Winterthur

    Sanierung: Mieter dürfen bleiben – müssen aber im Container kochen

    In Winterthur werden 400 Wohnungen saniert. Anders als andernorts dürfen die Mieter bleiben. Sie müssen aber im Container duschen und kochen.

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    Keine Leerkündigungen in Winterthur: Die Mieter dürfen bleiben, müssen aber in Containern kochen und duschen. - Nau.ch/Nico Leuthold

    Das Wichtigste in Kürze

    • In Winterthur werden 400 Wohnungen saniert, während die Mieterinnen und Mieter bleiben können.
    • Während der Bauarbeiten müssen sie in Container zum Kochen und Duschen.
    • Die Sauberkeit lässt zu wünschen übrig - aber die Mieter sind froh.

    In der Schweiz gibt es viele sanierungsbedürftige Häuser. Immer wieder gibt es Leerkündigungen, damit Wohnungen saniert werden können. Heisst: Alle Mieterinnen und Mieter müssen aus den Wohnungen raus – und massiv mehr Miete zahlen, wenn sie zurückwollen.

    Dass das aber auch anders geht, beweist eine Wohnsiedlung in Winterthur. Rund 400 Wohnungen der Immoverwaltung Terresta werden hier während acht Jahren etappenweise renoviert. Die Häuser stammen aus den 50er- und 60er-Jahren. Die Mieter dürfen während der Bauarbeiten weiterhin drin wohnen.

    Dafür müssen sich die Bewohnerinnen und Bewohner vorübergehend arrangieren. Während mehreren Wochen duschen und kochen sie in Containern.

    So auch Jasmin Freitag (35). Die 4-Zimmer-Wohnung, die sie mit ihrem Partner teilt, gehört zu den ersten, die renoviert wird. Ende dieser Woche werden Bad und Küche fertig sein. Sechs Wochen lang hat sie dann im Container geduscht und gekocht.

    Laut Jasmin funktioniert das Zusammenleben gut. Man wachse zusammen, es sei wie eine grosse WG. «Man spricht miteinander, es geht eigentlich sehr gut aneinander vorbei», sagt sie und zeigt Nau.ch die Container.

    Um im Container zu kochen, sei Organisation wichtig. Denn wenn man etwas in der Wohnung vergesse, müsse man dies halt holen gehen. Jasmin wohnt im zweiten Stock.

    Das bedeutet auch, dass sie jetzt weniger aufwendig kocht. Etwa Fertig-Kartoffelstock statt selbstgemachten.

    Aber es gebe auch positive Seiten: «Man kommt mehr ins Gespräch und kriegt auch mal etwas zu Essen geschenkt», sagt Jasmin.

    WG- und Camping-Feeling

    Und wie stehts um die Sauberkeit? Jasmin rümpft die Nase: «Die Küche geht einigermassen. WCs und Duschen sind … hmm …»

    Das Credo sei klar: «Hinterlass es so, wie du es antreffen willst. Das ist aber leider nicht immer der Fall.»

    Dann müsse man halt selber schauen. «Ich gehe auch mal bei Freunden oder bei Nachbarn duschen.»

    Die Wohnungen werden nicht alle gleichzeitig saniert, sondern in Etappen. So muss sich Jasmin die Container mit rund 30 Nachbarn teilen.

    Eine Nachbarin von Jasmin macht sich Sorgen, wenn jetzt die Temperaturen sinken. Die Duschen hätten zwar eine Heizung. Doch Jasmin schmunzelt: Wenn man mit dem Bademantel raus müsse, sei es dann wirklich «Camping-Feeling».

    Musstest du wegen einer Sanierung schon einmal auf ein Provisorium ausweichen?

    Für die Zeit während der Bauarbeiten sei das Provisorium in Ordnung. «Mit dem sozial verträglichen Gedanken dahinter, dass die Leute bleiben können, finde ich es sehr machbar», so Jasmin.

    Rund 1400 Franken zahlt Jasmin derzeit für ihre 4-Zimmer-Wohnung. Nach der Sanierung sollen es rund 400 mehr werden.

    Würde man allen Mietern kündigen, könnte die Immofirma noch mehr verlangen. Claudia Suter von Terresta sagt zu SRF: «Es ist unser Stiftungswert, dass wir sozialverträglichen Wohnraum erhalten wollen.»

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    Kommentare

    User #4987 (nicht angemeldet)

    Das trägt doch zu der von Links so sehr geschätzten Sozialromantik bei, gemeinsam leben, gemeinsam singen, gemeinsam duschen, gemeinsam kochen, gemeinsam essen, gemeinsam den Baulärm ertragen, und schliesslich mit dem ZVV gemeinsam vorwärts! 🚩

    User #3862 (nicht angemeldet)

    1800 für eine alte renovierte 4 Zimmerwohnung in Winti?! Wow, im Kanton St. Gallen kostet so eine 1000 Franken. Und wir kriegen gleichviel AHV wie die Zürcher.

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