Berner Schule testet 4-Tage-Woche – Eltern freuen sich
Vier Tage Schule, sechs Wochen Ferien: Belp startet ein Modell, das Familien entlasten und Kinder weniger stressen soll.

Das Wichtigste in Kürze
- Belp testet ab Sommer die Viertagewoche für Kinder bis zur 2. Klasse.
- Statt 13 gibt es nur noch sechs Ferienwochen – betreut wird ganztags.
- Eltern hoffen auf weniger Stress, Lehrer sehen neue Chancen im Schulalltag.
Die Berner Gemeinde Belp wagt sich nun an die Viertagewoche. Die dortige Jahresschule soll Kinder ab diesem Sommer nur noch vier Tage pro Woche besuchen. Dafür wird von dreizehn auf sechs Schulferienwochen zurückgesteckt.
Kinder vom Kindergarten bis zur zweiten Klasse werden in der Jahresschule von 8.00 bis 16.30 Uhr betreut. Ort und Bezugspersonen bleiben ganztags gleich.
Das Modell soll vor allem berufstätigen Eltern helfen, den Alltag besser zu organisieren.
Eltern erhoffen sich weniger Alltagsstress
So zum Beispiel die Eltern eines jungen Mädchens. Im Gespräch mit SRF erzählen sie, warum sie ihre Tochter für die Jahresschule angemeldet haben: Weniger Hektik im Familienalltag.
Das Kind müsse nicht mehr zwischen Mittagsbetreuung und Schule hin und her wechseln: «Das dürfte nicht nur für uns, sondern auch für sie mehr Ruhe in den Alltag bringen», so das Mami.
Die Familie plant, die längeren Wochenenden für gemeinsame Ausflüge zu nutzen. Der Vater erklärt: «Wir können uns so organisieren, dass wir am Freitag alle gemeinsam frei haben.» Sie erhoffen sich, dass dies die reduzierten Schulferien kompensieren könne.
Auch ein anderes Mami eines Einzelkinds erklärt gegenüber dem Sender ihr Motiv: Lange Sommerferien ohne Gspänli würden schnell langweilig. Das Meitli habe – so die Mutter – «bereits nach ein bis zwei Wochen gefragt: Wann geht der Kindergarten endlich wieder los?»
Mehr Erholung für die Kinder
Auch die Organisation der Ferienbetreuung war für die berufstätige Mutter kein Leichtes. Für die dreizehn Ferienwochen mussten jeweils Lösungen her.
Zusätzlich hofft das Mami, dass ihre Tochter von der kürzeren Schulwoche profitiert. Das Mädchen tue sich mit dem frühen Aufstehen schwer und sei «eher eine Nachteule». Durch den freien Freitag soll mehr Energie für die restlichen Schultage rausspringen.
Die Viertagewoche ist in der Schweiz im Schulbereich noch Neuland. Im Arbeitsbereich hingegen wird das Modell bereits in verschiedenen Unternehmen erprobt.
Lehrer der Schule Belp sieht neue Chancen
Ein künftiger Lehrer der Belper Jahresschule ist selbst Vater und erklärt daher gegenüber SRF: «Als Vater kenne ich die Herausforderungen der Kinderbetreuung nur zu gut.»
Für ihn bietet das Modell auch pädagogische Vorteile – man lerne viel mehr Facetten der Kinder kennen: «Vom Augenreiben am Morgen bis am Abend, wenn die Batterien leer sind.» Diese Nähe ermögliche einen besseren Zugang zu den Kindern.
Weiter begrüsse der Lehrer, dass das Projekt sich von der konventionellen Schulorganisation wegbewege.
Nebst der Möglichkeit, neue Arbeitsweisen für Lehrer zu etablieren, freut er sich, «die Familien im Alltag spürbar zu entlasten».












