Deshalb verliert Floorball Köniz Bern seine Stars

Sébastian Lavoyer
Sébastian Lavoyer

Köniz,

Floorball Köniz Bern verliert mit Aaro Astala und zwei weiteren Finnen drei Schlüsselspieler. Das sagt Sportchef Heinz Zaugg.

Floorball Köniz Bern
Rasmus Kainulainen, Aaro Astala und Miska Mäkinen verlassen Floorball Köniz Bern. - Daniel Zaugg

Floorball Köniz Bern (FBK) verliert alle drei Finnen – darunter mit Aaro Astala einen der besten Spieler der Welt. Der FBK-Starstürmer will bei der Heim-WM nächsten Dezember noch einmal nach den Sternen greifen. Was das für FBK bedeutet, erläutert Sportchef Heinz Zaugg.

Als Astala Anfang November 2025 an der Euro Floorball Tour in Schweden aufläuft, beschleicht ihn ein Gefühl, das er nicht einordnen kann. Es ist kein Schmerz, keine akute Verletzung. Eher ein leichter Zweifel. «Das Spiel mit den anderen Nationalspielern hat sich nicht gleich angefühlt wie früher», sagt er heute.

Zwar ist er zu dem Zeitpunkt noch nicht vollständig fit, hat zuvor eben die ersten Spiele für Floorball Köniz Bern nach einer Knieverletzung bestritten. Doch das allein erklärt es für ihn nicht. Irgendetwas fehlt.

Nur ein kleines Bisschen. Ein Prozent Intensität. Ein Prozent Trainingshärte. Ein Prozent Selbstverständlichkeit. Was auf internationalem Niveau entscheidend sein kann.

Verfolgst du Floorball Köniz Bern?

Astala ist nicht irgendwer. 2024 wird er mit Finnland Weltmeister, danach zum zweitbesten Spieler der Welt gewählt. Mit 29 Jahren steht er auf dem Zenit seiner Karriere.

Vor der Saison wechselt er zu Floorball Köniz Bern, dem ambitionierten Berner Spitzenklub.

Mit Astala will FBK noch weiter nach oben, vielleicht ganz nach vorne. In Bern passt für den finnischen Unihockey-Star fast alles: das Team und der Staff, die Organisation, das Umfeld, die Professionalität.

Der Klub besorgt ihm sogar ein Praktikum im Bereich Datenmanagement, das exakt seinem fünfjährigen Studium entspricht.

Aaro Astala, Floorball Köniz
Aaro Astala: «Ich habe das Gefühl, dass ich für internationale Spiele ein kleines bisschen besser vorbereitet bin, wenn ich aus dem finnischen Trainingsumfeld komme.» - Dan Zaugg

Maximal 20 Stunden pro Woche arbeitet er für ein Beratungsunternehmen, das grosse Firmen dabei unterstützt, aus ihren Daten mehr Wert zu schöpfen. «Das Arbeiten hat mich nicht beeinträchtigt», sagt er. «Im Gegenteil: Es hat mir geholfen, den Kopf freizubekommen.»

Doch seit jenem Turnier im November lässt ihn der Gedanke nicht mehr los. Im Dezember 2026 findet die Weltmeisterschaft in Tampere statt. Heim-WM. «Ohne dieses Turnier hätte ich nie im Leben daran gedacht zurückzugehen», sagt Astala. Das betont er mehrfach.

Er verlässt Köniz nicht, weil etwas nicht stimmt, sondern weil etwas Besonderes wartet.

Ein Prozent Unterschied

Was ist dieses fehlende Prozent? Astala formuliert vorsichtig. «Die Trainingskultur ist vielleicht ein bisschen professioneller oder intensiver», sagt er über Finnland. Er glaubt, dass ein Wechsel nach Finnland minim besser ist für ihn, seine Form und seine Leistung.

In Finnlands höchster Liga gibt es mehr Vollprofis. Das Krafttraining findet fast immer im Team statt, strukturiert, kollektiv, unter professioneller Aufsicht. In der Schweiz absolviert Astala seine Athletikeinheiten oft allein oder mit ein paar anderen FBK-Spielern.

Viele seiner Kollegen hier studieren oder arbeiten neben dem Unihockey, so ja auch Astala selbst. Es ist kein Vorwurf. Es ist ein kleiner Unterschied, ein Detail.

«Ich habe das Gefühl, dass ich für internationale Spiele ein kleines bisschen besser vorbereitet bin, wenn ich aus dem finnischen Trainingsumfeld komme», sagt Astala. Das, so denkt er, könnte der entscheiden Faktor für einen Erfolg bei der Heim-WM sein.

Floorball Köniz
Rasmus Kainulainen (links), Aaro Astala (Mitte) und Miska Mäkinen (rechts). - Daniel Zaugg

Hat ihm der finnische Nationaltrainer Esa Jussila eine Rückkehr nahegelegt? «Nein, das war meine eigene Entscheidung», sagt Astala ohne zu zögern.

