anerkennung und Gerechtigkeit brauchen.»
Mélanie selbst fragt: «Wo bleibt die Gerechtigkeit, wenn das Opfer sichtbare und unsichtbare Spuren auf Lebenszeit trägt und die Verantwortung vage bleibt?»
















