Crans-Montana: Opferfamilie will Gemeinde-PK verhindern
Nach der Brand-Katastrophe in Crans-Montana konnten sämtliche Todesopfer formell identifiziert werden. Alles Wichtige erfährst du im News-Ticker.

Das Wichtigste in Kürze
- Nach dem Brand in Crans-Montana erhöhen Adelboden und Wengen ihre Sicherheitsvorkehrungen.
- Frankreichs Präsident Macron reist am Freitag in die Schweiz.
- Inzwischen sind auch alle Verletzten identifiziert.
- Die Hälfte der Todesopfer war minderjährig.
Nach der Brand-Katastrophe in Crans-Montana ist den Behörden die formelle Identifikation aller 40 Todesopfer gelungen. Bei rund der Hälfte von ihnen handelt es sich um Schweizerinnen und Schweizer. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Wunderkerzen auf Champagnerflaschen die Decke angezündet haben.
Gegen die Betreiber des Lokals wurde eine Strafuntersuchung eröffnet. Untersuchungshaft wurde keine beantragt. Kurz darauf reichte die Gemeinde Crans-Montana Zivilklage ein. Gemäss der Staatsanwaltschaft sind unter anderem die Sicherheitsvorkehrungen und die in der Bar verwendeten Materialien Gegenstand der Ermittlungen.
Was bisher geschah, findest du hier. Die neusten Entwicklungen liest du im folgenden Ticker:
Opferfamilie will Gemeinde-PK verhindern
21.15: Eine der Opferfamilien will die von der Gemeinde Crans-Montana geplante Pressekonferenz am Dienstag unterbinden.
Ihr Anwalt, SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor, soll ein solches Verbot bei der zuständigen Staatsanwaltschaft beantragt haben, wie «Le Temps» vermeldet.

Die Opferfamilie und ihr Anwalt halten es wegen möglicher Versäumnisse der Gemeinde für nicht tragbar, dass sich die Gemeinde ausserhalb eines Verfahrens verteidigen kann.
Bar-Betreiber muss zweites Lokal schliessen
20.23: Der Betreiber des «Le Constellation» muss sein zweites Lokal in Crans-Montana, das «Le Petit Maison», schliessen.

«Der Entzug der Betriebserlaubnis führt zur sofortigen Schliessung», heisst es in einem Dokument, welches RTS vorliegt.
Grund für die Schliessung sei die öffentliche Sicherheit. Diese wolle man mit dieser Massnahme gewährleisten.
Pariser Staatsanwaltschaft leitet Untersuchung ein
20.18: Die Pariser Staatsanwaltschaft hat im Fall Crans-Montana eine sogenannte «Spiegeluntersuchung» eingeleitet.
Damit sollen französische Opferfamilien bei den Ermittlungen der Schweizer Behörden unterstützt werden. Zudem wolle man so die Kommunikation mit den Schweizer Behörden erleichtern.
Bereits 2019: Mitarbeiter warnte vor Deckenschaum
19.39: Rund um den Brand in der Bar «Le Constellation» stehen zwei Elemente im Vordergrund: Die Wunderkerzen und der Deckenschaum.
Nun zeigt ein Video von 2019, welches RTS vorliegt, dass das Problem offenbar bekannt war.

Denn: Auf diesem Video ist zu hören, wie ein Bar-Mitarbeiter die Gäste warnt. «Vorsicht vor dem Schaum!», ruft der Mitarbeitende den Gästen zu.
Der Gast, der das Video damals aufgenommen hat, erklärt RTS: «Ich erinnere mich, wir waren sehr nah an der Decke. Ich denke, er hat als Erwachsener die Gefahr erkannt.
Lockerung der Brandschutzvorschriften gestoppt
18.19: Die im Rahmen einer Totalrevision geplanten Lockerungen der Schweizer Brandschutzvorschriften werden nach dem verhängnisvollen Brand in Crans-Montana VS in der Silvesternacht mit 40 Todesopfern vorerst gestoppt.
Die neuen Vorschriften hätten voraussichtlich 2027 in Kraft treten sollen.

