Am Theater St. Gallen gibt es neu Disco im Scheinwerferlicht
Eine Tanznacht war angesagt, und eine Tanznacht wurde es: Kürzlich hat das Theater St. Gallen zur «70’s Disco mit DJ Johnny Lopez» geladen. Wieso das Theater St. Gallen neu zwischendurch zur Disco wird.

Am Eingang zum Grossen Haus am Theater St. Gallen stehen zwei freundliche Frauen und drücken jedem und jeder, der 15 Franken bezahlt, einen Stempel auf den Handrücken. So war es bei der Schuldisco, und so wird es an diesem Samstagabend Mitte Februar gemacht.
Der Anlass ist gut besucht, die Atmosphäre gleichzeitig entspannt und aufgekratzt. Man wirft sich verschwörerische Blicke zu. So, als ob man längst darauf gewartet hat, einfach einmal eine gute, ehrliche Nacht auf der Tanzfläche zu verbringen.
Scheinwerfer lassen ihre Lichtkegel von weit oben auf die Menge fallen. Wer nicht tanzt, schaut vom Rand oder den Zuschauerrängen aus zu – so wie das auch schon in der Turnhalle oder im Klub früher der Fall war. Aber wieso überhaupt Disco am Theater?
Die erste «Dance Night», ein neues Format am Theater St. Gallen, besuchten 429 Personen. «Das waren deutlich mehr als erwartet», sagt Johannes Hunziker am Telefon. Er ist PR- und Marketing-Manager der Genossenschaft Konzert und Theater St. Gallen. Es sei sehr gut gelaufen, findet er. Und deshalb soll es mit den Discos am Theater auch weitergehen.
Wie kam es zur Idee, am Theater Discos zu organisieren? «Am Anfang der neuen Spielzeit veranstalten wir jeweils ein Fest mit Konzert in einem ähnlichen Rahmen. Das letzte Mal legte DJ Johnny Lopez auf, das kam gut an», sagt Hunziker. So sei die Idee gereift, Tanznächte unabhängig vom Fest zu machen. Dass an der ersten Veranstaltung Johnny Lopez mit dabei sein sollte, lag nahe. «Er hat im Raum St. Gallen auch einfach einen Namen», schiebt Hunziker nach.
Die Frage, ob das Theater denn jetzt zum Eventlokal werde, erwidert Hunziker mit einem Lachen und wehrt ab: «Nein, überhaupt nicht. Wir werden nicht zum Partyveranstalter.» Es gehe eher um die Beziehung des Theaters zu seinem Publikum.
Mit den Tanznächten verfolgt man beim Theater im Grossen und Ganzen zwei Ziele. «Erstens wollen wir eine kulturelle Einstiegshürde abbauen», erklärt Hunziker. «Es mag seltsam klingen, aber bei manchen potenziellen Theaterbesucherinnen und -besuchern scheitert es an der Kleiderfrage. Sie sind sich unsicher, was sie anziehen sollen, um passend gekleidet zu sein.» Und weiter: «Wir wollen jene erreichen, die Vorbehalte haben, ins Theater zu kommen.»
Und zwar, in dem das Theater die Schwelle heruntersetze und die Gelegenheit biete, an einer Tanznacht einfach einmal das Gebäude kennenzulernen und sich ans Umfeld zu gewöhnen. Zweitens: «Wir glauben, dass die Möglichkeit, auf der Bühne zu tanzen und in den Zuschauerraum zu blicken, ein neues Erlebnis ermöglicht.»
Sind die Dance Nights ein neuer Weg, wie Theater in Zukunft zu Publikum kommen? «Ich bin überzeugt davon», sagt Johannes Hunziker. «Wir können nicht mehr automatisch davon ausgehen, dass junge Leute auf dem Bildungsweg, zum Beispiel bei Theaterbesuchen mit der Schule, das Theater kennenlernen. Wir müssen Anknüpfungspunkte schaffen. Wenn sie an einer Dance Night waren, dann schauen sie sich vielleicht auch unser Programm genauer an.»
Womit allerdings die Frage nach dem Zielpublikum gestellt wäre. An der ersten Dance Night waren zwar junge Menschen unterwegs, aber auch viele ältere. Hunziker ist sich dessen bewusst. «Damit können wir gut leben. Dass auch ältere Personen den Anlass besuchen, ist kein Manko. Eine weitere Durchmischung können wir trotzdem anstreben.»
Das Theater selbst hält Johannes Hunziker für prädestiniert für die Dance Nights. Die technischen Möglichkeiten seien gut, es könnten Synergien genutzt werden.
Trotzdem müssen mehrere Faktoren zusammenspielen, damit eine Tanznacht veranstaltet werden kann: Die Bühne muss frei und das technische Personal verfügbar sein. Dass am Abend vor der ersten Tanznacht die Hauptprobe zum neuen Musical Hair über eben diese Bühne ging, gehöre zum Spiel. «Häufiges Auf- und Abbauen sind wir uns gewohnt», sagt Hunziker.
Die nächste Tanznacht ist bereits angekündigt: Am 9. Mai gibt es «eine Reise durch die Musikgeschichte» mit Patric Pleasure & Gee-K». Versprochen werden Sixties-Soul, über Seventies- und Eighties-Disco und -Pop bis zu modernen Dancefloor Classics sowie Cocktails im Rampenlicht.










