Bauern mähen Öko-Wiesen wegen Hitze früher – Qualität leidet
Landwirte dürfen ihre Öko-Wiesen wegen der Trockenheit früher mähen. Der Kanton Wallis hat den Mähtermin deswegen angepasst – und ist damit nicht allein.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Kanton Wallis erlaubt Bauern, bis zu zehn Tage früher zu mähen.
- Die Trockenheit senkt den Heu-Ertrag um rund ein Drittel.
- Auch Jura, Zürich und Aargau lockern wegen der Dürre ihre Regeln.
Wie stark machen Hitze und Trockenheit den Bauern zu schaffen?
Im Wallis führen sie nun zu einem ungewöhnlichen Schritt: Der Kanton hat den Mähtermin für bestimmte Biodiversitätsflächen vorgezogen, wie der «Walliser Bote» zuerst berichtete.

Grund ist die anhaltende Trockenheit. Zusammen mit dem warmen Frühling hat sie dazu geführt, dass Gräser und andere Pflanzen deutlich früher weit entwickelt waren als üblich.
Warum Bauern nicht einfach selbst entscheiden
Viele dürften denken, Landwirte würden ihre Wiesen mähen, wann es ihnen passt. Doch bei Biodiversitätsförderflächen stimmt das nicht.
Für diese Flächen gelten je nach Region und Höhenlage feste Mähtermine. So sollen Pflanzen genügend Zeit zum Blühen und Versamen erhalten. Auch brütende Vögel, Insekten und andere Tiere sollen geschont werden.
Im Gegenzug erhalten Landwirte für diese Flächen Direktzahlungen vom Bund. Wer vor dem erlaubten Termin mäht, riskiert grundsätzlich Kürzungen bei diesen Beiträgen.
Deshalb braucht es eine kantonale Ausnahmeregelung, wenn die Flächen früher gemäht werden sollen – so wie jetzt im Wallis.
Kanton reagiert auf frühe Entwicklung
Georg Bregy von der Dienststelle für Landwirtschaft des Kantons Wallis erklärt gegenüber dem «Walliser Boten»: «Es war allgemein ein sehr warmer und trockener Frühling. Das hat dazu geführt, dass sich die Vegetation sehr schnell entwickelt hat.»
Je nach Höhenlage durften darum Walliser Landwirte ihre Biodiversitätsflächen bis zu zehn Tage früher mähen.

Nicht alle Flächen waren betroffen. Flächen, die zusätzlich über Verträge nach dem Natur- und Heimatschutzgesetz geschützt sind, blieben von der Regelung ausgeschlossen.
Weniger Ertrag, schlechtere Qualität
Die Trockenheit hat laut Bregy auch Folgen für die Heuernte. «Man spricht von einem Drittel weniger als in einem normalen Jahr», sagt er.
Auch die Qualität des Heus habe gelitten. Bregy betont jedoch: Bei Biodiversitätsförderflächen stehe nicht in erster Linie die Futterqualität im Vordergrund. Entscheidend sei der Schutz von Flora und Fauna.
Für den kommenden Winter könnte die tiefere Ernte trotzdem Folgen haben. Die Landwirte müssten dann prüfen, ob ihre Vorräte reichen oder ob sie zusätzliches Futter kaufen müssen.
Auch andere Kantone reagieren
Das Wallis ist nicht allein. Sandra Helfenstein vom Schweizer Bauernverband bestätigt gegenüber Nau.ch, dass auch andere Kantone auf die Trockenheit reagiert haben.
Der Kanton Jura habe Ausnahmen dafür beschlossen, wann und wie Flächen von Tieren abgeweidet werden dürfen. Zürich habe der Landwirtschaft den Wasserbezug aus grossen Flüssen und Seen erleichtert.
Auch der Kanton Aargau erlaubt wegen der Trockenheit unter bestimmten Bedingungen eine frühzeitige Beweidung von Biodiversitätsförderflächen.
Den Entscheid des Wallis beurteilt der Bauernverband positiv. «Das ist gut und richtig, dass der Kanton gemäss der lokalen Situation die Auflagen und Zeitpunkte anpasst», sagt Helfenstein.
Wie stark die Futtererträge schweizweit zurückgehen, lässt sich laut dem Verband noch nicht sagen.
Im Frühling seien die Erträge gut gewesen. Je nach Regen könne es zudem noch eine gute Herbsternte geben.
Viele Betriebe dürften ausserdem noch Vorräte aus dem sehr guten Futterjahr 2025 haben.
Auf schweizweit einheitliche Ausnahmeregeln pocht der Verband nicht. «Es macht durchaus Sinn, dass man das regional regelt», meint Helfenstein.















