38 Grad in Zürich! So leiden Anzugträger
Trotz hochsommerlicher Temperaturen müssen viele Männer im Beruf weiter Anzug tragen. Doch nicht alle Firmen halten gleich streng am Dresscode fest.
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Das Wichtigste in Kürze
- In Banken und Luxushotels gehört der Anzug teils weiter zum Beruf.
- Einige Firmen lockern ihre Vorgaben bei grosser Hitze.
- Die Anzugträger wollen sich nicht zu fest beklagen – aber einer gibt zu: Eine Wahl hat er eh nicht.
Die Sonne brennt über der Schweiz. Wer kann, trägt T-Shirt, Shorts und offene Schuhe. Heute Donnerstag ist es in Zürich – der Bankenhauptstadt der Schweiz – bis zu 38 Grad heiss.
Trotzdem sind hier weiterhin zahlreiche Männer in Anzug und Lederschuhen unterwegs. Vor Banken, Hotels und Bürogebäuden gehört für einige sogar die Krawatte trotz Hitze dazu.
Christian (45), General Manager des Hotels Baur au Lac, kennt es nicht anders. Seit rund 20 Jahren trägt er bei der Arbeit Anzug und Krawatte.

«Man gewöhnt sich daran», sagt er zu Nau.ch. Beim Mittagessen ziehe er das Jackett aber jeweils aus.
Ganz darauf verzichten könne er nicht. «Es ist Pflicht, es gehört dazu.»
Klimaanlage macht Anzug erträglicher
Ähnlich geht es Victor (32). Der Privatbanker hat bei seiner Kleidung wenig Spielraum.
«Ich habe keine Wahl», sagt er. Für den Kontakt mit Kundinnen und Kunden sowie mit Arbeitskollegen müsse er einen Anzug tragen.

Die Hitze mache das zwar komplizierter. Dank Klimaanlage sei es aber auszuhalten.
Auch Christian ist froh um die Kühlung im Hotel. «Wenn man den ganzen Tag in dieser Hitze im Anzug wäre, wäre das anstrengend.»
Nach Feierabend bleibt immerhin noch der Zürichsee. Victor nimmt es gelassen: Im Vergleich mit Paris oder London sei die Hitze in Zürich noch auszuhalten.
Krawatte ist nicht überall Pflicht
Bei der Zürcher Privatbank Rahn+Bodmer gehört der Anzug im Kundenkontakt ebenfalls weiterhin dazu.
Simon Rahn bestätigt gegenüber Nau.ch, dass dort eine Anzugpflicht gilt. Bei der Krawatte gibt es jedoch Spielraum.
Auf sie könne verzichtet werden, wenn die Kundschaft damit einverstanden sei oder ausdrücklich keine wünsche. Im Backoffice besteht keine formelle Anzugpflicht. Ein gepflegter Auftritt und ein Anzug gehörten aber weiterhin zum guten Ton.
Das Jackett müsse dort nicht ständig getragen werden. Für angenehmere Temperaturen sorgt eine Kühlung an der Decke.
Manager trainiert mit Saunagängen für Sommer im Anzug
Auch die beiden Investmentmanager Alexander (24) und Pascal (36) tragen bei der Arbeit Anzug. Eine Krawatte sei in ihrer Branche zwar gern gesehen, aber nicht immer zwingend.

«Es ist Gewöhnungssache», sagt Alexander. Nach rund zwei Wochen habe sich der Körper daran gewöhnt.
Pascal meint, regelmässige Saunagänge hätten ihm geholfen, Hitze besser auszuhalten. Früher habe er deutlich mehr Mühe damit gehabt.
«Natürlich ohne Anzug», scherzt er.
ZKB lockert Dresscode bei Hitze
Andere Unternehmen gehen inzwischen lockerer mit formeller Kleidung um.
Bei der Zürcher Kantonalbank gilt für Mitarbeitende mit Kundenkontakt ein «stilvoller, zeitgemässer Business-Dresscode».
An sehr warmen Tagen könne dieser situativ angepasst werden, erklärt Mediensprecher Yannick Fischer. So dürften Mitarbeitende etwa auf Sakko oder Blazer verzichten.
In den Kundenhallen gilt bereits seit Juli 2024 ein Business-Casual-Look.
Noch weiter geht die AXA Schweiz. Der Versicherer hatte nach eigenen Angaben noch nie einen Dresscode.
Die Mitarbeitenden dürften sich so kleiden, wie sie sich wohlfühlten und es für ihren beruflichen Kontext als angemessen erachteten. Erfahrungsgemäss erschienen sie auch ohne Kleiderregeln korrekt und passend zu ihren Terminen.
Nur im Aussendienst könnten die einzelnen Generalagentinnen und Generalagenten eigene Vorgaben machen.
Arbeitgeberverband fordert Pragmatismus
Der Schweizerische Arbeitgeberverband will den Firmen keine einheitlichen Regeln vorschreiben.
«Die Ausgestaltung eines Dresscodes ist grundsätzlich Sache der einzelnen Unternehmen», sagt Sprecherin Lisa Schaller.
Die Arbeitgeber müssten dabei aber ihre Fürsorgepflicht erfüllen und den Gesundheitsschutz der Mitarbeitenden berücksichtigen. «Bei grosser Hitze sind pragmatische Lösungen sicherlich sinnvoll.»
Was das konkret bedeute, hänge von der Tätigkeit, der Branche und dem Arbeitsumfeld ab. Entscheidend sei etwa, ob Mitarbeitende Kundenkontakt oder repräsentative Aufgaben hätten.
Mit Leinen weniger schwitzen
Wer den Anzug nicht ablegen darf, kann zumindest beim Stoff nachhelfen.
Giuseppe Di Maso leitet das Herrengeschäft beim Zürcher Modehaus Quaglia. Sein Favorit für heisse Tage ist Leinen.
«Leinen ist leicht, luftdurchlässig und sehr frisch», sagt er zu Nau.ch.

Auch leichte Baumwolle oder fein gewebte Sommerwolle seien geeignet. Bei Baumwolle empfiehlt er hochwertige Sorten wie ägyptische Baumwolle oder Sea Island Cotton.
Weniger geeignet seien stark synthetische Stoffe wie Polyester.
Bei den Schuhen rät Di Maso zu Glatt- oder Wildleder mit einer dünnen Ledersohle. Schwere Gummisohlen seien bei grosser Hitze weniger angenehm.








