Globi versöhnt sich mit den Zürcher Bauern
Wird Globi jetzt der mächtigste Bauern-Lobbyist? Nach einem Zoff um ein tendenziöses Kinderbuch soll Globi den Bauern nun Biodiversität schmackhaft machen.
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Das Wichtigste in Kürze
- Globi wird Biodiversitäts-Botschafter der Zürcher Bauern.
- Nach einem Streit um falsche Angaben in Globi-Buch folgt die grosse Versöhnung.
- Das Projekt «Plan B» soll Biodiversität in der Landwirtschaft fördern.
Mit einer falschen Angabe in einem Kinderbuch machte sich Globi die wohl mächtigste Lobby der Schweiz zum Feind: die Bauern.
Im Buch «Globi und der Wald» wurde behauptet, der Kraftfutteranteil in der Schweizer Landwirtschaft liege bei 80 Prozent. Tatsächlich beträgt er nur rund zehn Prozent.

Zudem entstand der Eindruck, Schweizer Fleisch und Milch würden Regenwald zerstören. Dabei stammt das in der Schweiz verfütterte Soja nicht aus Brasilien, sondern aus Europa.
Für den Zürcher Bauernverband ein rotes Tuch – die Reaktionen fielen entsprechend heftig aus. Sogar von «Fake News» und «Propaganda» war die Rede.
Globi wird Biodiversitäts-Botschafter der Zürcher Bauern
Nun die überraschende Wende: An einer Medienkonferenz auf dem Spargelhof der Familie Wyland in Henggart im Zürcher Weinland folgt die grosse Versöhnung.
Ausgerechnet Globi wird Botschafter des Biodiversitäts-Projekts «Plan B» des Zürcher Bauernverbands. Mitlanciert hat das Projekt die Zürcher Kantonalbank.

Nau.ch ist bei der Versöhnung vorbei – und stellt die kritischen Fragen.
Wird aus der Kinderfigur jetzt ein Bauern-Lobbyist – also der Globiist?
«Das könnte man jetzt denken», sagt Globi-Verlagsleiterin Gisela Klinkenberg lachend im Nau.ch-Interview.

Sie relativiert jedoch: «Die Perspektiven bleiben breit gefächert und wir arbeiten weiterhin mit Wissenschaftlern zusammen.»
«Friedenspfeife» nach Zoff um Globi-Buch
Zur Zusammenarbeit sagt Klinkenberg: Nach dem öffentlichen Streit habe der Zürcher Bauernverband «die Friedenspfeife angeboten».
Er habe ihr das Biodiversitäts-Projekt vorgestellt – und sie überzeugt. «Nachdem ich gesehen habe, was sie da machen, kann ich das unterstützen.»
Globi soll das Projekt künftig als Botschafter vertreten. Auch ein spezifisches Buch zum Thema Artenvielfalt ist denkbar.
Die Verlagsleiterin erinnert sich noch genau an den Moment der Kritik. «Oh meine Güte, was ist da los?», sei ihr erster Gedanke gewesen.
Der Verlag reagierte rasch: Die beanstandete Doppelseite wurde überarbeitet, ausgelieferte Bücher mit korrigierten Seiten ergänzt und spätere Auflagen angepasst.
Globi und Bauern sind jetzt Freunde
Auch Ferdi Hodel, Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbands, blickt versöhnlich zurück. «Das Schöne im Leben ist doch, dass aus Problemen Lösungen entstehen können», sagt er.
Aus dem Streit um das Buch sei «eine Freundschaft entstanden».

War die Empörung damals übertrieben?
Hodel winkt ab. «Vielleicht wäre es sonst gar nicht zu dem gekommen, was wir heute haben.» Die heftige Debatte sei womöglich «genau der richtige Mix» gewesen.
Und er betont: «Das Thema Kraftfutter ist ein sensibles Thema für uns Bauern.» Noch immer müsse man gegen die Behauptung ankämpfen, für Schweizer Produkte würde Regenwald abgeholzt.
Zürcher Bauern setzen auf Eigenverantwortung
Vom Vorwurf, Globi werde nun zum Sprachrohr der Bauern, will Hodel nichts wissen. «Der Globi wird der Globi bleiben», sagt er. Gemeinsam gehe man einfach «den Weg der Biodiversität».
Mit «Plan B» will der Zürcher Bauernverband Biodiversität und Landwirtschaft zusammenbringen – freiwillig statt per Vorschrift, Stichwort Eigenverantwortung.

Bisher beteiligen sich 147 Betriebe am Projekt, mit bereits über 850 umgesetzten Strukturelementen.
Ziel ist in der nächsten Phase nun, alle Bauern-Betriebe im Kanton einzubinden. Und dafür hat man sich prominente Unterstützung von Globi geholt.
Das Projekt setzt auf einen einfachen Gedanken: Viele kleine Massnahmen ergeben am Ende einen grossen Effekt.
Globi soll Bauern Angst vor Biodiversität nehmen
Bauern können etwa Flächen unter Strommasten aufwerten, neue Bäume und Hecken pflanzen und so neue Lebensräume in Steinhäufen schaffen. Dafür gibt es eine Aufwandsentschädigung.
Das Ziel: Bei sämtlichen Massnahmen soll die Lebensmittelproduktion nicht darunter leiden.

Ferdi Hodel sagt an der Medienkonferenz zudem: «Globi als Botschafter soll helfen, Vorbehalte und Ängste bei den verbleibenden Zürcher Betrieben abzubauen.»
Zudem steht der Zürcher Bauernverband mit anderen kantonalen Sektionen im Kontakt, um das Projekt allenfalls auszuweiten.















