11- bis 15-Jährigen geht’s schlechter – Stress und Mobbing
Warnsignale wie Mobbing, schulischer Stress und psychische Belastungen nehmen bei Jugendlichen in der Schweiz zu. Doch es gibt auch erfreuliche Nachrichten.

Das Wichtigste in Kürze
- Erstmals hat der Bund ein Monitoring-System zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen veröffentlicht.
- Der Bericht zeigt: Die Warnsignale wie Mobbing und schulischer Stress häufen sich.
- Gleichzeitig geht aber auch der Alkohol- und Cannabiskonsum tendenziell zurück.
Schon am Morgen beginnt der Druck. Der Stundenplan ist voll, das Handy vibriert, im Klassenzimmer wartet die nächste Prüfung. Und auf dem Pausenplatz, in Chats oder auf Instagram und Co. geht es längst nicht immer freundlich zu.
Für viele Kinder und Jugendliche in der Schweiz ist Stress kein Ausnahmezustand mehr, sondern Alltag. Das zeigt ein neuer Bericht des Bundes. Erstmals hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mit «KidsHealthCH» ein nationales Monitoring-System zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen veröffentlicht.
Die Bilanz fällt zwiespältig aus: Zwar schätzen die meisten jungen Menschen ihre Gesundheit weiterhin als gut ein. Gleichzeitig häufen sich die Warnsignale. Mobbing, schulischer Stress und psychische Belastungen nehmen zu.
Besonders betroffen sind Mädchen und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien. Der Bund spricht von «wachsenden Belastungen» und verweist auf eine Zunahme psychischer Auffälligkeiten, chronischer Beschwerden und sozialer Risiken.
Immer mehr Druck in der Schule
Vor allem bei den 11- bis 15-Jährigen schlagen die Fachleute Alarm. Schulischer Stress, Mobbing und wahrgenommene Diskriminierung seien weit verbreitet, heisst es im Bericht. Gleichzeitig nehme die psychische Widerstandskraft ab.
Die Entwicklung spiegelt sich auch in den Kliniken wider. Hospitalisierungen wegen psychischer Erkrankungen und Suizidversuchen haben in den vergangenen Jahren zugenommen, insbesondere bei Mädchen und jungen Frauen.
«Die psychische Gesundheit junger Menschen in der Schweiz steht zunehmend unter Druck», schreiben die Autoren. Deshalb widmet sich mehr als die Hälfte der hundert untersuchten Indikatoren direkt oder indirekt diesem Thema.
Annette Fahr, die beim Bundesamt für Gesundheit für den Bericht verantwortlich ist, erklärt gegenüber SRF: «Die Lebenswelten der jungen Leute sind komplexer geworden. Sie haben neue Herausforderungen zu bewältigen und erleben massive gesellschaftliche Veränderungen.»
Das könne vermehrt zu Stress führen. Hinzu komme, dass digitale Medien zusätzliche Räume für Mobbing und soziale Vergleiche geschaffen hätten, sagt sie gegenüber dem Sender.
Mobbing hört nicht am Schultor auf
Längst endet Ausgrenzung nicht mehr mit dem Klingeln der Schulglocke. Mobbing findet heute auch online statt.
Gleichzeitig nimmt laut dem BAG die problematische Nutzung sozialer Medien zu, besonders bei Mädchen. Auch Schlafstörungen werden häufiger.
Der Bericht enthält allerdings auch positive Nachrichten. Kinder bewegen sich heute mehr als früher, der Konsum von gesüssten Getränken ist rückläufig. Auch Alkohol- und Cannabiskonsum gehen tendenziell zurück.

















