Crans-Kellnerin: «Leute sahen sich im Spiegel – es war schrecklich»
Eine Barmitarbeitende des «Le Constellation» in Crans-Montana erinnert sich an die verhängnisvollen Minuten in der Silvesternacht.

Das Wichtigste in Kürze
- Im «Le Constellation» waren zum Zeitpunkt des Unglücks fünf Barmitarbeitende im Einsatz.
- Eine von ihnen hat das Unglück unverletzt überlebt, ist aber schwer traumatisiert.
- Sie schilderte der Polizei den Moment der Katastrophe.
Die 25-jährige Französin Louise hat als einzige Barmitarbeitende des «Le Constellation» die Brandkatastrophe in Crans-Montana unverletzt überlebt. Zumindest körperlich. Psychisch hat die Tragödie auch bei ihr tiefe Wunden aufgerissen.
«Seit den Ereignissen schlafe ich sehr schlecht», sagte Louise am 8. Januar zur Polizei. Ihre Aussagen liegen dem französischen TV-Sender BFM TV vor.
«Ich sehe ständig die Gesichter der Toten vor mir», erzählte die Barmitarbeitende. «Draussen erkannte ich Menschen, die ich zuvor noch bedient hatte – verbrannt. Der Geruch bleibt mir in der Nase.»
Louise hat es als eine der ersten Personen durch den Hauptausgang aus dem Lokal geschafft. Sie erinnert sich an das Chaos, welches draussen geherrscht hat. «Ich hatte den Eindruck, die Feuerwehr liess ewig auf sich warten. Überall lagen Brandopfer» erinnert sie sich.
Gegenüber des «Le Constellation», in der Bar 1900, wo viele der Opfer erstversorgt wurden, seien überall Spiegel gehangen. «Die Leute sahen ihr Spiegelbild – es war schrecklich.»
Gruppe bestellte ein Dutzend Flaschen
Ihren Äusserungen zufolge verläuft der Silvesterabend zunächst ruhig. Auch nach dem Jahreswechsel ist die Bar nicht übermässig belegt. Im Service sind neben Louise noch zwei Kolleginnen und zwei Kollegen im Einsatz.
Die Katastrophe nimmt ihren Anfang, als eine grosse Gruppe, die rechts von der Treppe sitzt, Champagnerflaschen mit Kerzen bestellt.
Gegen 01.10 Uhr ruft eine Person der Gruppe Louise zu sich und bittet sie: «Es ist so weit, bringt alles rein.» Dann beginnt die Show.
Louise und ihre Kolleginnen und Kollegen verkleiden sich und zünden die Kerzen an. Der DJ spielt das von der Gruppe gewünschte Lied.
Dann tragen sie die ungefähr ein Dutzend Flaschen in einer Reihe durch die Bar zum Tisch. Zwei oder drei Personen der Gruppe helfen ihnen dabei. Eine von Louises Kolleginnen sitzt einem Kollegen auf der Schulter.
Barpersonal steht zunächst mit Rücken zum Brand
Als sie beim Tisch ankommen, ist der Brand bereits ausgebrochen – zunächst unbemerkt. Das Barpersonal steht mit dem Rücken zur brennenden Decke. Erst nach 30 bis 35 Sekunden wird Louise auf das Feuer aufmerksam. Es ist bereits zu spät.
Sie überlegt sich noch, hinter der Theke einen Eimer Wasser zu holen, doch es steht schon alles in Flammen. Sie ruft: «Alle raus, es explodiert gleich!» und beginnt zu rennen.
Louise hat als einzige ihres Teams Glück. Drei der vier Barmitarbeitenden, die mit ihr im Einsatz sind, werden schwer verletzt. Jene, die ihrem Kollegen auf der Schulter gesessen ist, überlebt nicht.




















