Stress

Bankerinnen kriegen längere Babypause – Stress befürchtet

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Zürich,

Die Bankenbranche verlängert den Mutterschaftsurlaub um zwei Wochen. Für ein Frauen-Kollektiv ist dies aber kaum ein Fortschritt.

Mutterschaftsurlaub
Bankerinnen haben ab 2027 zwei Wochen länger Mutterschaftsurlaub. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Anstatt 16 Wochen erhalten Mitarbeiterinnen in der Bankenbranche künftig 18 Wochen Mutterschaftsurlaub.
  • Mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Mütter verlängert die Babypause auf eigene Kosten.
  • Der ausgebaute Urlaub schrammt laut dem Frauen-Kollektiv EdKM am nötigen Schutz vorbei.

Bankerinnen und Banker können künftig etwas länger bei ihrem Baby bleiben. Ab erstem Januar 2027 gewährt die Branche bei voller Bezahlung einen Mutterschaftsurlaub von 18 Wochen.

Zuvor waren es 16 Wochen. Davon profitieren alle Mitarbeiterinnen, die das dritte Dienstjahr absolviert haben.

Darauf haben sich der Schweizerische Bankpersonalverband, der Kaufmännische Verband Schweiz und der Arbeitgeberverband der Banken in der Schweiz geeinigt.

Kinderbetreuung könne besser geplant werden

Der gesetzliche Mutterschaftsurlaub beträgt lediglich 3,5 Monate bei 80 Prozent Bezahlung. Natalia Ferrara ist Vizepräsidentin des Schweizerischen Bankenpersonalverbands. «Die Bankenbranche nimmt ihre Verantwortung als attraktive und moderne Arbeitgeberin wahr», sagt sie zu Nau.ch. Die Verlängerung des Mutterschaftsurlaubs sei ein klares Zeichen dafür.

Die ersten Wochen nach der Geburt seien für die Erholung der Mutter von grosser Bedeutung, sagt Ferrara. Dasselbe gelte für die Entwicklung des Kindes. Mit der Verlängerung leisteten sie einen konkreten Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Genügen 18 Wochen Mutterschaftsurlaub?

Der verlängerte Urlaub stärkt laut Ferrara auch die Attraktivität des Bankenplatzes als Arbeitgeber. «Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels müssen Banken qualifizierte Mitarbeiterinnen gewinnen und langfristig halten können.»

Der Bankenpersonalverband ist auch der Ansicht, dass die zusätzlichen beiden Wochen die Rückkehr an den Arbeitsplatz erleichtern. «Weil organisatorische Fragen – etwa bezüglich Kinderbetreuung – mit etwas mehr Spielraum geplant werden können», sagt Natalia Ferrara.

Mütter bleiben länger weg als 16 Wochen

Die aktuellen 16 Wochen reichten den Bankerinnen oft nicht aus. Den gesetzlichen und vertraglichen Mutterschaftsurlaub zu verlängern, sei in der Bankenbranche sehr verbreitet, wenn nicht sogar üblich. Dies sagt Balz Stückelberger, Direktor des Arbeitgeberverbands der Banken in der Schweiz.

Die Mitarbeiterinnen verlängerten den Urlaub, indem sie zum Beispiel Ferien beziehen oder der Arbeitgeber unbezahlten Urlaub gewährt.

Die «Eidgenössische Kommission dini Mueter» EKdM setzt sich für eine faire Elternzeit ein. Ihrer Meinung nach schrammt der um zwei Wochen verlängerte Mutterschaftsurlaub immer noch am nötigen Schutz vorbei. «Nein, 14 bis 18 Wochen Mutterschutz sind nicht genug», sagt EKdM-Vertreterin Miranda Donati.

Jede Woche mehr als die gesetzlichen Wochen seien wertvoll, sagt Donati. «Aber wenn schon ein Rahmen diskutiert wird, dann muss über den Bedarf gesprochen werden.»

«Frau kann Arbeitgeber nicht wechseln»

Mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Mütter verlängert die Babypause auf eigene Kosten. Lediglich 18 Prozent der erwerbstätigen Mütter kehren bereits nach 14 Wochen zurück an ihren Arbeitsplatz. Meist sind laut EKdM der finanzielle Zwang oder die Angst vor Jobverlust der Grund.

Auch der ausgebaute Mutterschaftsurlaub der Bankenbranche steht laut Miranda Donati in einem krassen Missverhältnis zur Empfehlung der WHO. Demnach sollte ein Kind möglichst während sechs Monaten gestillt werden.

Die Mindestanstellung von drei Jahren für den verlängerten Mutterschutz kann laut Donati zu Stress führen. «Weil Frau den Arbeitgeber bei der Kinderplanung nicht wechseln kann oder soll.»

Zudem sieht die Kommission im verlängerten Mutterschutz der Bankenbranche einen möglichen Eigennutz. «Es soll nicht pures Arbeitgebermarketing sein oder Wettbewerbsvorteil im Kampf um die besten Talente», sagt Donati. Sonst drohe ein Klassenkampf und es gebe keinen Fortschritt für die Gleichberechtigung.

Ihnen sei wichtig, dass jede Mutter die Zeit nach der Geburt angemessen leben könne. «Es sollte nicht davon abhängig sein, ob man bei UBS arbeitet oder selbständig ist oder arbeitslos.»

«Mutterschaft ist nicht dasselbe wie Vaterschaft»

Zur Debatte steht in der Schweiz aktuell die Familienzeit-Initiative. Diese fordert für beide Elternteile eine gleich lange Familienzeit von je 18 Wochen.

Die EKdM beurteilt auch dieses Modell kritisch. «Mutterschaft ist nicht dasselbe wie Vaterschaft», sagt Miranda Donati. Es brauche aus diversen Gründen exklusive Zeit für Mütter, sagt Donati. «Diese muss gegenüber heute ausgebaut werden, zum Beispiel mit Schutz vor der Geburt.»

Für das Kollektiv steht fest: «Es braucht mehrere Monate geschützte Zeit ausschliesslich für Mütter.» Dazu komme möglichst viel Freiheit und Flexibilität bei der Aufteilung der darauffolgenden Zeit.

Jede Verbesserung sei ein Schritt in die richtige Richtung, so Donati. Nebst den Bedingungen für Bankangestellte befürworteten sie Verbesserungen für alle Mütter in allen Branchen. «Und auch in allen möglichen Situationen des Lebens.»

Deshalb fordere das Kollektiv eine Versicherung für alle Mütter. «Und nicht nur Erwerbsersatz bei Mutterschaft.»

Kommentare

User #5755 (nicht angemeldet)

Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich... Aber nur wenn man sich Anwälte leisten kann

User #2232 (nicht angemeldet)

Ich bin dafür, dass jeder der Kinder will, diese komplett selbst finanziert. Und die Frau die arbeitet, nur eine Arbeitspause kriegt, solange es medizinisch notwendig ist. Sonst kann sie ja unbezahlte Ferien nehmen, eben so der Vater. Wieso sollen das andere finanzieren? Und nein liebe Leute, wenn ihr nun von Kindern für AHV Rente Finanzierung schreibt, ist das nichts anderes als ein Schneeballsystem welches zusammenbrechen wird. Sont halt AHV auch nur noch an diejenigen, die sie mit Lohnabzügen finanziert haben, der Rest aufs Sozialamt. Zahlt zwar auch der Steuerzahler, aber man sieht wie Arbeitende und Vermögende jährlich Milliarden an Franken Geldgeschenke an andere machen. Und nichts zurückkriegen.

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