Bildung: KI stellt Hochschulen vor neue Prüfungen
Künstliche Intelligenz (KI) ist in der Bildung bei Studierenden kaum mehr wegzudenken. Hochschulen stehen deshalb vor Herausforderungen im Umgang mit KI.

Das Wichtigste in Kürze
- Schweizer Hochschulen wollen KI-Betrug erkennen um Prüfungen fair zu bewerten.
- KI-Detektoren sind oft unzuverlässig.
- Die Berner Fachhochschule setzt auf Pflicht zur Deklaration statt auf reine Kontrolle.
Während der Semesterprüfungen steigt das Stresslevel bei vielen Studierenden an. Die Abschlussarbeiten müssen fristgerecht abgegeben werden. Bei Studierenden kaum mehr wegzudenken ist dabei die Hilfe von Künstlicher Intelligenz.
Besonders für Zusammenfassungen, Lernunterstützung und persönliche Assistenz wird Künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt. Für Schweizer Hochschulen wird es immer schwieriger zu erkennen, was von Künstlicher Intelligenz geschrieben ist und was nicht.
Bei Schweizer Hochschulen steht das Thema schon länger auf der Agenda. Allerdings wird der Umgang mit Künstlicher Intelligenz von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich gehandhabt. SRF hat 31 Hochschulen befragt und untersucht, wie häufig mit Künstlicher Intelligenz getrickst wird und wie Hochschulen damit umgehen.
KI gehört bei Studierenden längst zum Lernalltag
Ob Zusammenfassungen, simulierte Vorbereitungsprüfungen oder Präsentationen: KI-Chatbots von Anbietern wie OpenAI, Anthropic oder Google sind kostenlos oder können bereits mit wenigen Franken pro Monat genutzt werden.

Dass der Umgang und der Zugang zu solchen KI-Chatbots sehr einfach ist, wissen auch die Hochschulen. Alle 31 befragten Hochschulen sind sich einig, dass man die Nutzung von KI nicht verbieten sollte. Allerdings ist es einigen Hochschulen wichtig, dass man bei Abschlussarbeiten und Abschlussprüfungen die Nutzung von KI als Hilfsmittel verbietet.
Bildung: Viele Betrugsfälle werden nie entdeckt
Die Hälfte der 31 Hochschulen sind KI-Betrugsfällen bekannt. An der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zählte man in den letzten zwei Jahren 17 Betrugsfälle. Die Betrugsfälle werden oft aufgrund nicht existierender Quellen erkannt.
Allerdings kann man davon ausgehen, dass die Dunkelziffer hoch ist. Mindestens neun der befragten Hochschulen setzen ergänzend eine Software ein, um KI-Betrugsfälle zu erkennen. Diese Systeme sind aber nicht zu 100 Prozent verlässlich. Aus diesem Grund nutzen viele der Hochschulen keine sogenannten KI-Detektoren.

Hochschulen setzen statt auf KI-Detektoren vermehrt auf alternative Prüfmethoden wie beispielsweise mündliche Prüfungen. Zudem will man Studierende während der Abschlussarbeiten näher begleiten, um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz frühzeitig zu erkennen.
Grundsätzlich fördern und erlauben Hochschulen den Einsatz von KI-Tools, denn KI bringt sowohl für Hochschulen als auch für Studierende Vorteile. Schweizer Hochschulen können KI beispielsweise für die Analyse grosser Datenmengen nutzen.
Studierende profitieren von KI als individuelle Lernbegleitung: Sie können persönliche Herausforderungen gezielt angehen, etwa ihre Fremdsprachenkenntnisse verbessern oder ihr Lernen effizienter gestalten.
Studierende sollen einen angemessenen Umgang mit KI lernen
Eine Hochschule fällt aufgrund ihrer Haltung zum Gebrauch von Künstlicher Intelligenz besonders auf. Die Berner Fachhochschule (BFH) zählt KI-Betrugsfälle bewusst nicht.
Jochen Schellinger, Vizerektor Lehre der Berner Fachhochschule (BFH), sagt gegenüber SRF: «Die BFH setzt im Umgang mit KI auf Kompetenz statt Kontrolle. Die Studierenden sollen ethisch verantwortungsvoll, reflektiert und zielgerichtet KI nutzen können.» Im Gegenzug müssten sie bei Schularbeiten die Nutzung von Künstlicher Intelligenz klar deklarieren.

Zwei der grössten Hochschulen der Schweiz, die Universität Lausanne und die ETH Zürich, haben ein grösseres Vertrauen in ihre Studierenden. Man geht aktuell nicht davon aus, dass ein ganzer Studiengang ausschliesslich mit Künstlicher Intelligenz erfolgreich absolviert werden kann.
Feststeht: Künstliche Intelligenz hat das Lernverhalten von Studierenden in kürzester Zeit stark verändert. Sie bietet viele Chancen, doch es ist ein schmaler Grat zwischen Eigenleistung und Betrug.