Man lege einen Marschhalt bei den Liberalisierungsbestrebungen im Brandschutz ein, teilte Rolf Meier, Bereichsleiter Kommunikation bei der Vereinigung kantonaler Gebäudeversicherungen (VKG), am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit.
Online-Kondolenzbuch für Crans-Montana füllt sich
17.05: Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger haben im Online-Kondolenzbuch des Bundes für die Opfer der Brandkatastrophe ihre Anteilnahme ausgedrückt. Auch ranghohe Politiker bekundeten ihr Beileid.

Das Online-Kondolenzbuch der Bundeskanzlei steht seit Samstag allen offen, die der Opfer gedenken und ihr Mitgefühl ausdrücken möchten. Das Unglück, das sich in der Silvesternacht im Kanton Wallis ereignet hatte, löste weltweit tiefe Betroffenheit und Trauer aus.
Neben Regierungsvertretern von Bund, Kanton und Gemeinde, kondolierten auch Menschen aus New York, Paris oder Bangkok.
Gemeinderat von Siders trauert um Tochter (†24)
16.32: Unter den Todesopfern der Silvesternacht ist auch die 24-jährige Tochter von Joël Rey, Gemeinderat aus Siders VS.
Gegenüber RTS sprach er am Montag über die Ungewissheit nach der Silversternacht.

Und erzählt: «Ich habe drei Kinder. Die anderen beiden hatten mir gesagt, wo sie Silvester verbringen würden. Aber Caroline hatte mehrere Möglichkeiten genannt.»
Schliesslich hätte er am Samstagvormittag die traurige Gewissheit erhalten, dass seine Tochter tot sei, so Rey.
Barbetreiber halbierte Breite der Treppe
15:10: Bei der Brand-Tragödie in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana dürften auch bauliche Mängel eine Rolle gespielt haben. Neue Fotos, die derzeit im Netz kursieren, sollen dies belegen.
Barbetreiber Jacques Moretti hatte demnach beim Umbau 2015 die Kellerfluchttreppe massiv verengt – von ursprünglich drei Metern auf weniger als die Hälfte.
In der Brandnacht passten höchstens drei Personen nebeneinander auf die Treppe. Viel zu wenig angesichts von Feuer, Rauch und Panik, wirft etwa die deutsche «Bild» vor.
Die Walliser Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud erklärte: «Es ist in der Tat eine enge Treppe gewesen. Wir müssen prüfen, ob alle Sicherheitsvorschriften eingehalten worden sind.»

Warum die Veränderung bei den Brandschutzkontrollen seit 2015 niemandem auffiel, ist nun Teil der strafrechtlichen Ermittlungen. Auch Fotos vom Umbau werden geprüft – dieser wurde laut Recherchen vom Betreiber mit Freunden durchgeführt.
Wie RTS zudem berichtet, plante der Barbetreiber kurz vor dem verheerenden Brand eine bauliche Erweiterung. Mitte Dezember 2024 wurde ein entsprechendes Baugesuch eingereicht.
Geplant war demnach eine Vergrösserung der überdachten Terrasse sowie der Rückbau eines Seitenausgangs von der Veranda. Der Baustart war für 2026 vorgesehen.
Das Gesuch wirft im Nachhinein neue Fragen zur Nutzung und Sicherheit der Bar auf.
Fragezeichen zu Anwesenheit minderjähriger Opfer
15:00: Die Hälfte der 40 Todesopfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS war minderjährig. Laut der Walliser Staatsanwaltschaft ist unklar, ob sich diese Jugendlichen unrechtmässig in der Bar aufhielten.
Gemäss dem Walliser Gesetz über die Beherbergung, die Bewirtung und den Kleinhandel mit alkoholischen Getränken (GBB) darf ein Minderjähriger unter 16 Jahren nach 22.00 Uhr keine Bar besuchen, ausser in Begleitung eines Elternteils oder eines gesetzlichen Vertreters.
Dies bestätigte die Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud am Montag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

