580 Jobs in Gefahr! Winti-Stadtpräsi: «Kämpfen um jede Stelle»
Der angekündigte Kahlschlag bei Zimmer Biomet beschäftigte das Stadtparlament. Der Winterthurer Stadtrat versucht weiterhin, den Stellenabbau zu verhindern.

Noch versucht der Winterthurer Stadtrat alles, damit es nicht zu dem Kahlschlag im Industriesektor kommt, der sich abzeichnet. Das US-amerikanische Medizintech-Unternehmen Zimmer Biomet hat angekündigt, bis zu 580 der 730 Stellen am Standort Winterthur abzubauen.
«Wir als Stadtrat sind sehr besorgt», sagte Stadtpräsident Stefan Fritschi am Montagabend in der Parlamentsdebatte. «Wir kämpfen um jede einzelne Arbeitsstelle, auch wenn es aussichtslos scheint», so Fritschi.
Weitere Gespräche geplant
Am Tag nach der Hiobsbotschaft traf sich eine Stadtrats-Delegation zum Gespräch mit der Firma in einem Hotelzimmer am Flughafen.
«Wir haben deponiert, dass es für uns keine Diskussion ist, dass die hundert Jugendlichen in Ausbildung ihre Ausbildung abschliessen müssen. Zimmer Biomet hat mündlich zugesagt, dass es bereit sei, diese Verantwortung zu übernehmen. Hier können wir sie beim Wort nehmen», so Fritschi.
Ein weiteres Gespräch ist heute Donnerstag, 17. September, geplant. Regierungsrätin und Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh wird bei den Verhandlungen ebenfalls dabei sein.
«Auch eine international aufgestellte Firma wie Zimmer Biomet hat eine Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und sie hat eine Verantwortung gegenüber dem Standort», so Fritschi.
Deindustrialisierung
Mit dem massiven Stellenabbau hat niemand gerechnet. Alle Parlamentsparteien zeigten sich am Montagabend geschockt.
Die Rede war von einem besorgniserregenden Trend hin zur Deindustrialisierung: So zog 2020 der Schiffsmotorenbauer Wärtsilä nach Frauenfeld und Zimmer Biomet verlegte seinen Hauptsitz nach Zug.
In diesem Jahr kündigte auch der Maschinenbauer Burkhard Compression einen Abbau von bis zu 150 Stellen am Standort Winterthur an.
Ein Ungleichgewicht
Von Verantwortung sprach die Ratslinke und kritisierte Zimmer Biomet: «Wer Milliarden verdient, darf die Rechnung nicht den Beschäftigten und der Allgemeinheit überlassen», sagte Stadtparlamentarierin Maria Sorgo in einer gemeinsamen Erklärung von Grünen, SP und AL.

So plane Zimmer Biomet den massiven Stellenabbau nicht, weil sich das Unternehmen in einer existenziellen Krise befinde, im Gegenteil: Der Mutterkonzern erzielte zwischen 2021 und 2025 insgesamt rund 3,27 Milliarden US-Dollar Reingewinn.
Allein im ersten Halbjahr 2026 kamen weitere 436 Millionen US-Dollar hinzu. Gleichzeitig hat der Konzern ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 1,5 Milliarden Dollar beschlossen.
«Mit anderen Worten: Für Aktionärinnen und Aktionäre ist Geld vorhanden. Wenn es aber um die Arbeitsplätze der Menschen geht, die diese Gewinne mit ihrer Arbeit überhaupt erst ermöglichen, soll plötzlich gespart werden», so Sorgo.
Deutlich wurde auch die EVP-Stadträtin Franziska Kramer-Schwob: «Geld verdienen und immer mehr Geld verdienen ist nicht das Gleiche. Strikte Gewinnmaximierung geht auf Kosten von Menschen und dagegen wehren wir uns», sagte sie.
Nach vorne schauen
Den Mahnfinger in Richtung Stadtrat erhoben die bürgerlichen Parteien. Sie kritisierten, Winterthur sei zu wenig wirtschaftsfreundlich.
«Natürlich können wir die US-Zölle sowie die hohen Lohn- und Energiekosten kaum beeinflussen. Aber wir können die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Industrie und produzierendes Gewerbe hier bleiben wollen, investieren und neue Arbeitsplätze schaffen – und dass sich neue Unternehmen ansiedeln», sagte SVP-Stadtparlamentarier Christian Hartmann.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Winterthurer Zeitung» erschienen.












