Vor einem Monat wurde wegen des Coronavirus die Zertifikatspflicht für die Gastronomie eingeführt. Die Terrassenumsätze haben das Schlimmste verhindert.
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Wegen Coronavirus: Seit dem 13. September gilt in den meisten Innenräumen die Zertifikatspflicht. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Gastrobranche verzeichnet nach einem Monat Zertifikatspflicht Umsatzeinbussen.
  • Dies fällt je nach Art und Ort des Gastrobetriebes unterschiedlich aus.
  • Das Outdoor-Geschäft war im letzten Monat unüblich hoch.

Seit nun exakt einem Monat gilt in der Schweiz die ausgeweitete Zertifikatspflicht. Jeder Restaurant-Gast ist seit dem 13. September also verpflichtet, eine Impfung gegen das Coronavirus, eine durchgemachte Erkrankung oder ein negatives Testergebnis vorzuweisen.

Eine Massnahme im Kampf gegen das Coronavirus, welche vor allem die Gastronomie zu spüren bekommt. So ist es laut einer Studie der HSG zuletzt zu einem Einbruch von 15 bis 20 Prozent gekommen. Hier werden aber lediglich Kreditkartentransaktionen berücksichtigt, weshalb die Ergebnisse mit Vorsicht zu geniessen sind.

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Im Landhaus Liebefeld BE wird das Zertifikat mittels App überprüft. Dazu kommt eine ID-Kontrolle. - Nau.ch

Coronavirus: Vor allem Gastronomie auf dem Land spürt Einbruch

Man erhalte derzeit viele Zuschriften von konsternierten Mitgliedern, deren Umsätze seit der Einführung der Zertifikatspflicht stark eingebrochen sind. So erhärtet Gastrosuisse auf Anfrage die oben erwähnten Zahlen. Zu erwarten sei zudem, dass der Umsatzeinbruch nochmals zunehmen werde. Dies aufgrund des bevorstehenden kalt-nassen Wetters und der seit dieser Woche kostenpflichtigen Tests.

Dies bestätigt auch Moritz Rogger vom Verband Gastro-Luzern. «Die Besucherzahlen gehen seit der Zertifikatseinführung deutlich zurück und haben sich mit dem kalten Wetter der letzten Tage rund halbiert.» Vor allem auf dem Land sei dies zu spüren.

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Zertifikatspflicht wegen des Coronavirus: Gäste werden draussen bedient. (Symbolbild) - sda - KEYSTONE/LAURENT GILLIERON

Der Grund sieht Rogger nicht alleine am Zertifikat an und für sich. Auch die damit geschaffene «Zweiklassengesellschaft» sei ein Problem. «Diese führt immer mehr zu Streitereien unter Geimpften und Nicht-Geimpften.»

Der Krach am Restaurant-Tisch sei keine Seltenheit mehr. Gerade viele Firmen würden diesem aus dem Weg gehen, indem sie auf das Mittagessen im Restaurant verzichten. «Auch werden deshalb viele Firmenessen verschoben oder ganz abgesagt, was uns sehr schmerzt», so Rogger.

Gehen Sie seit der Einführung der Zertifikatspflicht noch ins Restaurant?

Guter September in Basel

Etwas positiver bewertet Maurus Ebneter vom Wirteverband Basel-Stadt die Lage. Dank der Art Basel und schönem Wetter hatte man einen recht guten September. Doch man sei weit vom Vorkrisen-Niveau entfernt, betont Ebneter.

Zwar sei positiv, dass in Innenräumen nun die Abstände zwischen Gästegruppen nicht mehr eingehalten werden müssen. Doch würde ein Teil der Gäste die Restaurants weniger oft besuchen.

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Menschen essen in einem Restaurant zu Mittag. (Symbolbild) - dpa

Doch zum Glück würden bei warmem Wetter die Terrassen als Ausweichmöglichkeiten funktionieren. «Der Anteil der Outdoor- und des Mitnahmegeschäfts ist für diese Jahreszeit unüblich hoch.»

Ebnet weist jedoch darauf hin, dass sich die Zertifikatspflicht wegen des Coronavirus je nach Betrieb und Standort sehr unterschiedlich auswirke.

«Terrassenumsätze verhindern das Schlimmste»

Dies bestätigt auch Gastrosuisse: «Die Betroffenheit hängt vom Standort, vom Betriebstyp, der Zielgruppe und den Aussenflächen ab», erklärt Mediensprecherin Daniela Kimmich. «Vielerorts helfen momentan die Terrassenumsätze sowie das Mitnahme- und Liefergeschäft, das Schlimmste zu verhindern.»

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