Die Kampagne «Menschenhandel ist grausam – Schweigen auch» will zeigen, wie die organisierte Kriminalität von der Sklaverei profitiert.
«Loverboy»-Prozess
Der Hauptbeschuldigte im «Loverboy»-Prozess ist unter anderem des Menschenhandels beschuldigt. (Symbolbild) - Pexels
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Das Wichtigste in Kürze

  • Sklaverei und Menschenhandel gibt es immernoch.
  • Zehn Organisationen in der Schweiz haben am Donnerstag eine Kampagne gestartet.
  • Am Samstag ist dazu in Bern noch eine Demonstration geplant.

Menschenhandel setzt die Sklaverei im 21. Jahrhundert fort. Zu seiner Bekämpfung haben zehn Organisationen am Donnerstag in der Schweiz eine Kampagne gestartet.

Sie wollen aufzeigen, wie die organisierte Kriminalität von der Sklaverei profitiert. Am Samstag ist eine Demonstration in Bern geplant.

Zum konkreten Kampf gegen den Menschenhandel in der Schweiz sprach sich der Nationalrat bereits für einen eigenen Straftatbestand für Arbeitsausbeutung sowie für mehr Ressourcen aus.

Eine Motion für Ausstiegsprogramme aus der Prostitution wurde in der aktuellen Herbstsession eingereicht.

Bedeutendste Geschäftsfeld der organisierten Kriminalität

Wie die zehn Trägerorganisationen vor den Medien festhielten, stammen in der Schweiz etwa fünf Prozent der Prostituierten aus dem Inland. Manfred Paulus, pensionierter Kriminalhauptkommissar aus Deutschland und Träger des dortigen Verdienstordens, erklärte: neben dem Drogenhandel seien Menschenhandel und Sexsklaverei das bedeutendste Geschäftsfeld der organisierten Kriminalität in Europa.

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Die beiden versuchen, Prostituierten beim Ausstieg zu helfen. (Symbolbild) - Keystone

Der weitaus grösste Teil der Prostituierten werde mit Lügen oder Gewalt aus den Armutsländern Osteuropas wie Moldawien, Bulgarien oder Rumänien sowie aus Afrika oder Asien rekrutiert. Für die Mafia und andere kriminelle Organisationen sei das Geschäft risikoarm: Geringe Investitionen, hohe Profite.

In der Schweiz wurden gemäss Paulus von 2010 bis 2020 gerade einmal zwischen vier und 21 Personen wegen Menschenhandels verurteilt.

Frauenhandel

Im Gegensatz dazu betreute allein die Fachstelle für Frauenhandel und Frauenmigration Zürich (FIZ) 2020 mehr als 300 Opfer. Die Zeitschrift «Beobachter» geht von 5000 Opfern des Menschenhandels in der Schweiz aus.

Die Berner EVP-Nationalrätin Marianne Streiff erklärte: Mehr als 80 Prozent der Frauen im Sexgewerbe würden gemäss Studien ihre Tätigkeit sofort beenden, wenn sie die Möglichkeit hätten. Sie fordert darum in ihrer während der Herbstsession im Nationalrat eingereichten Motion ein Ausstiegsprogramm.

«Menschenhandel ist grausam – Schweigen auch»

Kampagnenleiter Ueli Haldemann von der Christlichen Ostmission sagte: Menschenhandel sei ein abscheuliches Verbrechen, mit dem die Trägerorganisationen der Kampagne konfrontiert seien.

Die Kampagne «Menschenhandel ist grausam – Schweigen auch» umfasst gemäss Haldemanns Angaben TV-Clips auf Fernsehen SRF und Regionalfernsehen, elektronische Anzeigen auf acht Bahnhöfen sowie ein eigens produziertes Lied. Den Höhepunkt soll die Kundgebung auf dem Bundesplatz im Bern am 24. September bilden.

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Der Kanton Zürich engagiert sich gegen Menschenhandel. (Symbolbild) - sda - KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) schätzt, dass durch Menschenhandel jährlich 150 Milliarden US Dollar generiert werden. Ein grosser Teil kommt aus der Sexindustrie. Geschätzte 2,5 Millionen Menschen werden jährlich Opfer von Menschenhandel.

Die kriminellen Netze der Menschenhändler erstrecken sich um die ganze Welt. Die Uno schätzt die Zahl der Sklavinnen und Sklaven weltweit auf 27 Millionen. Der Global Slavery Index und die ILO kommen auf über 40 Millionen.

Neben der Ostmission stehen die Heilsarmee, etliche ähnliche Vereinigungen und die Evangelische Volkspartei (EVP) hinter der Kampagne.

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