Ende November informiert er Sportchef Heinz Zaugg über seine Überlegungen, Ende Dezember fällt der definitive Entscheid.

Ein Entscheid, mit dem er lange gerungen hat. Wegen des Teams. Wegen der Stadt. Wegen des Jobs. «Ich kann mir sehr gut vorstellen, zurückzukommen», sagt er. Und die Tür in Köniz bleibt offen für ihn.

Der Schatten der Sperre

Auch wenn seine Saison in Bern bisher alles andere als geradlinig verlaufen ist. Zu Beginn ist der Star-Transfer verletzt. Anfang Dezember 2025 der nächste Rückschlag: Wegen eines Verstosses gegen die Wettbestimmungen der finnischen Liga wird Astala für sechs Wochen gesperrt.

Er hat auf Spiele der eigenen Liga gewettet – und ist damit eine von rund 80 sanktionierten Personen. Ein Erdbeben im finnischen Unihockey. «Anfänglich war es ein riesiger Schock», sagt er.

Verfolgst du Unihockey?

«Es ging nicht um Spielmanipulation oder Ergebnisbeeinflussung, sondern um Wetten.» Die Strafe akzeptiert er, auch wenn er im Moment der Bekanntgabe am Boden zerstört ist.

Was ihn in diesem Augenblick stützt: Die Mannschaft steht hinter ihm. «Alle haben mich aufgemuntert mir gut zugeredet. Dafür bin ich dem Team und dem ganzen Verein sehr dankbar.»

Er trainiert weiter, bleibt integriert. Kein Bruch. Kein Misstrauen. Nur eine Episode in einer Saison, die ohnehin ungewöhnlich verläuft.

Ein Exodus – und doch keiner

Ende Januar kommuniziert Floorball Köniz Bern den Abgang der drei Finnen. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Umbruch, ein Exodus. Nach einem Anruf bei FBK-Sportchef Heinz Zaugg relativiert sich vieles. «Grundsätzlich ist es nichts Ungewöhnliches, dass ausländische Spieler den Klub nach zwei Saisons wieder verlassen», so Zaugg.

Bei Rasmus Kainulainen habe man ohnehin dazu tendiert, den Vertrag nicht zu verlängern. Der Angreifer wechselt im Sommer zu den Westend Indians nach Espoo, wie er selbst via Social Media bereits kommuniziert hat. Sein neuer Trainer schwärmt bereits von zusätzlicher Torgefahr und Durchschlagskraft.

Rasmus Kainulainen
Rasmus Kainulainen. - Daniel Zaugg

Auch WM-Siegtorschütze Miska Mäkinen kehrt in die Heimat zurück. Der Verteidiger mit aussergewöhnlichen Offensivqualitäten hätte schon früh angekündigt, dass er zurückwolle. «Miska ist momentan extrem gut drauf. Er spielt grossartig, die Einstellung stimmt», sagt Zaugg. Nach dem WM-Hype sei er phasenweise weniger konstant gewesen.

«Wir wussten schon, dass er wieder nach Hause möchte, bevor wir über eine mögliche Vertragsverlängerung sprechen konnten.»

Deutlich mehr schmerzt der Abgang von Astala. «Eigentlich hat Aaro bei uns noch eine Rechnung offen», sagt Zaugg. Vom Renommee, der Spielstärke und der Präsenz im Team sei er kaum durch einen einzelnen Spieler zu ersetzen.

Zum ersten Mal seit fast einem Jahrzehnt dürfte kommende Saison kein Finne mehr das Trikot von Floorball Köniz Bern tragen.

Miska Mäkinen
Miska Mäkinen. - Daniel Zaugg

«Der finnische Markt ist etwas ausgetrocknet. Die Top-Spieler wollen wegen der Heim-WM nicht ins Ausland. Wir schauen vermehrt nach Schweden», so Zaugg. Für zwei der drei gebe es Schweizer Alternativen auf Augenhöhe. Bei Astala wird man breiter denken müssen.

«Schlaflose Nächte habe ich deswegen keine», sagt Zaugg. Wobei auch ihm bewusst ist, dass die drei Finnen ein Publikumsmagnet sind. Gerade Astala. FBK ist die Mannschaft mit den zweitmeisten Zuschauern der Liga. Diese Saison waren bisher im Schnitt 50 Zuschauer mehr in der Weissensteinhalle.

Das tönt nach wenig, kommt aber einem Zuschauerzuwachs von mehr als sieben Prozent gleich – und noch sind wir nicht in den Playoffs. Die entscheidenden Spiele folgen jetzt.

Kommentare

Weiterlesen

Floorball Köniz Bern
Unihockey

MEHR AUS AGGLO BERN

Joana Hählen Rücktritt
1 Interaktionen
Mit 34 Jahren
glücklicher riggisberg
4 Interaktionen
Ab Sommer
Pizzakurier
76 Interaktionen
«So faul»
Münchenbuchsee