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    «Theater» um gestrandeten Wal nervt Insel-Bewohner

    Cheri Reinhardt
    Cheri Reinhardt

    Deutschland,

    Ein gestrandeter Buckelwal sorgt auf der Ostsee-Insel Poel für Aufregung. Einheimische klagen über Chaos, Drohungen und Umsatzeinbussen.

    Buckelwal Timmy
    Der gestrandete Buckelwal sorgt auf Poel seit Wochen für Aufsehen. Absperrungen und Sicherheitsmassnahmen zeigen, wie gross der Rummel um das Tier geworden ist. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Der gestrandete Buckelwal «Timmy» sorgt auf der Insel Poel für Ausnahmezustand.
    • Medien, Aktivisten und Schaulustige belasten den Alltag auf der Ostsee-Insel.
    • Einheimische klagen über gesperrte Zufahrten, Drohungen und beschädigte Äcker.
    • Gastronomen melden wegen des Wal-Rummels deutliche Umsatzeinbussen.

    Der gestrandete Buckelwal «Timmy» bringt die deutsche Ostsee-Insel Poel an ihre Grenzen. Seit Ende März pilgern Medien, Aktivisten und Schaulustige auf die kleine Insel.

    Was für viele ein Naturspektakel ist, empfinden manche Einheimischen inzwischen als Belastung. Einige sprechen gar von einem Ausnahmezustand.

    «Leute hier sind eigentlich genervt»

    Kamerateams und Journalisten aus dem In- und Ausland haben die Insel regelrecht belagert. Der Parkplatz am Hafen war zeitweise gesperrt, weil eine private Rettungsinitiative für den Wal dort operierte.

    Insel Poel Timmy
    Helfer versuchen vor der Insel Poel den gestrandeten Buckelwal zu versorgen. Die Rettungsaktion sorgt seit Wochen für grosses Aufsehen. - keystone

    Auch die Zufahrt zum Hafen war vorübergehend blockiert. Für viele Einheimische ist das zu viel des Guten.

    «Die Leute hier sind eigentlich genervt», sagt eine Berlinerin gegenüber dem deutschen «Focus Online». Sie hat einen Zweitwohnsitz auf Poel. Zustimmung bekommt sie von mehreren Seiten.

    Sollte man für einen gestrandeten Wal alles tun, um ihn zu retten?

    Der 82-jährige Inselbewohner Jürgen Westphal nennt das ganze Geschehen schlicht «Theater».

    Und Helga Nausch, 75 Jahre alt, sagt: «Wir Poeler sind sprachlos.» Sie berichtet, dass Menschen über frisch gesäte Äcker gefahren seien, um dem gestrandeten Tier näherzukommen.

    Unbekannte hinterlassen Beschimpfungen im Kirchenbuch

    Im Gästebuch der Kirche nahe dem Hafen haben offenbar Wal-Aktivisten ihrem Ärger Luft gemacht. Laut dem Newsportal steht dort unter anderem: «Was ist Poel nur für eine Gemeinde, Pfui, schämt euch!»

    Der Vorwurf: Die Gemeinde lasse den Wal leiden. Daneben finden sich aber auch aufmunternde Einträge. «Du schaffst es, dicker Junge», schreibt eine Person.

    Der Trubel rund um den Wal trifft auch die Gastronomie auf der Insel. Mandy Hartung, Kellnerin im Restaurant Kröning's Fischbaud in Kirchdorf, schätzt den Rückgang beim Umsatz auf 50 bis 60 Prozent.

    Insel Poel
    Mandy Hartung arbeitet im Restaurant in Kirchdorf auf Poel und berichtet von deutlichen Umsatzeinbussen wegen des Wal-Rummels. - keystone

    Gäste hätten Reservierungen storniert. Sie verbindet das mit den Sperrungen und den Demonstrationen auf der Insel.

    «Ich glaube, so was gab's hier noch nicht», sagt Hartung. Sie hofft, dass sich die Lage nun bessert, nachdem die Zufahrtssperre aufgehoben wurde.

    Journalisten kaufen nur Kaffee – kein Ersatz für fehlende Touristen

    Eine Mitarbeiterin eines Imbisswagens direkt an der Kaikante bestätigt das Bild. Die vielen Medienschaffenden vor Ort seien kein Ausgleich für das Ausbleiben der üblichen Kundschaft. Die Journalisten wollten immer nur Kaffee, sagt sie.

    Anders sieht das Silvio Kremer, Büroleiter des Poeler Tourismusservice. Die Übernachtungszahlen auf der Insel seien bisher nicht merklich zurückgegangen.

    Würdest du extra anreisen, um einen gestrandeten Wal zu sehen?

    Er hofft sogar auf einen positiven Effekt: Der Bekanntheitsgrad der Insel könnte durch die Berichterstattung steigen. Das könnte dem Tourismus langfristig nützen.

    Jürgen Westphal lässt solche Überlegungen kalt. Der 82-Jährige bleibt trotz allem gelassen. «Das werden wir auch überstehen», sagt er. Und fügt hinzu, dass er dem Wal dasselbe wünsche.

    Gestrandete Wale sind ein seltenes Ereignis

    Buckelwale gehören zu den Bartenwalen. Das sind Wale, die Nahrung durch ein Filtersystem aus Barten aufnehmen, anstatt Zähne zu benutzen.

    Sie sind vor allem im offenen Ozean heimisch und gelten in der Ostsee als Ausnahmeerscheinung. Das flache Wasser der Küstengewässer kann für sie zur Falle werden.

    Gestrandete Wale überleben oft nur wenige Tage, da ihr Körpergewicht auf dem Trockenen die inneren Organe belastet. Wal Timmy ist bereits seit dem 23. März immer wieder gestrandet.

    Aktuell liegt der zwölf Tonnen schwere Meeressäuger in einer künstlich geschaffenen Kuhle. Das private Rettungsteam von Timmy will bis Sonntag eine 110 Meter lange Rinne ausheben.

    Kommentare

    User #9105 (nicht angemeldet)

    Der Wal ist mit zu viel PFAS belastet.

    User #5268 (nicht angemeldet)

    Diese super Experten und Super Tierschüter müssten gebüsst werden wegen tierquälerei und behinderung öffentlicher Ruhe. Wer meint der Wal hätte sich verschwommen der Irrt. Es sind die endzeit leben das sich einstellt ,krankheit Burnout, innerliche organkrankheit parkenson. Aber ich staune immer wieder die vermenschlichung der tierwelt.

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