Bauern kaufen online Heu – dort lauern Betrüger
Vielen Bauern in der Schweiz geht das Futter aus. Entweder müssen Tiere geschlachtet oder Futter zugekauft werden. Nun nutzen Betrüger die Notlage aus.

Das Wichtigste in Kürze
- Bauern zapfen die Winter-Futterreserven an und kaufen Futter für die Tiere zu.
- Das nutzen nun Betrüger schamlos aus.
- Bauern machen online Anzahlungen – und sehen nie etwas vom gekauften Heu.
- Es existieren Fake-Verkaufs-Profile.
Die Lage spitzt sich wegen anhaltender Trockenheit zu. Schweizer Bauern gehen das Futter aus, Winter-Reserven werden längst angezapft. Es gibt oftmals nur zwei Optionen: Tiere schlachten oder Futter zukaufen.
Das passiert über offizielle Tierfutter-Börsen. Viele Bauern spannen aber auch in Facebook-Gruppen online zusammen.
Doch dort sorgen manche Angebote für Skepsis.
So fragt eine Bäuerin in die Runde, ob jemand den von ihr genannten Verkäufer kenne. «Komisches Profil ...», antwortet ein Gruppenmitglied skeptisch. «Habe auch mit ihm geschrieben, er will unbedingt 40 Prozent Anzahlung», ein weiteres.

Dass Bauern Angebote hinterfragen, ist richtig.
Bei Heu-Verkäufern wie diesem könnte es sich nämlich um dreiste Betrüger handeln. Sie versuchen, die Notlage der Bauern auszunutzen.
«Betrüger können ein leichtes Spiel haben»
SVP-Nationalrat Thomas Knutti, der selbst einen eigenen Hof führt, sagt zu Nau.ch: «Ich habe persönlich Hinweise erhalten, dass derzeit grosse Verunsicherung besteht.»
Die Kombination aus angespannter Versorgungslage, grosser Nachfrage und vermeintlich günstigen Angeboten sei gefährlich.
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«Das schafft ein Umfeld, in dem Betrüger leichtes Spiel haben können. Es ist deshalb wichtig, dass sich niemand durch Zeitdruck oder einen vermeintlichen Schnäppchenpreis zu einer vorschnellen Zahlung verleiten lässt.»
Berner Bauernverband erhält Betrugs-Fälle gemeldet
Auch der Berner Bauernverband meldet sich zu Wort. «Uns wurden in den letzten Tagen vermehrt Betrugs- und Diebstahlsfälle gemeldet. Wir bitten um erhöhte Vorsicht.»
Bei manchen falschen Heu-Verkäufern handle es sich um «professionelle Betrüger». Nach einer Vorauszahlung hätten Bauern das gekaufte Heu nie gesehen – und auch ihr Geld war weg.
Grundsätzlich sei es bei unbekannten Anbietern immer am besten, wenn eine Barzahlung bei Erhalt der Ware getätigt werden kann.
Bei Importware ist das manchmal schwierig. «In solchen Fällen lohnt es sich immer, den Anbieter telefonisch zu kontaktieren. Und über das bestehende Netzwerk Abklärungen zum Anbieter zu tätigen», führen die Berner gegenüber Nau.ch aus.
Klare Indizien: Diese Heu-Angebote stinken zum Himmel
Das Angebot aus der Facebook-Gruppe lässt SVP-Bauer Knutti ebenfalls zweifeln. «Eine Forderung nach 40 Prozent Vorauszahlung wäre für mich bei einem unbekannten Anbieter ganz klar ein Warnsignal.»
Weil manche Kantons-Polizeien keine deliktsbezogenen Statistiken führen, ist es schwierig zu sagen, ob es mehr Anzeigen zu Heu-Betrug gibt. Urs Wigger, Sprecher der Kapo Luzern, sagt aber, welche Indizien es für unseriöse Verkäufer gibt:
Hohe Voraus- oder Anzahlungen, ungewöhnlich tiefe Preise und Zeitdruck. Warnsignale sind auch ungewöhnliche Zahlungsarten (etwa Überweisung auf Auslandkonto), zweifelhafte oder keine Kontaktdaten.
Zudem ist es verdächtig, wenn die Kommunikation ausschliesslich über Messenger oder E-Mail stattfindet.
KI-Bilder von Heu-Ballen überfordern Bauern
Knutti fügt noch einen Punkt hinzu. Nämlich, wenn die verwendeten Bilder in Inseraten nicht zum angeblichen Betrieb passen. Das sei ein «erhebliches Problem».
In Inseraten würden oft irgendwelche Bauernhöfe oder irgendwelche Heuballen abgebildet, beobachtet der Berner Oberländer. Dabei sei nicht klar, ob diese von der angebotenen Ware stammen. Am sichersten sei es deshalb, den Betrieb und die Ware persönlich zu besichtigen.
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Ein weiteres Warnsignal seien KI-generierte Bilder. Das alleine sei zwar noch kein Betrugs-Beweis.
«Wenn aber gleichzeitig der Betrieb nicht überprüfbar ist, fremde Bilder verwendet werden und eine hohe Vorauszahlung verlangt wird, wäre ich äusserst vorsichtig. KI macht es Betrügern zunehmend leichter, überzeugende Fake-Inserate und Profile zu erstellen.»
Bei ihm würden sich überforderte Landwirte melden. Sie wüssten nicht mehr, was echt und was gefälscht ist.
Wenn der Preis zu gut ist, sollte man skeptisch sein
Nicolas Wermeille vom Schweizer Bauernverband kommentiert, dass es Betrugsversuche «leider» auch in der Landwirtschaft gebe. «Nicht nur im Zusammenhang mit Raufutter.»
Bauern sollen aufmerksam bleiben. «Insbesondere wenn Preise oder Konditionen ungewöhnlich attraktiv erscheinen.» Man rate, wenn möglich, mehrere Offerten einzuholen und nichts vorauszuzahlen.
«Wir empfehlen, verfügbare Angebote über verschiedene Kanäle zu vergleichen. Dafür stehen unterschiedliche Onlineplattformen sowie Inserate in der landwirtschaftlichen Fachpresse zur Verfügung. Im Zweifelsfall ist das Vorsorgeprinzip anzuwenden.»















