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SRF-«Arena»: Was tun gegen Femizide?

Redaktion
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Zürich,

In der SRF-«Arena» wurden Femizide in der Schweiz diskutiert. Wie können Frauen besser geschützt werden? Und weshalb kommt es immer wieder zu Gewalt an Frauen?

«Arena»
In der «Arena» diskutierten Politikerinnen und Fachleute über Femizide. - Screenshot/SRF

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Serie von Tötungsdelikten an Frauen rüttelt derzeit die Schweiz auf.
  • In der «Arena» haben Politikerinnen und Fachleute deshalb über Femizide gesprochen.

Der letzte bekanntgewordene Fall eines Femizids ist erst zehn Tage alt: In Corcelles NE hat ein Mann mutmasslich seine Ex-Frau und die beiden Töchter getötet. Damit steigt die Zahl der Fälle auf rekordhohe 22 im laufenden Jahr.

Das Thema Femizide beschäftigt die Politik schon länger. In der SRF-«Arena» standen gestern für einmal aber auch Fachleute in der vordersten Reihe: Silvia Vetsch, Geschäftsleiterin Frauenhaus St. Gallen und Frank Urbaniok, Professor für Forensische Psychiatrie.

Sie diskutierten mit den politischen Kontrahentinnen und Nationalrätinnen Tamara Funiciello (SP/BE) und Barbara Steinemann (SVP/ZH). Trotz emotional aufgeladenem Thema schenkten sich die beiden nichts.

Schaust du die «Arena»?

Schon bei der Sprache zeigte sich, wie weit die politischen Einstellungen der beiden Frauen auseinander liegen. Steinemann kritisierte in der «Arena» etwa, dass die Tötung einer Frau als «Femizid» bezeichnet werde. «Damit wird suggeriert, dass die Tötung einer Frau schlimmer ist als die eines Mannes oder eines Kindes.»

Funiciello hingegen spricht bewusst von Femiziden, um etwa die Sichtbarkeit der Fälle zu erhöhen. Sie gab Steinemann aber auch teilweise recht und sagte, dass der Begriff derzeit «etwas schwammig» benutzt werde. «Nicht jeder Mord an einer Frau ist per se ein Femizid, aber wenn Frauenhass dazu führt, müssen wir diesen benennen.»

SVP-Steinemann findet Frauenhäuser zu teuer

Gewaltbetroffene Frauen finden in der Schweiz unter anderem in Frauenhäusern Schutz. Doch dort fehlt es an genügend Plätzen, kritisierte Silvia Vetsch, Leiterin des Frauenhauses St. Gallen und Vorstandsmitglied der Dachorganisation Schweizer Frauenhäuser.

«Arena» Femizide
Silvia Vetsch, Geschäftsleiterin Frauenhaus St. Gallen, sagte in der «Arena», dass die Frauenhäuser in der Schweiz unbedingt mehr Plätze brauchen. - Screenshot/SRF

«Wir haben eine Warteliste von Frauen, die derzeit ausserkantonal untergebracht sind.» Darauf angesprochen, was sich ändern sollte, betonte Vetsch, dass die Kantone in der Verantwortung seien, die Plätze auszubauen.

Steinemann sieht diesen Ansatz differenzierter. Ihrer Ansicht nach brauche es nicht nur mehr Massnahmen, sondern auch einmal Ursachenforschung. Nur so lasse sich verhindern, dass Frauen über längere Zeit Schutz suchen müssten.

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Barbara Steinemann, Nationalrätin SVP/ZH, erwähnte in der «Arena» die «hohen Kosten» von Frauenhäusern. - Screenshot/SRF

Zudem fand die SVP-Frau es wichtig, zu erwähnen, dass die Frauenhäuser «extrem teuer» seien – und das spüre die öffentliche Hand. «Ein Tag pro Frau im Frauenhaus kostet 330 Franken», sagt Steinemann und betonte, dass die Kosten noch mehr steigen würden, wenn Kinder mit dabei wären.

Funiciello brachte ihre Ungläubigkeit zum Ausdruck: «Frau Steinemann, ich traue meinen Ohren kaum. Sie haben hier eine ausgebildete Opferberaterin, die sagt, es brauche mehr Plätze in den Frauenhäusern und sie sagen, diese seien zu teuer.»

Das zeige leider, wie hoch die Sicherheit der Frau in der politischen Agenda gewertet sei, so die SP-Frau.

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Tamara Funiciello, Nationalrätin SP/BE, spricht bewusst von Femiziden, um die Sichtbarkeit der Fälle zu erhöhen. - SRF/Screenshot

«Arena»: Gewalt an Frauen ein Männer- oder Ausländerproblem?

In der «Arena» wurde auch darüber diskutiert, weshalb es immer wieder zu Gewalt an Frauen kommt. SVP-Steinemann zählte zahlreiche Statistiken verschiedener Behörden zu häuslicher Gewalt auf und schloss ihren Monolog schliesslich – kaum überraschend – mit folgender Aussage: «Migrationshintergrund ein überwiegendes Merkmal».

Auch Frank Urbaniok, Professor für forensische Psychiatrie, sagte, dass Täter mit bestimmtem Migrationshintergrund gemäss Zahlen massiv teils überrepräsentiert seien. Gründe hierfür sieht er etwa in der unterdrückenden Einstellung gegenüber Frauen: «Das ist ein Teil des Problems.»

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Frank Urbaniok, Professor für Forensische Psychiatrie, sieht die unterdrückende Einstellung einiger Menschen mit Migrationshintergrund als «Teil des Problems». - SRF/Screenshot

«Natürlich sind auch Migrantinnen und Migranten betroffen, aber das ist zu einfach», sagte Silvia Vetsch vom Frauenhaus St. Gallen in der «Arena». «Wir haben ein anderes Problem. Es gibt ein Problem im Bereich der häuslichen Gewalt, wo es um Macht geht, um Geschlechterverhältnisse, um patriarchalische System, um gesellschaftliche Strukturen.»

Man rede immer über Gleichberechtigung, aber solange diese und die Gleichstellung nicht wirklich erreicht haben, werde das so weitergehen. «Frauen kommen auf diese Weise immer wieder in die Rolle, wo sie unterdrückt werden können.»

Kommentare

User #5392 (nicht angemeldet)

Viel zuviel Regen in diesen Städten, siehe Lausanne

User #2786 (nicht angemeldet)

Nicht unterdrücken lassen das Leben selber versuchen in die Hand zu nehmen. Ob Mann oder Frau .. aber manchmal möchten das beide nicht obwohls nicht geht zusammen, was soll denn die Öffentlichkeit da ändern könnnen/müssen.

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