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Berner Büchsenmacher: «... das ist Lego-Technik»

Peter Widmer
Peter Widmer

Bern,

Heinz Guggisberg ist Büchsenmacher mit Passion und Präzision sowie Mitinhaber der traditionsreichen Berner Büchsenmacherei Poyet AG.

Büchsen Guggisberg BärnerBär
Heinz Guggisberg ist passionierter Büchsenmacher und Mitinhaber der traditionsreichen Berner Büchsenmacherei Poyet AG. - Daniel Zaugg

Das Umfeld passt zum Laden und zur kleinen Werkstatt der Büchsenmacherei Poyet AG: die Jagdschiessanlage Bergfeld oberhalb von Hinterkappelen.

Sie gilt nach eigenen Angaben als «zweifellos die schönste Jagdschiessanlage der Schweiz». Dort sind für die Jungjäger des Kantons Bern und der umliegenden Kantone sämtliche Einrichtungen für ein erfolgreiches Bestehen der praktischen Schiessprüfung vorhanden.

Während im Poyet-Laden im Bergfeld vor allem Jagdwaffen und Munition für die Jägerkundschaft verkauft werden, ist das Geschäft an der Waldeggstrasse im Liebefeld auch noch mit Faustfeuerwaffen, Sturmgewehren, Sportwaffen sowie mit Pfefferspray für die Selbstverteidigung bestückt.

Anpassungen und Reparaturen

Heinz Guggisberg fand schon als Knabe Interesse an der Technik im Allgemeinen und an Waffen im Besonderen. Bereits sein Vater war passionierter Schütze «und meine Vorfahren», ergänzt Guggisberg.

Waffen Büchsenmacher Guggisberg Bern
Der Zweite Weltkrieg war prägend für die Militärwaffen, auch in der Schweiz, die schon früh innovativ in der Waffenproduktion dabei war. - Daniel Zaugg

Als «Giel» habe er mit dem Luftgewehr begonnen und der 67-Jährige erklärt sogleich dessen Funktion: «Bei Luftgewehren wird ein Geschoss durch die Ausdehnung von komprimierter Luft ausgetrieben. Im Unterschied zu Feuerwaffen, wo durch das Verbrennen einer Treibladung ein Gasdruck erzeugt wird, der das Geschoss beschleunigt.»

Heinz Guggisberg betrachtet Waffen nicht isoliert, sondern setzt deren Entwicklung in den Kontext der Welt- und Schweizer Geschichte: «Die grössten Schübe gab es von etwa 1820 bis zum Ersten Weltkrieg. Der Zweite Weltkrieg war prägend für Militärwaffen. Die Schweiz besass schon sehr früh innovative Waffen.»

Bist du im Besitz eines Waffenscheins?

Guggisberg erwähnt den ersten Mehrlader als Büchse, der eine Einrichtung zur Aufnahme mehrerer Patronen gleichzeitig, meist in Form eines Magazins oder einer Trommel, besitzt.

«1869 hatten wir bereits die erste Repetierwaffe. Repetierer heisst, dass ich aus einem Magazin nach der Ladebewegung schon den nächsten Schuss abgeben kann.»

Am Standort Bergfeld werden vor allem Montagen von Zielfernrohren, Reparaturen und Anpassungen ausgeführt.

Guggisberg ist sofort wieder in seinem Element: «Heute haben wir vermehrt auch Frauen, die mit der Flinte schiessen. Da müssen die Schäfte auf ihre Grösse angepasst werden. Weil mit einer Flinte nicht gezielt wird, muss der Schaft beim Anschlag genau passen, damit das Laufbündel dorthin zeigt, wo ich hinschaue beziehungsweise schiesse.»

Als Flinte wird eine Handfeuerwaffe mit glatter Laufbohrung bezeichnet. Sie ist von der Büchse mit gezogenem Lauf zu unterscheiden. Heutzutage sind Flinten in erster Linie für das Verfeuern von Schrotkugeln auf kurze Distanz ausgelegt.

