Hitze verändert den Alltag auf Schweizer Bauernhöfen
«Es fühlt sich an wie im Süden Portugals»: Auf ihrem Hof in Les Posses-sur-Bex im Kanton Waadt blickt Schäferin Martine Gerber auf ausgetrocknete, gelb verfärbte Weiden. In den Waadtländer Voralpen hält sie Schafe und Esel und baut Beeren an.

«Die Tiere stehen wegen der Hitze unter enormem Stress. Die Lämmer fressen kaum noch und nehmen nicht zu, die Muttertiere geben weniger Milch», sagte sie der Nachrichtenagentur AWP. Auch Himbeeren sowie rote und schwarze Johannisbeeren seien klein geblieben und vertrocknet. Die Regenwasserreserven gingen rasch zur Neige. «Mit Trinkwasser aus dem Leitungsnetz zu bewässern, wäre teuer und unsinnig.»
Je nach Lage, Bodenbeschaffenheit und Wasservorräten unterscheiden sich die Auswirkungen der Hitzewelle von Betrieb zu Betrieb erheblich. Gemeinsam ist vielen Höfen jedoch, dass sich der Arbeitsalltag verändert. Bewässert wird nachts oder in den frühen Morgenstunden, Feldarbeiten werden in die Abendstunden verlegt.
«Bei diesen Temperaturen halte ich das normale Arbeitstempo nicht durch», sagte Gerber. Sie lege mehr Pausen ein und arbeite oft bis 22 Uhr, um die kühleren Stunden zu nutzen. Drohten Gewitter, müsse das Heu allerdings unabhängig von der Hitze eingebracht werden.
Auch Eline Müller von der Westschweizer Bauerngewerkschaft Uniterre berichtet von immer kürzeren Nächten für Betriebe, die ihre Kulturen bewässern. Andere Produzenten stellten auf hitzeresistentere Sorten um, sagte Pauline Pillon vom Genfer Bauernverband Agrigenève.
Für Gerber reichen technische Anpassungen allein jedoch nicht aus. Der Ausbau der Bewässerung gleiche «dem Klimatisieren eines Raumes, den man gleichzeitig weiter aufheizt». Gemeinsam mit Uniterre fordert sie deshalb ein grundsätzlicheres Umdenken in der Landwirtschaft und einen stärkeren Schutz der Agrarökosysteme. «Es geht nicht mehr um Schuld, sondern um Verantwortung.»






