SC Bern: So hat sich Marc Lüthi seinen Abschied nicht vorgestellt
Der SC Bern verabschiedet sich mit dem 0:4 in Rapperswil in die Ferien. Es ist ein unwürdiger Schlusspunkt der Ära Marc Lüthi, so Hockey-Experte Nicola Berger.

Das Wichtigste in Kürze
- Marc Lüthis Zeit beim SC Bern endet unwürdig – mit einem 0:4 bei den Lakers.
- Bereits Minuten vor Schluss verlässt er das Stadion und sagt: «Das ist ja peinlich.»
- Hier kommt die «Overtime» von Hockey-Experte Nicola Berger.
Gleich mit 0:4 geht der SC Bern in Rapperswil unter. Damit geht die Ära von Marc Lüthi bei den Mutzen auf unrühmliche Art und Weise zu Ende. Der Zampano verlässt das Stadion lange vor dem Schlusspfiff desillusioniert.
«Es tut mir leid für Marc. Und für uns alle. Wir haben uns das anders vorgestellt», sagt Sportdirektor Martin Plüss ein paar Minuten nach einer der denkwürdigsten Blamagen des SC Bern in der Ära von Marc Lüthi.

28 Jahre lang hat der streitbare Klubchef den SC Bern in verschiedenen Rollen geprägt; er war Geschäftsführer, CEO, Präsident und Mitbesitzer. Und musste nun miterleben, wie sich der SCB bei seinem finalen Pflichtspiel als Würdenträger vorführen liess.
Nicht von den ZSC Lions im Playoff-Final. Sondern von den Rapperswil-Jona Lakers im Play-In, mit einem Gesamtskore von 6:1. Der Auftritt ist ähnlich dürftig wie vor Jahresfrist beim rätselhaften 1:4 gegen Gottéron in der Belle des Playoff-Viertelfinals.
Marc Lüthi: «Das ist ja peinlich»
Als der SC Bern gegen die Lakers sechseinhalb Minuten vor Schluss das 0:3 kassiert, steht Lüthi auf und bewegt sich mit diesem ebenso treffenden wie niederschmetternden Kommentar in Richtung Ausgang: «Das ist ja peinlich.»
Und als ob er nicht schon genug hätte erdauern müssen, fällt 14 Sekunden später das nächste Tor. Der SCB schaffte es nicht einmal, Lüthi diese Demütigung zu ersparen.
Es ist bedenklich, wie tief diese stolze Organisation sportlich gefallen ist. Seit 2019 hat der SCB keine Playoff-Serie mehr gewonnen. Und nun zum dritten Mal innert sechs Jahren die Playoffs verpasst.

Diese Baisse übertüncht in der allgemeinen Wahrnehmung praktisch alles:
Dass der SCB ein gesundes, weit verästeltes Sport- und Gastronomieunternehmen ist, dessen Umsatz bei mehr als 60 Millionen Franken liegt.
Dass er mit seiner legendären Stehrampe trotz konstant rückläufigen Ticketverkäufen noch immer mit komfortablem Abstand die Nummer 1 punkto Zuschauerzuspruch ist.
Dass es sich bei diesem Verein grundsätzlich weiterhin um eines der Schwergewichte im europäischen Eishockey handelt.
Sportlich aber hat der SC Bern seit 2019 mit bemerkenswerter Konstanz einen Fauxpas an den nächsten gereiht. Es gab unzählige Strategiewechsel, was auch Lüthi anzukreiden ist, der häufig seinem Bauch vertraut. Oft hat das funktioniert – davon zeugen sechs Meistertitel und zwei Cup-Siege – zuletzt aber tat er sich im Sport mit allzu vielen Hau-Ruck-Entscheidungen keinen Gefallen.
Wobei man in den letzten Jahren den Eindruck gewinnen konnte, dass Lüthis Machtfülle im Klub weniger gross war als auch schon. Plüss beispielsweise ist ein Protegé des Präsidenten Carlo Bommes.
«Wir sind selber nicht zufrieden»
Der Sportdirektor wurde am Mittwoch in Rapperswil von den mitgereisten Fans mit einem Spruchband ziemlich hart attackiert: «Aus Spieler top, aus Sportchef flop! Wer wird die nächsti Tränä im Sportchef-Karussell?»

Plüss moderierte das gekonnt ab, indem er sagte: «Es gilt das Recht auf freie Meinungsäusserung. Wir sind ja selber auch nicht zufrieden.»
Auf den einstigen Captain warten hektische Wochen. Der SCB hat keinen Cheftrainer, keinen Nummer-1-Goalie und auch sonst, wie Lüthi es im Januar gewohnt unverblümt formulierte: «ein paar Baustellen in dieser Mannschaft».
Lüthi hat seine Aktien verkauft und wird den Job Ende April niederlegen. Der 64-Jährige hat bereits angekündigt, dereinst als Fan in die Postfinance-Arena zurückzukehren.
Es ist ihm zu wünschen, dass der SCB es schafft, sein Lebenswerk auch sportlich wieder einigermassen auf Kurs zu bringen. Damit er Peinlichkeiten wie am Mittwochabend in Rapperswil bei diesen Visiten nicht noch einmal erleben muss.












