«Macht mich blöd an»: Abstinenter Gast nervt sich über Barkeeper
Ein Zürcher macht eine Alkohol-Pause. Als er zwei Getränke bestellt, hat er Mühe mit der Reaktion des Barkeepers. Er vermutet Absatzgründe.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Gast bestellt in einer Bar in Zürich ein alkoholfreies Bier und eine Schorle.
- Der Barkeeper habe ihn wohl wegen des Umsatzes «blöd angemacht», sagt der Zürcher.
- Die Branche gibt jedoch an, gerne Alkoholfreies auszuschenken.
Im Januar gehen weniger Cocktails oder Gins über die Bartheke. Jede achte Person in der Schweiz nimmt mittlerweile an der Kampagne zum Alkoholverzicht Dry January teil.
Auch S.F.* rührt im Januar keine alkoholischen Getränke an.
Darum bestellt er an einem Abend in seiner Lieblingsbar ein alkoholfreies Bier und eine Schorle. Die Bar befindet sich im Restaurant «Outback Lodge» in Zürich.
Man könne vom Dry January halten, was man wolle, schreibt er in einem Post auf Facebook. Aber: «Dass mich der Barkeeper zweimal blöd anmacht, fand ich schon recht speziell.»
«Weil man weniger oft nachbestellt»
F. hat den Eindruck, dass der Barkeeper an der alkoholfreien Bestellung keine Freude hatte.
«Einmal fragte er: ‹Are you sure?›, ein weiteres Mal: ‹Really?›», sagt F. auf Anfrage.
Die Reaktion könne er nachvollziehen. «Bars haben weniger Freude, wenn man alkoholfreies Bier bestellt, weil man dann weniger oft nachbestellt.»
Der Wirt des «Weissen Kreuzes» in St.Gallen bestätigt seinen Eindruck. Nur von alkoholfreiem Bier könnte der Barbetrieb nicht überleben. Dies sagt er in der SRF-Sendung «Puls».
Gäste könnten an einem Abend nicht sechs grosse alkoholfreie Biere trinken, so der Wirt. «Irgendwann hat man genug – von Mineral und Cola sowieso.» Früher sei viel mehr Alkohol bestellt worden, stellt er fest.
«Vollkommen in Ordnung»
Die Familie Wiesner Gastronomie AG betreibt die betroffene «Outback Lodge». Inhaber Daniel Wiesner kann sich die geschilderte Reaktion des Barkeepers in seinen Betrieben «nur schwer vorstellen».
«Unsere Barkeeper sprechen Deutsch und alkoholfreie Getränke sind seit Jahren ein selbstverständlicher Teil unseres Angebots», sagt Wiesner. Eine Bestellung von alkoholfreiem Bier oder einer Schorle sei heute absolut alltäglich.
In der Outback Lodge führten sie aktuell vier alkoholfreie Biere auf der Getränkekarte, die regelmässig bestellt würden.
Bestellten Gäste keinen Alkohol, sei dies «vollkommen in Ordnung», sagt Wiesner. Gäste entscheiden heute laut Wiesner bewusster, situationsabhängiger und individueller. «Diese Entwicklung respektieren wir und richten unser Angebot entsprechend aus.»
«Höhere Umsätze als früher»
Wiesner bestätigt, dass sich das Gästeverhalten in den letzten Jahren «deutlich» verändert hat. Die «Outback-Lodge» sei historisch stark bierorientiert.
Neben mehreren alkoholfreien Bieren hätten sie heute eine breite Mocktail-Auswahl sowie hausgemachte Eistees und Limonaden im Angebot. Umsatzeinbussen registriert das Gastrounternehmen wegen des Trends zu nichtalkoholischen Getränken nicht.
Zum Unternehmen gehören auch die Restaurants Nooch Asian Kitchen und Miss Miu sowie die Negishi Sushi Bar. «In den asiatischen Konzepten ist der Konsum nichtalkoholischer Getränke klar gestiegen», sagt Daniel Wiesner.
In der Outback Lodge hätten sie zusätzlich ihre Strategie angepasst. Auch hätten sie den Essensumsatz sowie den alkoholfreien Getränkeabsatz gezielt ausgebaut. «Heute erzielen wir insgesamt höhere Umsätze als früher.»
«Machen ab und zu Sprüche»
Alexander Bücheli ist Geschäftsführer der Schweizer Bar und Club Kommission. Er stellt fest, dass Bars das Angebot an attraktiven alkoholfreien Getränken fortlaufend ausbauen. Er bestätigt, dass Gäste alkoholfreie Drinks weniger oft nachbestellen.
«Diejenigen, die Alkohol trinken, trinken eher mal einen über den Durst und bleiben dadurch länger sitzen», sagt Bücheli. Gäste, die Alkohol bestellten, würden aber nicht bevorzugt behandelt.
«Barkeeper machen ab und zu einen lockeren Spruch. Da kann es durchaus sein, dass ein Spruch mal missverstanden wird.»
Der Umsatz spielt laut Bücheli dabei keine Rolle. «Die Margen sind in der Gastronomie leider immer tief», sagt er. «Ob jemand ein Bier oder eine Cola bestellt, macht keinen grossen Unterschied.»
«Kann heikel sein»
Gerade im Fall von trockenen Alkoholikerinnen und Alkoholikern sollten sich Barkeeper mit Reaktionen zurückhalten.
«In Bars, wo der Barkeeper die Nase rümpft, kann dies für Menschen, die früher ein Alkoholproblem hatten, schon heikel sein.» Dies sagt Markus Meury, Mediensprecher von Sucht Schweiz.
Da empfehle es sich, an einem anderen Ort in den Ausgang zu gehen. «Ausser, die Begleitpersonen unterstützen die Person in ihrer Haltung.»
*Name der Redaktion bekannt















