Crans-Brandopfer sehnt sich nach Behandlung in Schweiz
Nach dem Brand in Crans-Montana kämpft Anaïs (19) weiter um ihr Leben. Für ihre Familie wird der Klinikalltag durch Sprachbarrieren zur zusätzlichen Belastung.

Das Wichtigste in Kürze
- Die 19-jährige Anaïs wurde bei dem Brand in Crans-Montana schwer verletzt.
- Derzeit wird sie in einer Spezialklinik im deutschen Hannover behandelt.
- Für die Familie aus der Romandie wird der Prozess durch die Sprachbarriere erschwert.
Die Neujahrsnacht in Crans-Montana VS hat das Leben der 19-jährigen Anaïs grundlegend verändert. Was als Feier begann, endete in Flammen. Die junge Frau erlitt bei der Brandkatastrophe in der Bar «Le Constellation» erhebliche Verbrennungen.
Rund 70 Prozent ihres Körpers sind betroffen, auch ihre Hände wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Acht Wochen lang lag sie im künstlichen Koma, berichtet RTS. Inzwischen wird sie in einer Spezialklinik im deutschen Hannover behandelt.
Doch während ihr Körper langsam heilt, zeigt sich, dass die eigentlichen Herausforderungen längst nicht nur physischer Natur sind.
Keine psychologische Unterstützung auf Französisch
Seit jener Nacht ist Anaïs' Mutter Julie ununterbrochen an ihrer Seite. Sie organisiert, spricht mit den Ärzten, versucht zu verstehen, was mit ihrer Tochter geschieht. Doch dabei stösst sie immer wieder an Grenzen.
Denn für die Familie aus der Romandie wird selbst das Zuhören im deutschsprachigen Umfeld der Klinik zur Anstrengung. Die Sprachbarriere sorgt für unklare medizinische Erklärungen, wichtige Details müssen mehrfach nachgefragt werden.
Wie Julie in der Sendung «La Matinale» von RTS schildert, wiegt besonders eines schwer: Psychologische Unterstützung auf Französisch gibt es nicht.
Um ihrer Tochter möglichst nahe zu sein, hat sie sich in ein Hotel unweit des Spitals eingemietet. Es ist ein Provisorium, das für die Familie längst zum Alltag geworden ist.
«Ich wohne jetzt schon seit drei Monaten in dem Hotel», erklärt Julie. «Wir haben nach dem nächstgelegenen Hotel gesucht, damit wir schnellstmöglich dort sein konnten.»
Mutter fühlt sich «völlig gefangen und im Stich gelassen»
Je länger die Behandlung dauert, desto stärker wächst der Wunsch, in die Schweiz zurückzukehren. Eine Verlegung schien zwischenzeitlich greifbar, so beschreibt es Julie.
Doch auf die entsprechenden Zusicherungen des Universitätspitals Lausanne (CHUV) folgte nichts Konkretes. Das Spital gilt als Anlaufstelle für im Ausland hospitalisierte Opfer der Crans-Montana-Katastrophe.
Dabei wäre Anaïs’ Zustand inzwischen stabil genug für einen Transfer in die Schweiz. Wendet sich Julie an die Behörden, erhält sie überall dieselbe Antwort: zu wenig Betten, zu wenig Personal. Die Spitäler stossen an ihre Grenzen.
«Sie sagen mir, […] dass sie im Falle weiterer Unfälle Leute ins Ausland schicken müssen. Können Sie das glauben?», sagt Julie fassungslos.
Die aktuelle Situation sei «völlig hoffnungslos». Sie fühle sich von den Schweizer Behörden «völlig gefangen und im Stich gelassen».
Spital verweist auf begrenze Kapazitäten
Währenddessen schreitet die Behandlung weiter voran. Anaïs müssen Fingerglieder amputiert werden, insbesondere an der linken Hand stehen weitere Operationen an.
Es sind Entscheidungen, die nicht nur medizinisch schwer wiegen. Für die Familie wäre es wichtig gewesen, diesen Abschnitt in der Schweiz zu durchleben, betont Julie. In vertrauter Umgebung, in der eigenen Sprache.
«Ohne psychologische Unterstützung in französischer Sprache wird es eine grosse Herausforderung sein», sagt Julie.
Das Universitätsspital Lausanne verweist derweil auf die begrenzten Kapazitäten in der Behandlung von Schwerbrandverletzten. Die vorhandenen Plätze müssten für akute Notfälle freigehalten werden.
Gleichzeitig sucht man nach Lösungen. Um Anaïs dennoch aufnehmen zu können, steht das CHUV nun im Austausch mit dem Universitätsspital Zürich.

















