50 Anrufe wegen häuslicher Gewalt im Tessin
Die Opferhilfe-Hotline 142 ist im Kanton Tessin gefragt. Nach einem Monat registriert die Hotline vor allem Fälle häuslicher Gewalt.

Das Wichtigste in Kürze
- Seit Anfang Mai ist die Opferhilfe-Hotline 142 aktiv.
- Der Kanton Tessin registriert seither 122 Anrufe.
- In 49 Fällen suchten Opfer Hilfe in einer Situation von häuslicher Gewalt.
Die Drähte der Opferhilfe-Hotline 142 laufen heiss. Seit dem ersten Mai können von Gewalt Betroffene die Direktnummer wählen. Nach einem Monat bilanzierte die Hotline schweizweit täglich rund 100 Anrufe.
Im Kanton Tessin registriert die Anlaufstelle innerhalb eines Monats 122 Anrufe. Im Schnitt sind es vier pro Tag, wie der «Corriere del Ticino» berichtet.
80 dieser Anrufe gingen während, 42 ausserhalb der Bürozeiten ein. Bei letzteren übernimmt der kantonale Dachverband der Tessiner Rettungsdienste FCTSA.
Polizei eingeschaltet
In sechs Fällen wurde laut der Zeitung eine «Krisenintervention» nötig. Demnach schalteten die Mitarbeitenden der Opferhilfestelle LAV sofort die Polizei oder die Ambulanz ein. In fünf Fällen handelte es sich um Gewalt.
Bis Ende Mai boten die Beratenden in 83 Fällen den Opfern «Erstberatungen». Dies erklärt Kim Savoy der Zeitung. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Opferhilfestelle LAV.
In anderen Fällen erhielten Anrufende Informationen im Zusammenhang mit einer Gewaltsituation. Dabei schlugen die Beratenden einen Kontakt mit der Fachstelle für eine spezialisierte Begleitung vor.
2025 registrierte die Polizei 22'000 Straftaten im Bereich der häuslichen Gewalt. Dies macht fast die Hälfte aller Gewaltdelikte in der Schweiz aus. Auch die Tessiner Hotline spürt den Trend.
In 49 Fällen suchten Opferhilfe in einer Situation von häuslicher Gewalt. In acht Fällen handelte es sich um sexuelle Gewalt.
In 23 Fällen betraf es «andere Formen», zum Beispiel Gewalt zwischen Nachbarn oder Unbekannten. In vier Fällen bestand ein unklarer Kontext.
Es bestehe kein «Boom»
Neben den Opfern können auch Familienangehörige oder Zeuginnen und Zeugen die Nummer 142 anrufen.
89 Anrufe gingen im Bereich «Erstberatung» und «Krisenintervention» ein. In 56 Fällen wählte das Opfer selbst die Nummer.
20 weitere Anrufe stammten von Vertrauenspersonen wie Verwandten, Familienangehörigen oder Freunden. In elf Fällen meldete sich eine Fachperson und in zwei Fällen waren es Zeugen.
Laut Kim Savoy registriert die Hotline hiermit aber keinen «Boom» von Anrufen.
Aktuell entspreche die Anzahl den prognostizierten Erwartungen, sagt sie. Dabei handle es sich um einen Anstieg von 1,8 auf 3,5 Anrufe. Dies im Vergleich zu den Anrufen, die der FCTSA vor der Einführung des 24-Stunden-Dienstes registrierte.





















