YB-Captain Waeber zurück von Verletzung: «Wollen diese Saison mehr»
Stephanie Waeber feierte nach elf Monaten Verletzungspause ihr Comeback. Die Rückkehr nach dem Kreuzbandriss war für die Freiburgerin besonders emotional.

Am 29. Juli war es so weit. Im Testspiel gegen den FC Como Women wurde Stephanie Waeber nach 60 Minuten eingewechselt.
Ein grosser und emotionaler Moment für die Freiburgerin: Die Rückkehr nach einem Anfang September im letzten Jahr erlittenen Kreuzbandriss. Erstmals seit elf Monaten stand sie wieder in einem Match auf dem Rasen. «Ich bin wieder topfit», sagt sie.
Bereits vor sieben Jahren hatte sie am gleichen linken Knie einen Kreuzbandriss erlitten, von dem sie sich jedoch perfekt erholt hatte, wie ihre Leistungen bewiesen. Nach Rang 3 in der Saison 2023/24 feierte sie ein Jahr später mit ihren Teamkolleginnen den ersten Titelgewinn der YB Frauen seit 2011 und qualifizierte sich für den Cupfinal.
Ohne die verletzte Stephanie Waeber und die drei ins Ausland abgewanderten Leistungsträgerinnen Iman Beney, Naomi Luyet und Courtney Strode zeigte das Team von Cheftrainerin Imke Wübbenhorst auch vergangene Saison eine beeindruckende Leistung und steigerte sich von Spiel zu Spiel.

Nachdem die neuen Spielerinnen die Ideen von Wübbenhorst intus hatten, legten sie einen wahren Steigerungslauf hin, wurden Vizemeisterinnen und qualifizierten sich erneut für den Cupfinal. Stephanie Waeber erlebte dies alles mit der Last der Zuschauerin nur von der Tribüne aus.
«Es war nicht immer einfach zuzuschauen, diese Rolle gefällt mir nicht, ich bin lieber auf dem Rasen und unterstütze meine Mitspielerinnen. Bei engen Partien und gegen Ende der Saison wurde ich immer nervöser, ein Problem war auch, dass man auf der Tribüne mehr sieht als neben dem Rasen, ich aber keine Inputs geben konnte», so die Torschützenkönigin der Saison 2024/25 in der AXA Women’s Super League.
Vor dem gegnerischen Tor sorgt Waeber stets dann für Unruhe, wenn sie zu einem Freistoss anläuft. Das kann auch mal aus 40 Meter Distanz sein – sie versucht immer wieder und oft erfolgreich, die stehenden Bälle zu nutzen.
Ein Vergleich mit Leonardo Bertone, der in der vergangenen Saison mit elf Toren am Meistertitel des FC Thun grossen Anteil hatte, ist nicht aus der Luft gegriffen.
Bertones Freistösse sind eine Augenweide und an Präzision nicht zu übertreffen – Stephanie Waeber schiesst ähnlich perfekt und sorgt auch mit ihren Eckbällen für Alarmstufe 1 vor dem gegnerischen Tor.
Reha und Studium
Der Moment der Verletzung war für die Mittelfeldspielerin ein Schock. Anders als bei der ersten gleichen Verletzung waren die Schmerzen nicht sofort riesengross, doch ahnte sie Böses.
Am Telefon mit ihrer Mutter Esther gleich nach dem verhängnisvollen Training auf dem Neufeld-Rasen konnte sie kein Wort sprechen, sie wusste auch ohne ärztlichen Befund, was passiert ist.
Die MRI-Untersuchung ergab am nächsten Tag die Bestätigung und statt internationale Spiele zu bestreiten – «das liebe ich besonders» – ging es in die fast einjährige Reha. Während dieser Zeit schloss sie auch an der Uni Bern den Master in Wirtschaft ab.
Was bringt die neue Saison?
Angesprochen auf die vergangene Spielzeit, bekennt Stephanie Waeber von den Leistungen ihrer Kollegen positiv überrascht worden zu sein.
«Nach den vielen Abgängen glaubte ich nicht daran, dass der Weg so schnell wieder an die Spitze führt. Doch der Teamspirit war ausgezeichnet, die Neuen integrierten sich schnell und die Leistungen wurden von Woche zu Woche besser.»
Während der langen Verletzungspause versuchte sie immer nahe bei der Mannschaft zu sein und das Team moralisch zu unterstützen. Im Hinblick auf die neue Saison hat die Seislerin hohe Erwartungen.

«Wir hatten nicht grosse Veränderungen, verstehen uns gut und sind ambitioniert, motiviert und zuversichtlich. Letzte Saison schlossen wir auf Rang 2 ab und standen im Cupfinal – jetzt wollen wir mehr.»
Die Hoffnungen auf ein erfolgreiches Jahr fussen auch auf der Tatsache, dass die Trainerin weiterhin Imke Wübbenhorst heisst. «Sie ist immer topmotiviert, stellt uns optimal auf den Gegner ein, bleibt stets sehr positiv und bringt uns als Team und als Einzelspielerinnen weiter.»
Mehr braucht sie nicht zu sagen, eine Steigerung wäre allein der Titel und der Cupsieg. Und weil auch die 153-fache Nationalspielerin Ramona Bachmann nach langer Verletzungspause und 18 Jahren im Ausland jetzt das YB-Dress trägt, ist für Stephanie Waeber Träumen erlaubt.
PERSÖNLICH
Stephanie Esther Waeber wurde am 8. Dezember 2000 in Freiburg geboren. Sie begann ihre Karriere beim FC Tafers, spielte dann im Team AFF (Freiburg) und ab 2015 bei YB, seit 2017 im Fanionteam. Captain des Teams, Vertrag bis 2028. Sie schloss an der Uni Bern ihr Studium der Betriebswirtschaft mit dem Master ab. Bruder Armando spielt beim FC Kerzers, Schwester Carolina beim FC Courgevaux.
Auch vom Ausland. «Die Bundesliga würde mich schon reizen», sagt sie. Doch vorerst läuft ihr Vertrag bis 2028 – der Fokus liegt vorderhand voll und ganz bei den YB Frauen.
St. Pölten und FC Basel
Nach den Champions League-Qualifikationsspielen gegen SNK St. Pölten Frauen (3:4) und SeaSters Odessa (1:3) ist das Europacup-Abenteuer für die YB Frauen vorbei.
Am Freitag beginnt um 19 Uhr mit dem Spiel bei den FC-Basel-Frauen im St. Jakob-Park die Meisterschaft.












