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Bauern kaufen online Heu – dort lauern Betrüger

Andrea Schüpbach
Andrea Schüpbach

Bern,

Vielen Bauern in der Schweiz geht das Futter aus. Entweder müssen Tiere geschlachtet oder Futter zugekauft werden. Nun nutzen Betrüger die Notlage aus.

Bauern heu betrug
Manchen Bauern geht das Heu aus. Betrüger nutzen dies schamlos aus und versuchen, mit der Notlage Profit zu machen. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Bauern zapfen die Winter-Futterreserven an und kaufen Futter für die Tiere zu.
  • Das nutzen nun Betrüger schamlos aus.
  • Bauern machen online Anzahlungen – und sehen nie etwas vom gekauften Heu.
  • Es existieren Fake-Verkaufs-Profile.

Die Lage spitzt sich wegen anhaltender Trockenheit zu. Schweizer Bauern gehen das Futter aus, Winter-Reserven werden längst angezapft. Es gibt oftmals nur zwei Optionen: Tiere schlachten oder Futter zukaufen.

Das passiert über offizielle Tierfutter-Börsen. Viele Bauern spannen aber auch in Facebook-Gruppen online zusammen.

Doch dort sorgen manche Angebote für Skepsis.

So fragt eine Bäuerin in die Runde, ob jemand den von ihr genannten Verkäufer kenne. «Komisches Profil ...», antwortet ein Gruppenmitglied skeptisch. «Habe auch mit ihm geschrieben, er will unbedingt 40 Prozent Anzahlung», ein weiteres.

bauern betrug heu stroh
In der Facebook-Gruppe «Heu und Stroh verkaufen Schweiz» wird über ein verdächtiges Profil eines Heu-Verkäufers diskutiert. - Facebook

Dass Bauern Angebote hinterfragen, ist richtig.

Bei Heu-Verkäufern wie diesem könnte es sich nämlich um dreiste Betrüger handeln. Sie versuchen, die Notlage der Bauern auszunutzen.

«Betrüger können ein leichtes Spiel haben»

SVP-Nationalrat Thomas Knutti, der selbst einen eigenen Hof führt, sagt zu Nau.ch: «Ich habe persönlich Hinweise erhalten, dass derzeit grosse Verunsicherung besteht.»

Die Kombination aus angespannter Versorgungslage, grosser Nachfrage und vermeintlich günstigen Angeboten sei gefährlich.

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Thomas Knutti warnt auch auf Instagram vor Betrügern, die sich als Heu-Verkäufer ausgeben. - Instagram @knutti_thomas

«Das schafft ein Umfeld, in dem Betrüger leichtes Spiel haben können. Es ist deshalb wichtig, dass sich niemand durch Zeitdruck oder einen vermeintlichen Schnäppchenpreis zu einer vorschnellen Zahlung verleiten lässt.»

Berner Bauernverband erhält Betrugs-Fälle gemeldet

Auch der Berner Bauernverband meldet sich zu Wort. «Uns wurden in den letzten Tagen vermehrt Betrugs- und Diebstahlsfälle gemeldet. Wir bitten um erhöhte Vorsicht.»

Bei manchen falschen Heu-Verkäufern handle es sich um «professionelle Betrüger». Nach einer Vorauszahlung hätten Bauern das gekaufte Heu nie gesehen – und auch ihr Geld war weg.

Grundsätzlich sei es bei unbekannten Anbietern immer am besten, wenn eine Barzahlung bei Erhalt der Ware getätigt werden kann.

Bei Importware ist das manchmal schwierig. «In solchen Fällen lohnt es sich immer, den Anbieter telefonisch zu kontaktieren. Und über das bestehende Netzwerk Abklärungen zum Anbieter zu tätigen», führen die Berner gegenüber Nau.ch aus.

Klare Indizien: Diese Heu-Angebote stinken zum Himmel

Das Angebot aus der Facebook-Gruppe lässt SVP-Bauer Knutti ebenfalls zweifeln. «Eine Forderung nach 40 Prozent Vorauszahlung wäre für mich bei einem unbekannten Anbieter ganz klar ein Warnsignal.»

Was kaufst du online am häufigsten ein?

