Alles wird teurer: Schweiz kann «seit Jahren» Armut nicht senken
Steigende Kosten setzen Schweizer Haushalte unter Druck. Caritas sieht keine Trendwende und warnt vor weiterer Belastung.

Das Wichtigste in Kürze
- 1,45 Millionen Menschen waren 2024 in der Schweiz von Armut betroffen oder bedroht.
- Caritas-Märkte verzeichnen weiterhin eine sehr hohe Nachfrage auf Rekordniveau.
- Die Organisation erwartet derzeit keine Entspannung bei der Armutslage.
Steigende Mieten, höhere Krankenkassenprämien und geopolitische Unsicherheiten: Das Leben wird für viele Menschen in der Schweiz teurer.
Weitere Belastungen könnten dazukommen: Diskutiert wird aktuell bekanntlich eine mögliche Erhöhung der Mehrwertsteuer zugunsten höherer Verteidigungsausgaben.
Das hat Folgen: Ferien am Meer sind für Teile des Mittelstands zunehmend zum Luxus geworden.
Caritas sieht keine Trendwende – im Gegenteil
Doch wie sieht die Lage bei Menschen aus, die schon heute an der finanziellen Grenze leben? Gibt es mehr Armut in der Schweiz?
Die Hilfsorganisation Caritas zeichnet zumindest kein Bild der Entspannung.
«Eine Trendwende ist heute leider nicht in Sicht», erklärt Caritas gegenüber Nau.ch. Die aktuellen Entwicklungen würden keine Hinweise darauf liefern, dass sich die Lage für einkommensschwächere Haushalte entspanne – im Gegenteil.
Zwar seien die Armutszahlen seit Jahren relativ stabil. Allerdings liege dieses Niveau weiterhin hoch.
Laut Caritas waren im Jahr 2024 insgesamt rund 1,45 Millionen Menschen in der Schweiz von Armut betroffen oder bedroht. Davon lebten rund 743'000 Personen unter der offiziellen Armutsgrenze.
Besonders auffällig: Der Anteil armutsgefährdeter Menschen lag bei 16,4 Prozent der Bevölkerung – und damit höher als im Vorjahr.
«Es ist der höchste Wert seit 2014», hält die Organisation fest.
Lebenshaltungskosten steigen in der Schweiz immer mehr
Dass die Lage nicht besser wird, hängt laut Caritas vor allem mit den steigenden Lebenshaltungskosten zusammen.
Konkret: Die höheren Krankenkassenprämien, die ständig steigenden Mieten sowie die mögliche zusätzliche Belastung durch die mögliche Erhöhung der Mehrwertsteuer.
Die Folge, gemäss Caritas: Ärmere Haushalte müssten praktisch ihr gesamtes Bruttoeinkommen für Fixkosten und Grundbedürfnisse aufwenden. Entsprechend würden Preissteigerungen diese Menschen besonders hart treffen.

Die Entwicklung zeigt sich auch im Alltag der Caritas selbst. «In den 22 Caritas-Märkten beobachten wir seit längerer Zeit eine konstant sehr hohe Nachfrage», sagt die Hilfsorganisation.
Die Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 hätten direkt an das Rekordjahr 2025 angeknüpft. Gleichzeitig kauften Kundinnen und Kunden mehr ein als früher.
Der durchschnittliche Warenkorb sei gestiegen, obwohl die Märkte laufend versuchten, die Preise weiter zu senken und zusätzliche Vergünstigungen anzubieten.
Auch die Nachfrage nach Beratungsangeboten ist gestiegen
Nicht nur beim Einkauf wächst der Druck. Auch die Beratungsangebote der regionalen Caritas-Stellen seien seit Jahren stark ausgelastet.
Vor allem bei Schuldenberatungen beobachte man mancherorts eine weiter steigende Nachfrage, heisst es.
Für Caritas zeigt die Entwicklung auch ein politisches Problem auf. Aus Sicht der Organisation werde in der Schweiz zu wenig gegen Armut unternommen.
«Es gelingt der Schweiz seit Jahren nicht, die Armut zu senken», kritisiert die Hilfsorganisation.
Das Problem sei inzwischen chronisch geworden. Gleichzeitig nehme die Ungleichheit zu und die Situation für ärmere Haushalte werde schwieriger.
Caritas fordert deshalb stärkere Entlastungen. Als Beispiel nennt die Organisation den Ausbau bestehender Instrumente wie der Prämienverbilligungen.
Gleichzeitig müsse verhindert werden, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter aufgehe.
Signale deuten nicht auf eine Entspannung hin
«Möglich wären zum Beispiel höhere Vermögens- oder Erbschaftssteuern», erklärt Caritas.
Eine konkrete Prognose zu steigenden Armutszahlen macht die Organisation zwar nicht. Die Signale deuteten laut ihr aber derzeit nicht auf eine Verbesserung hin.
Während ein Teil des Mittelstands bereits bei Ferien sparen muss, stehen viele armutsbetroffene Haushalte vor grundsätzlicheren Fragen.
Reicht das Geld für die Miete, die Krankenkasse und den Einkauf am Monatsende? Die Antwort der Caritas fällt nüchtern aus: Entspannung ist vorerst nicht in Sicht.















