Der Bundesrat lockert die Regeln zum Coronavirus, die Terrassen sind jetzt offen. Doch viele Wirte lassen ihr Servicepersonal trotzdem in der Kurzarbeit.
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Wirt René Corpataux vor seiner Restaurant-Terrasse in Freiburg. Er und seine Frau (hinten) servieren selbst. - Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit Montag dürfen Restaurants auf der Terrasse wieder Gäste bedienen.
  • Viele Wirte befürchten aber, dass sich das Geschäft kaum lohnt.
  • Aus Vorsicht packen sie selber mit an und lassen ihre Angestellten in der Kurzarbeit.

Lange haben die Wirte darauf gewartet, ihre Restaurants wieder öffnen zu können. Endlich ist es soweit. Dass der Konsum aber nur auf der Terrasse erlaubt ist, ist für viele ein vergiftetes Geschenk. Sie haben Angst, der Umsatz falle viel zu klein aus.

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Das Coronavirus macht es den Wirten nicht einfach: Sie können noch nicht richtig abschätzen, was die Terrassen-Öffnung ihnen bringt. - Keystone

Deshalb erledigen viele Wirte, die sonst eher im Hintergrund tätig sind, den Service jetzt gleich selbst. So kann das Personal in der Kurzarbeit bleiben, und damit fällt auch diese Finanzhilfe nicht weg.

«Es ist zu riskant, die Servicekräfte jetzt aus der Kurzarbeit zu holen. Vielleicht mache ich an einigen Tagen ja nur 200 Franken Umsatz, ich weiss es nicht», sagt Wirt René Corpataux. Er führt in Freiburg zusammen mit seiner Frau das Restaurant «Marcello».

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René Corpataux und seine Frau erledigen den Service auf der Terrasse. Das Servicepersonal bleibt in der Kurzarbeit. - Nau.ch

«In Bern wird Theorie zu den Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus gemacht. Ich aber muss um zu überleben abwägen, was in der Praxis überhaupt Sinn ergibt», sagt er.

Corpataux hofft auf das Mittags-Geschäft, denn ab 19 Uhr schliesst er das Restaurant wieder. «Bei diesen Temperaturen lohnt es sich für uns nicht, abends offen zu haben.»

Haben Sie vor, diese Woche abends auf einer Terrasse essen zu gehen?

Sobald es wärmer wird, geht das Wirtepaar nochmals über die Bücher. «Das Ganze ist kompliziert, aber wir wollen es versuchen», sagt Meriyem Corpataux zu den Regeln im Kampf gegen das Coronavirus.

Coronavirus: «Mehrheit des Service-Personals bleibt in Kurzarbeit»

Der Wirteverband Gastrosuisse geht davon aus, dass trotz Terrassen-Öffnung eine Mehrheit des Service-Personals in Kurzarbeit bleiben wird. «Ein Viertel der Restaurants hat gar keinen Aussenbereich. Zudem kann der Aussenbereich oftmals mit wenig Personal betrieben werden.»

Vor dem Adrianos beim Berner Zytglogge sind sämtliche Tische zur Mittagszeit belegt.
Vor der Pizzeria San Gottardo in der Berner Aarbergergasse warten die ersten Gäste auf ihre Pizza.
Mit der Sonne füllt sich auch diese Terrasse in der Altstadt von Bern.
Noch spärlich besetzt sind die Tische vor der Pizzeria Thurm in der Berner Innenstadt, kurz nach halb12.
... eine Stunde später sind jedoch auch hier fast alle Tische belegt.
Gut besetzt ist die Terrasse der Brasserie Schiller in Zürich beim Sechseläutenplatz.
Das Café Collana beim Zürcher Opernhaus ist zur Mittagszeit ebenfalls gut besucht.
Auch in der Altstadt von Luzern ist um die Mittagszeit viel los, wie hier vor dem Café Heini.
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Auch hier in der Seitengasse, vor dem Restaurant Fritschi in Luzern, haben die Gastronomen alle Hände voll zu tun.

Der Branchenverband weist zudem darauf hin, dass die Personalkosten rund die Hälfte der Kosten im Normalbetrieb ausmachen.

Die Teilöffnung würde viele Restaurants dazu zwingen, eher mit zu wenig als mit zu viel Personal zu planen. Dies aufgrund der damit verbundenen finanziellen Risiken, so Gastrosuisse-Sprecherin Daniela Kimmich.

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