Ob es mehr Anzeigen wegen Heu-Betrug gibt, lässt sich nicht sagen. Urs Wigger, Sprecher der Luzerner Polizei, erklärt aber, welche Indizien es für unseriöse Verkäufer gibt:

Hohe Voraus- oder Anzahlungen, ungewöhnlich tiefe Preise und Zeitdruck. Warnsignale sind auch ungewöhnliche Zahlungsarten (etwa Überweisung auf Auslandkonto), zweifelhafte oder keine Kontaktdaten.

Zudem ist es verdächtig, wenn die Kommunikation ausschliesslich über Messenger oder E-Mail stattfindet.

KI-Bilder von Heu-Ballen überfordern Bauern

Knutti fügt noch einen Punkt hinzu. Nämlich, wenn die verwendeten Bilder in Inseraten nicht zum angeblichen Betrieb passen. Das sei ein «erhebliches Problem».

In Inseraten würden oft irgendwelche Bauernhöfe oder irgendwelche Heuballen abgebildet, beobachtet der Berner Oberländer. Dabei sei nicht klar, ob diese von der angebotenen Ware stammen. Am sichersten sei es deshalb, den Betrieb und die Ware persönlich zu besichtigen.

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Die Trockenheit macht den beiden Landwirten Jucker und Rüegg zu schaffen. Ende Juli erzählten Sie gegenüber Nau.ch von der schwierigen Zeit und Futter-Knappheit. - Nau.ch / Nico Leuthold

Ein weiteres Warnsignal seien KI-generierte Bilder. Das alleine sei zwar noch kein Betrugs-Beweis.

«Wenn aber gleichzeitig der Betrieb nicht überprüfbar ist, fremde Bilder verwendet werden und eine hohe Vorauszahlung verlangt wird, wäre ich äusserst vorsichtig. KI macht es Betrügern zunehmend leichter, überzeugende Fake-Inserate und Profile zu erstellen.»

Bei ihm würden sich überforderte Landwirte melden. Sie wüssten nicht mehr, was echt und was gefälscht ist.

Wenn der Preis zu gut ist, sollte man skeptisch sein

Nicolas Wermeille vom Schweizer Bauernverband kommentiert, dass es Betrugsversuche «leider» auch in der Landwirtschaft gebe. «Nicht nur im Zusammenhang mit Raufutter.»

Bist du schon mal bei einem Online-Kauf reingelegt worden?

Bauern sollen aufmerksam bleiben. «Insbesondere wenn Preise oder Konditionen ungewöhnlich attraktiv erscheinen.» Man rate, wenn möglich, mehrere Offerten einzuholen und nichts vorauszuzahlen.

«Wir empfehlen, verfügbare Angebote über verschiedene Kanäle zu vergleichen. Dafür stehen unterschiedliche Onlineplattformen sowie Inserate in der landwirtschaftlichen Fachpresse zur Verfügung. Im Zweifelsfall ist das Vorsorgeprinzip anzuwenden.»

Kommentare

User #3022 (nicht angemeldet)

Die Sponsorenschaft von McDonald’s am ESAF zeigt es klar: Ein amerikanischer Globalplayer finanziert ein Fest, das unsere Schweizer Tradition und Heimatverbundenheit verkörpern soll. Doch diese Tradition wird von der SVP schon lange als politisches Werkzeug benutzt, um das Bild einer starken, unabhängigen Schweiz zu malen. Die Realität sieht anders aus. Unsere Landwirtschaft, die Grundlage dieser Tradition, ist längst abhängig von globalen Märkten: Futtermittelimporte, internationale Konzerne in der Verarbeitung und im Handel sowie veränderte Ernährungsgewohnheiten. Die SVP, die sich als Beschützerin unserer Werte gibt, treibt mit ihrer Wirtschaftspolitik genau diese Globalisierung voran, ob durch Freihandelsabkommen oder die Unterstützung großer Agrarindustrien. McDonald’s als Hauptsponsor macht deutlich, wie sehr unsere Tradition längst zur Ware geworden ist. Und die rote Krawatte von Bundesrat Rösti passt perfekt dazu: Sie steht für die Verbindung von nationaler Rhetorik und globalem Wirtschaftshandeln.

User #3278 (nicht angemeldet)

Jemand aus Buchholterberg will mir Afghanisches Gras verkaufen. Aber ich lasse es sein. 🐂🐂🐂🐂🐂🐂

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