«Ich bin nicht in der Lage zu sagen, ob diese Personen begleitet waren.» Von 20 in der Silvesternacht ums Leben gekommenen Minderjährigen hatten acht ihr 16. Lebensjahr noch nicht vollendet.
Auch die Entscheidung, die Betreiber nicht vorbeugend in Haft zu nehmen, sorgte zuletzt für Gesprächsstoff. «Es gibt keinerlei Anhaltspunkt dafür, dass sie sich der Justiz entziehen wollen», betonte Pilloud.
«Sollten Hinweise auftauchen, die das Gegenteil belegen, könnten wir sie in Haft nehmen.»
Sie erinnerte ausserdem daran, dass nur natürliche Personen als beschuldigt gelten können und nicht eine Einheit wie beispielsweise eine Gemeinde.
Alle Verletzten identifiziert
Inzwischen konnten auch alle 116 Verletzten des Brandes identifiziert werden, wie die Walliser Staatsanwaltschaft mitteilt. 83 von ihnen seien derzeit noch hospitalisiert.
Zu den Verletzten zählen 21 Schweizerinnen und 47 Schweizer, 10 Französinnen, 11 Franzosen, sowie 4 Italienerinnen und 6 Italiener.

Weiter dazu gehören 2 Polinnen, eine Belgierin, eine Portugiesin, eine Staatsangehörige der Tschechischen Republik, 4 männliche serbische Staatsangehörige, ein Australier, ein Bosnier, ein Staatsangehöriger der Republik Kongo und ein Luxemburger.
Verletzt wurden schliesslich vier Männer mit doppelter Staatsangehörigkeit (Frankreich/Finnland – Schweiz/Belgien – Frankreich/Italien –Italien/Philippinen).
Ursprünglich hatten die Behörden die Zahl von 119 Verletzten kommuniziert. «Tatsächlich wurden drei in jener Nacht in der Notaufnahme behandelte Personen dem Ereignis zugerechnet, obwohl sie nicht damit im Zusammenhang standen», heisst es in der Mitteilung.
Fünf Todesopfer von Crans-Montana VS werden nach Italien überführt
12:51: Die Leichname von fünf der sechs Italiener, die beim Brand in einer Bar in Crans-Montana VS ums Leben gekommen sind, werden derzeit nach Italien überführt.
Ein Flugzeug der italienischen Luftwaffe startete am Montag gegen Mittag vom Flughafen Sitten, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur Keystone-SDA feststellte.
Die C130-Maschine solle zunächst vier Särge in Mailand und den fünften gegen 15.30 Uhr in Rom absetzen, so die italienischen Behörden.

Die Minister für Auswärtige Angelegenheiten, Antonio Tajani, und für Sport, Andrea Abodi, werden bei der Ankunft der Leichname anwesend sein.
Die Angehörigen von drei der Opfer befänden sich ebenfalls an Bord des Flugzeugs, berichteten italienische Nachrichtenagenturen.
Insgesamt zählen sechs Italiener im Alter von 15 bis 16 Jahren zu den 40 Todesopfern des Brandes, gemäss der am Wochenende von den Walliser Behörden veröffentlichten Bilanz. Zudem wurden elf Italiener verletzt.
Macron reist zu nationalem Trauertag in die Schweiz
11:41: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wird am Freitag am Gedenkanlass für die Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana teilnehmen. Er werde dazu in die Schweiz reisen, teilte die französische Regierung am Montag in Paris mit.