Beruf hat sich gewandelt

Auch beim Beruf des Büchsenmachers hat sich in den letzten Jahren ein Wandel vollzogen. Dazu Heinz Guggisberg: «Als ich vor 50 Jahren die Lehre begann, war bei den Jagdwaffen viel Handarbeit gefragt.» Diese sei heute durch den Einsatz von CNC-gesteuerten Werkzeugmaschinen (Computerized Numerical Control) weitgehend abgelöst worden.

«Diese Maschinen arbeiten mit sehr hoher Präzision. Ein Zielfernrohr kann man heute fertig kaufen und muss es nur noch montieren – das ist ‹Lego-Technik›! Früher hatte man beispielsweise einen Rohling, dann musste man feilen, sägen, meisseln und einpassen», erinnert sich Heinz Guggisberg.

Heinz Guggisberg Büchsenmacher BärnerBär
Büchsenmacher Heinz Guggisberg montiert ein Zielfernrohr. - Daniel Zaugg

Eine besondere Herausforderung sieht der Fachmann bei einer alten Waffe, worin beispielsweise ein Teil fehlt und man sich vorstellen müsse: «Wie sah es aus? Welche Funktion hatte es?»

Der Schweizerische Büchsenmacher- und Waffenfachhändlerverband SBV schreibt unter anderen zur Entwicklung des Berufes auf seiner Webseite: «Wer hätte vor 50 Jahren daran gedacht, dass viele Waffenteile aus Kunststoff oder Aluminium hergestellt werden oder dass mit Leim besser zusammengefügt werden kann als mit Löten? Dadurch hat sich unser Berufsbereich sehr gewandelt. Wir sind Neuerungen gegenüber offener geworden und wenden diese auch gekonnt an. Das bedeutet aber nicht, dass wir die alten Arbeitsabläufe nicht mehr beherrschen. Unser Können umfasst eine weite Bandbreite.»

Büchsenmacher als Zweitberuf

Heinz Guggisberg verschweigt nicht, dass es am Nachwuchs gelernter Büchsenmacher und Büchsenmacherinnen fehlt. Jährlich absolvieren lediglich drei bis fünf Lernende das Qualifikationsverfahren zum Büchsenmacher.

«Oft bleiben sie nicht im Beruf, sondern wandern ab zur Polizei, zur Armee, um nur zwei Beispiele zu nennen», bedauert Heinz Guggisberg. Trotzdem motiviert er Interessierte dazu, den Beruf zu ergreifen: «Die Freude daran ist allein schon eine Tausender-Note wert!», sagt er begeistert.

Büchsen Waffen Ausstellung Laden
Wen der Beruf des Büchsenmachers interessiert, beginnt idealerweise mit einer Polymechanikerlehre. - Daniel Zaugg

Er empfiehlt, zuerst die vierjährige Lehre als Polymechaniker oder Polymechanikerin zu absolvieren, danach noch zwei Jahre die verkürzte Lehre zum Büchsenmacher anzuhängen.

Der Besuch der Berufsfachschule würde entfallen, bloss die Blockkurse in Lenzburg für die Fachkunde müssten noch belegt werden.

«Ideal wäre die Polymechanikerlehre in einem Betrieb, wo der oder die Lernende immer vor neue Herausforderungen gestellt wird, wo das mechanische Verständnis gefördert wird.»

PERSÖNLICH

Heinz Guggisberg wurde 1958 geboren und wuchs im Weiler Scherliau, Gemeinde Köniz, auf.

1978 schloss er die vierjährige Lehre als Büchsenmacher EFZ bei Poyet AG, Bern, ab. Er arbeitete danach als gelernter Büchsenmacher weiter bei Poyet AG; 2012 wurde er Mitinhaber.

Bis heute bildete er 20 Büchsenmacher-Lernende erfolgreich aus. Seit 2000 ist er als Instruktor für Waffenkunde in der Jungjägerausbildung im Kanton Bern tätig.

Heinz Guggisberg ist verheiratet, hat drei Töchter und sechs Enkelkinder und wohnt in Oberbalm. In der Freizeit widmet er sich der Naturbeobachtung und der Fotografie.

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