Coronavirus: Primarschüler sollen zunächst nur repetieren

    Philipp Kobel
    Philipp Kobel

    Region Waldenburg,

    Der Schulbetrieb in der Schweiz steht still. Die Lehrer machen vor allem eines: Planen. In der Primarstufe sollen Schüler und Eltern nicht überfordert werden.

    Coronavirus
    Die Volksschulen bleiben im Zuge der Coronakrise geschlossen. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Bis am 4. April darf in den Schweizer Schulen kein Präsenzunterricht stattfinden.
    • Das entschied der Bundesrat letzten Freitag.
    • In den Primarschulen will man zunächst vertiefen und festigen.
    • In den Sekundarschulen steht der digitale Fernunterricht im Zentrum.

    Fredi Jaberg (56) unterrichtet seit zehn Jahren. Aktuell ist er Lehrperson für das Fach Werken an der Schule Reigoldswil BL. Jabergs Schüler befinden sich im Zyklus 3, das heisst es sind Sekundarschüler.

    Am Freitagnachmittag entschied der Bundesrat, dass mindestens bis am 4. April – also während drei Wochen – kein Schulunterricht stattfinden darf. Grund: die Bekämpfung des Coronavirus. «Am Wochenende war Zeit zur gedanklichen Vorbereitung», sagt Jaberg.

    fredi jaberg coronavirus lehrer
    Fredi Jaberg unterrichtet an der Sekundarschule in Reigoldswil BL. - zvg

    Am Montag tagte dann das Kollegium mit der Schulleitung über die nötigen Schritte. Gleich wie in Reigoldswil lief es zum Wochenstart an hunderten anderen Schulen der Schweiz. Planung für eine Phase, die noch niemand erlebt hat, stand an.

    «Es wurden Informationen verteilt, Arbeitsteams gebildet, Erwartungen an die Schüler definiert, Kommunikationswege festgelegt und pädagogisch gangbare Wege besprochen.» Am Nachmittag sei es um die Vorbereitung der IT gegangen, um die Begleitung der Schüler digital und zielführend zu sichern.

    Es ginge aber nicht nur um die Schüler. «Die Massnahmen müssen auch für die Eltern und uns Lehrpersonen transparent und leitbar sein», so Jaberg. Die Eltern müssten beispielsweise Handreichungen erhalten, was die Lehrpersonen erwarten und was ihre Aufträge sind.

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    Die Lehrerschaft einer Schule in Dürrenroth, bespricht sich über den Fernunterricht der ab Dienstag 17. März anlaufen soll. - keystone

    Zudem müssten die rechtlichen Rahmenbedingungen eingehalten und die IT-Massnahmen berücksichtigt werden. «Wertvoll ist der Austausch mit benachbarten Schulhäusern, um voneinander profitieren zu können.»

    Gelerntes vertiefen und festigen

    Exkurs in die Primarschule. Dort ist aktuell Usus, nicht an den vorgegebenen Lernzielen weiterzuarbeiten. Stattdessen soll bereits Gelerntes vertieft und gefestigt werden.

    Die oberste Schweizer Lehrerin Dagmar Rösler sagt dazu: «Ich erachte diesen Weg als sinnvoll und zielführend. In einer ersten Phase bringt es nichts, die Schüler und vor allem auch die Eltern zu überfordern.»

    Dagmar Rösler Coronavirus
    Dagmar Rösler ist Präsidentin des Dachverbands der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer. - Keystone

    Zurück nach Reigoldswil zu Fredi Jaberg. Die Herausforderungen im Rahmen der Bekämpfung des Coronavirus würden sich an allen Fronten stellen. «Neu ist wohl, dass wir nun die Eltern einbeziehen und diese stark gefordert sind.» Eine Challenge seien auch die IT-Kompetenzen, die die Schüler sofort anwenden und weiter entwickeln sollen.

    Nicht einfach sei generell die rasche Anpassung mit der Ausnahmesituation. «Die rechtlichen Rahmenbedingungen ändern sich schnell und verlangen ein rasches Reagieren.»

    Hauptziel sei es, dass die Schüler, wenn auch unter sozial isolierten Bedingungen, weiter ihre Kompetenzen entwickeln können. «Wir wollen, dass die Kinder in einer Haltung der Hoffnung und Zuversicht einen guten Beitrag, trotz dieser Krise, leisten können.»

    Schulhof leer coronavirus
    Pausenplätze bleiben in den nächsten drei Wochen aufgrund der Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus leer. - Keystone

    Wann für die Lehrer an einen einigermassen geregelten Schulbetrieb inmitten der aussergewöhnlichen Situation zu denken ist, kann Jaberg nicht abschätzen. «Ich bin einfach stolz auf unser Team.» Man spüre deutlich, dass es vielen wichtig ist, den Schülern einen guten Support zu bieten. Den Mehraufwand aufgrund der Krise rund um den Coronavirus nehme man in Kauf.

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