Walliser Gastroverband verpasst Mitgliedern Maulkorb
10:45: In einer internen Mitteilung hat Gastrovalais seine rund 1200 Mitgliedsbetriebe angewiesen, sich gegenüber Medien und Öffentlichkeit nicht zu Sicherheitsfragen oder dem laufenden Verfahren zu äussern.
Stattdessen sollen sie betonen, dass Sicherheit ein «fester Bestandteil des Berufsalltags» sei und alle Vorschriften eingehalten würden, wie «Pomona Media» berichtet.

Diese Linie bezeichnet der Verband als «verantwortungsbewusstes Handeln». Ziel sei es, die Ermittlungen nicht durch unüberlegte Aussagen zu gefährden.
Auf Anfrage der Zeitung reagierten Direktor Stève Delasoie und Präsident André Roduit abweisend und verwiesen auf die Zuständigkeit der Behörden.
Gleichzeitig versucht Gastrovalais hinter den Kulissen, aktiv zu werden. So wurden laut eigenen Angaben operative Checklisten an die Betriebe verteilt, um interne Sicherheitsstandards zu überprüfen.
Adelboden und Wengen verstärken Sicherheitskontrollen
08:39: Vor den Weltcuprennen in Adelboden und Wengen verstärken die beiden Gemeinden im Berner Oberland ihre Sicherheitsvorkehrungen. Grund dafür ist der tödliche Brand in Crans-Montana, der die Veranstaltungsorte sensibilisiert hat.
In Adelboden treffen die ersten Ski-Fans bereits am kommenden Wochenende ein. Gemeinderatspräsident Willy Schranz betont gegenüber SRF, die Gemeinde werde alle Lokale im Dorf prüfen: «Wir schauen, dass alles in Ordnung ist, damit so etwas nicht eintreffen kann.»
Die Betreiber würden in Gesprächen für Sicherheitsfragen sensibilisiert. Schranz zeigt sich überzeugt, dass sie alles tun werden, um eine Wiederholung eines solchen Ereignisses zu verhindern.
Auch in Wengen, das zur Gemeinde Lauterbrunnen gehört, will Gemeinderatspräsident Karl Näpflin am Montag Massnahmen mit dem Gemeinderat besprechen.
Die Gemeinde werde die Betriebe auffordern, ihre Sicherheitsvorkehrungen zu kontrollieren: Garderoben, Fluchtwege und Brandschutz. Näpflin warnt ausdrücklich davor, offenes Feuer oder Kerzen zu verwenden: «Das wäre das Schlimmste.»
Besonders im Fokus stehen in Wengen zwei Nachtlokale. Wegen Sicherheitsbedenken wurde Näpflin mehrfach aufgefordert, diese zu schliessen. Das sei der Gemeinde rechtlich nicht möglich, aber sie könne – und müsse – genau hinschauen.
08:15: Ex-Mitarbeiter erheben schwere Vorwürfe gegen Inferno-Bar
Zwei ehemalige Mitarbeitende der Bar erheben im Gespräch dem französischen Sender BFMTV schwere Vorwürfe gegen ihre früheren Arbeitgeber. Insbesondere im Hinblick auf das mangelhafte Sicherheitskonzept.
Eine Ex-Mitarbeiterin, bis 2023 Angestellte der Bar, berichtet, der Notausgang sei «verschlossen gewesen, weil er direkt ins Gebäude führte». Den Mitarbeitenden sei es «verboten» worden, diese Tür zu öffnen.

Der einzige Fluchtweg führte über eine enge Treppe – für 200 Personen sei das in zehn Minuten «unmöglich» gewesen. Wäre die Tür gegenüber den Toiletten offen gewesen, «hätte das die Zahl der Opfer verringert», sagt die Frau.
Auch ein weiterer ehemaliger Mitarbeiter kritisiert schwere Versäumnisse: Die Tragödie sei «kein Zufall» gewesen. Er zählt auf: «Isoliermatten, kein Zugang zu Feuerlöschern, nicht geschultes Personal, nur ein Sicherheitsbeamter, ein Notausgang, der manchmal blockiert oder verschlossen war.»

















