Arzt erklärt: In nächsten Wochen könnten weitere Brandopfer sterben
Am Wochenende starb ein 18-jähriges Brandopfer von Crans-Montana im Unispital Zürich. Ein Arzt hält weitere Todesfälle in den nächsten Wochen für «realistisch».

Das Wichtigste in Kürze
- Über vier Wochen nach dem Bar-Brand von Crans-Montana ist ein Patient verstorben.
- Zuvor hatte sich der 18-Jährige mit einem Spitalkeim angesteckt.
- Weil die Haut als Schutz vor Keimen dient, sind Brandopfer besonders anfällig auf Infekte.
- Beim Grossteil der Verstorbenen auf Verbrennungsstationen sind Bakterien die Todesursache.
Am Samstag stieg die Zahl der Todesopfer des Bar-Brands von Crans-Montana auf 41. Im Unispital Zürich ist ein 18-Jähriger verstorben – gut vier Wochen nach der Tragödie.
Er und ein weiterer Patient hatten einen Spitalkeim eingefangen. Dabei handelt es sich um den antibiotikaresistenten Acinetobacter baumannii.
Weitere Übertragungen hätten in den vergangenen vier Wochen verhindert werden können, erklärte das Unispital am Montag auf Anfrage von Nau.ch. Aber: «Acinetobacter baumannii tritt leider immer wieder im Zusammenhang mit der Behandlung von schwer brandverletzten Patienten auf.»
Infektionen häufig Todesursache bei Schwerverbrannten
Ob der 18-Jährige tatsächlich an der Infektion mit dem Bakterium gestorben ist, muss die Staatsanwaltschaft Wallis nun ermitteln.
Doch klar ist: «Infektionen sind immer noch eine der häufigsten Ursachen, warum Schwerverbrannte auch heute noch sterben.» Das erklärt Paul Fuchs, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin, der «NZZ».
Der Arzt leitet zudem das Schwerbrandverletztenzentrum des Klinikums Köln-Merheim. Auf solchen Stationen seien Bakterien für 60 Prozent der Todesfälle die Ursache.
Das Problem: Ist die Haut zerstört, verliert sie ihre Schutzfunktion. Da Keime ungehindert in den Körper eindringen können, ist das Infektionsrisiko von Brandopfern sehr hoch.
Anfällig für Lungenentzündung und Blutvergiftung
Laut Fuchs werden oft auch Bakterien gefährlich, welche die Verbrennungspatienten bereits in sich tragen. So werde etwa die Darmwand bei ihnen besser durchlässig für Keime.
Die Folge: Rund jeder achte erwachsene Verbrennungspatient erkrankt gemäss Deutscher Gesellschaft für Verbrennungsmedizin an einer Lungenentzündung (12,5 Prozent) oder einer Blutvergiftung (9,3 Prozent).
«Deshalb ist es einfach realistisch, dass es im Lauf der nächsten vier, fünf Wochen zu weiteren Todesfällen kommen wird», erklärt Fuchs.
Das Bakterium Acinetobacter baumannii, mit dem sich der verstorbene 18-Jährige infiziert hatte, ist häufig gegen die gängigen Antibiotika resistent. Laut der Zeitung enden 40 Prozent der durch diesen Keim ausgelösten Blutvergiftungen tödlich.
Wie genau sich die beiden Verbrennungspatienten im Unispital Zürich angesteckt haben, ist nicht bekannt.






















