Unser Wald leidet – und bald verschwinden Baumarten
Das veränderte Klima und die anhaltende Trockenheit sorgen dafür, dass sich unsere Landschaft verändert.

Das Wichtigste in Kürze
- Bäume leiden unter der Trockenheit, egal ob in der Stadt oder im Wald.
- Auch anspruchslose Bäume wie die Birke leiden unter den sich ändernden Klimabedingungen.
- Welche Bäume wir in den Städten oder in unseren Wäldern sehen, wird sich in Zukunft ändern.
Fast überall kann man es beobachten: Bäume werfen schon jetzt ihre Blätter ab. Oder die Blätter verfärben sich wie im Herbst – und das mitten im Sommer.
Das ist die erste Reaktion eines Baumes auf Wassermangel. Es sei ein Versuch des Baumes, Wasser zu sparen, denn so reduziert er Verdunstung. Das erklärt Peter Kuhn, Co-Leiter der Fachgruppe Stadtbäume von Stadtgrün Bern gegenüber Nau.ch.
Es ist bekanntlich aktuell sehr trocken und wird es gemäss aktuellen Prognosen zumindest in den nächsten Woche auch bleiben.
Dass Bäume in Städten und in Wäldern leiden, lässt sich daher kaum ändern. Was heisst das für die Bäume: Sterben sie in den kommenden Wochen? Oder gibt es gar Baumarten, die in der Schweiz in den kommenden Jahren aussterben werden?
«Sind alle Blätter vertrocknet oder abgefallen, ist die Situation sehr kritisch. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der Baum abgestorben ist», sagt Kuhn. Ob sich ein Baum wieder erholt oder langfristig Schaden genommen hat, zeige sich häufig erst später.
Die aktuelle Wettersituation ist extrem schwierig für die Bäume. Sogar wenn es regnet, kann noch viel schief gehen. Denn kurzer und heftiger Regen befeuchte den Boden nur oberflächlich, weil der ausgetrocknete Boden das Wasser nicht aufnehmen könne.
Und der Wassermangel wird auch noch durch einen weiteren Faktor verschärft. Kuhn: «Wind wirkt auf die Blätter wie ein Föhn auf nasse Haare.»
Der Wind beschleunige die Verdunstung von Wasser an der Blattoberfläche und so trockne ein Baum schneller aus.
«Besonders betroffen sind Birken»
Laut Kuhn seien Birken anspruchslose Bäume, die sogar auf nährstoffarmen Standorten wachsen. Jedoch benötigen auch sie sehr viel Wasser. «Man kann sie sich wie natürliche Wasserpumpen vorstellen: Sie transportieren täglich grosse Mengen Wasser durch ihren Stamm», sagt Kuhn.
Deshalb seien die Birken von der aktuellen Trockenheit besonders betroffen.
Vor allem in Städten leiden Bäume stärker, weil der Wurzelraum oft begrenzt und der Boden durch Verbauungen zusätzlich aufgeheizt werde.
«Der Wald stirbt nicht, aber er verändert sich»
Dies bestätigt auch Beate Kittl von der eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL).
Sie sagt, dass man die Situation in den Städten zwar nicht direkt mit denen in Wäldern vergleichen könne. Jedoch würden auch die Bäume in den Wäldern unter den heissen und trockenen Wetterbedingungen leiden.
Kittl beruhigt aber: «Nein, es werden keine Baumarten aussterben.» Auch Fichten und Buchen, die mitunter am stärksten leiden, könnten Orte finden, wo sie überleben. Man werde sie vermutlich in Zukunft eher in feuchten Senken oder Tälern finden, sagt sie.

In der Schweiz vermehren sich die meisten Wälder natürlich. «Aber der Förster kann bestimmte Bäume fördern, indem er ihnen Platz und Licht schafft», sagt Kittl.
In Zukunft würden sich vermehrt «trockenangepasste» Arten ausbreiten, meint sie. Die: Wälder werden sich verändern.
Buchen und Fichten suchen sich neue Standorte
Auch Katrin Joos Reimer vom Verband Baumpflege Schweiz sagt, dass sich der Baumbestand im Wald und in Siedlungsgebieten ändern werde. «Die Ersatzsuche ist in vollem Gang, aber schwierig, denn die Eignung wird sich erst in Jahrzehnten wirklich zeigen.»
Besonders schwer haben es Buchen und Fichten – «unsere Hauptbaumarten im Wald», so Joos Reimer.
Sie glaubt: Statt Buchen werden wir künftig im Wald Eichen sehen. Oder Kirschen und den Tulpenbaum. Auch die Fichte wird in unseren Wäldern nicht mehr lange überleben. Joos Reimer: «Beide Arten werden in die Höhe wandern.»
Organisationen wie der Forstbetrieb der Burgergemeinde Bern fördern gezielt klimaresistentere Baumarten. Wenn sich ein Wald nicht natürlich verjüngen könne, würden standortgerechte, «klimafitte» Baumarten gepflanzt, erläutert Michel Wyss von der Burgergemeinde Bern.
«So entstehen gut durchmischte und strukturreiche Wälder, die besser mit Trockenheit und anderen Folgen des Klimawandels zurechtkommen», erklärt Wyss.











