Sind Schüler nach Wiederbeginn des Unterrichts stärker vom Coronavirus bedroht? Ein Berner Kinderarzt sieht keinen Grund zu besonderer Sorge.
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Noch sind in der Schweiz erst wenige Kinder gegen das Coronavirus geimpft. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA VALLE

Das Wichtigste in Kürze

  • Kinderarzt und Infektiologe Christoph Aebi sieht für Schüler kein erhöhtes Corona-Risiko.
  • Aus kinderärztlicher Sicht sei es sehr wichtig, dass die Schulen offen bleiben.
  • Sorge bereitet Aebi mehr die Delta-Variante, die auch Geimpfte betrifft.

Schülerinnen und Schüler sind nach dem Ende der Sommerferien in vielen Kantonen keinen erhöhten Risiken wegen des Coronavirus ausgesetzt. Es gebe keinen Grund zu besonderer Sorge, sagte der Berner Kinderarzt und Infektiologe Christoph Aebi.

Bei Kindern und Jugendlichen hätten die Hospitalisationen und schweren Fälle bisher nicht zugenommen. Das äusserte Aebi in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung». Dies hange vermutlich auch mit den Sommerferien zusammen. Es lasse sich daher erst in den kommenden Wochen abschätzen, in welche Richtung es gehe.

Massentests gegen Coronavirus wohl mit geringem Effekt

Es sei aus kinderärztlicher Sicht das oberste Ziel, die Schulen offen zu lassen. Es habe sich gezeigt, dass geschlossene Schulen bei den Kindern zu massiven sekundären Schädigungen führten. Er plädiere dafür, auf Primar- und Sekundarstufe auf Schutzmasken zu verzichten.

Als ambivalent bezeichnete der Infektiologe sein Verhältnis zu Massentests. Sie könnten zwar zur Beruhigung der Bevölkerung und der Behörden beitragen. Ihr Effekt, Ausbrüche an den Schulen zu verhindern, dürfte jedoch gering gewesen sein. Ob dies auch für die Delta-Variante des Coronavirus gelte, bleibe abzuwarten.

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Daten zu den Spätfolgen des Coronavirus bei Kindern bisher nur spärlich vorhanden. (Symbolbild) - Pexels

Häufiges Lüften der Schulräume sei dagegen eine gute Idee. Das lasse sich fix anordnen. Skeptischer sei er, wenn es darum gehe, das CO2 zu messen und Luftfilter einzubauen. Beim Corona-Erreger dürften kurzfristige Kontakte eine grössere Rolle spielen als die längerfristige Verringerung der Partikelzahl im Unterrichtszimmer.

Delta-Variante macht Sorgen

Seit Ende Juni könnten zwar auch 12- bis 15-jährige Kinder geimpft werden. Das Angebot werde jedoch bisher wenig genutzt – die Impfquote dürfte weit unter 10 Prozent liegen. Ein Grund dürfte sei, dass die Infektion bei den allermeisten Kindern und Jugendlichen harmlos verlaufe. Die Infektionszahlen seien zuletzt massiv zurückgegangen.

Sorge bereite ihm, dass die Corona-Impfungen weniger gut als frühere Varianten gegen das Virus schützten. Dies, obwohl der Schutz gegen schwere Verläufe noch immer gut sei. Und es scheine auch, dass Geimpfte das Virus auf andere übertragen könnten. In diesem Sinne sei die Delta-Variante ein neues Virus.

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