«Crans ist Schweiz!»: Italiener attackiert Tessiner Politiker
In einer Talkshow eskaliert die Debatte rund um die Tragödie von Crans-Montana. Ein Gast ist der Meinung, dass Italien auf die Schweiz böse sein müsse.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Tessiner Grossrat kritisiert die Polemik der Italiener nach der Walliser Tragödie.
- «Müssten wir etwa auf die Australier böse sein?», fragt ein italienischer Gast.
- User reagieren mit klaren Meinungen.
Die Schweiz hat in Italien an Punkten verloren. Seit der Brandkatastrophe in Crans-Montana VS berichtet das Nachbarland laufend darüber – mit hohem Empörungspegel. «Ich bin stolz darauf, kein Schweizer zu sein», sagte etwa der italienische Journalist Tommaso Cerno.
An Neujahr starben in der Walliser Bar 40 Personen, darunter sechs aus Italien. Von den über 100 Verletzten sind 13 Italienerinnen und Italiener.
Am Donnerstag eskaliert die Situation in der italienischen Polit-Talkshow «Dritto e rovescio» auf «Rete 4». Futter dafür gibt ausgerechnet ein Schweizer. In der Sendung ist der Luganeser Lega-Grossrat Daniele Piccaluga zugeschaltet.
«Wenn ihr sie uns schenkt, wird es Italien»
Es habe manchmal so geschienen, als beteilige man sich an einem Fan-Jubel für die eine oder andere Nation, sagt Piccaluga.
Vorsichtig erklärt er, dass einige Kollegen des Moderators «vielleicht etwas mehr Polemik machten». Da platzt dem italienischen Journalisten Pietro Senaldi der Kragen.
«Aber entschuldigen Sie, Piccaluga», fällt er ihm ins Wort.
«Müssten wir die Australier für den Brand von Crans kritisieren?», fragt Senaldi. «Müssten wir etwa auf die Australier böse sein? Auf die Schweden?»
Er wisse es nicht, fährt Senaldi fort. «Sagen Sie es mir», fordert Senaldi. Oder ob Italien etwa auf sich selber böse sein solle.
Die Tragödie sei in der Schweiz passiert, entschuldigt sich der Journalist. «Wenn ihr sie uns schenkt, wird es Italien, aber Crans ist Schweiz!»
«Wirkte wie ein Hühnerstall»
Der Tessiner Grossrat verneint wiederholt. «Aber die Schweiz ist nicht nur Crans-Montana», verteidigt er sich. Er wolle nicht von Nationalitäten reden, wenn es um Jugendliche gehe, die ihr Leben verloren hätten.
Auf Social Media bekommt der Tessiner Politiker viel Unterstützung. «Bravo, Piccaluga. Er hat sich überlegen gezeigt», lobt eine Userin. «Die Sendung wirkte wie ein Hühnerstall.»
Man sehe das Bildungsniveau, schreibt eine Userin. «Piccaluga war ruhig, höflich und Senaldi aggressiv und liess ihn nicht ausreden!» Senaldi hingegen habe mit seinem Herumgeschrei einen schlechten Eindruck gemacht, stimmt eine Userin zu.
Schweiz sei gut im Verbergen
Andere Stimmen kritisieren, dass die Italiener eine grosse Klappe hätten und zu Unrecht der Schweiz eine Lektion erteilten.
«Dabei haben sie Seilbahnen, die abstürzten, und Brücken, die einstürzen», schreibt jemand. 2021 forderte der Absturz einer Pendelbahn in Norditalien 14 Todesopfer. 2018 kamen über 40 Menschen in Genua um, weil die Morandi-Brücke einstürzte.
Trotzdem fallen auch negative Kommentare gegen die Schweiz.
«Die Schweizer kritisieren gerne, aber werden nicht gerne kritisiert», behauptet ein User. Er äussert Bedauern für die italienischen Grenzgänger. «Die im Tessin arbeiten und nichts zu melden haben.»
Eine Nutzerin ist der Meinung, dass die Schweizer gut im Verbergen seien «von allem Schlechten, das im Land passiert». Die Schweiz sei nicht die Perfektion. «Das sagt euch eine, die in der Schweiz lebt.»

















