Rossfeld-Direktorin: «Freiwilligenarbeit: Kitt unserer Gesellschaft»
Was wäre, wenn Freiwilligenarbeit plötzlich wegfiele? Ein Gastbeitrag von Giovanna Battagliero, Direktorin der Stiftung Schulungs- und Wohnheime Rossfeld.

Was wäre, wenn morgen niemand mehr freiwillig arbeiten würde? Keine Besuche mehr im Altersheim. Keine Nachhilfe für Kinder. Keine Begleitung von Menschen mit Behinderungen in ihrem Alltag.
Was wie ein Gedankenexperiment klingt, legt eine unbequeme Wahrheit offen: Ein grosser Teil unseres sozialen Gefüges ruht auf Arbeit, die nie auf einer Lohnabrechnung erscheint und zur Altersvorsorge beiträgt.

Würden die freiwillig geleisteten Stunden entlöhnt, entstünden laut Schätzungen des Bundesamtes für Statistik jährliche Kosten in dreistelliger Milliardenhöhe.
So ist Freiwilligenarbeit auch das stille Rückgrat vieler sozialer Institutionen – auch in der Stiftung Rossfeld. Sie ermöglicht Angebote, die sonst schlicht nicht existieren würden.
Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Budgets macht sie oft den entscheidenden Unterschied zwischen einem «nüchternen» Minimal betrieb und echtem Teilhaben mit gemeinsamen Erlebnissen in und ausser halb der Institution.
Doch Freiwilligenarbeit darf kein Ersatz für staatliche und soziale Verantwortung sein. Sie kann und soll professionelle Strukturen und Dienstleistungen nicht ersetzen. Sonst droht sie zur Ausrede für fehlende Investitionen zu werden.

Deshalb sollten wir Freiwilligenarbeit nicht als selbstverständliche Gratis Grundlage für unsere Gesellschaft und Wirtschaft begreifen.
Sie braucht Anerkennung. Denn sie ist unbezahlbar und würde sie fehlen, hätte dies verheerende Folgen für uns alle.
Zur Autorin
Giovanna Battagliero (*1975) ist Direktorin der Stiftung Schulungs- und Wohnheime Rossfeld.







