3D-Drucker

So will Zürcher Start-up Korallenriffe retten

Jeannette Gerber
Jeannette Gerber

Zürich,

Mit Riffbausteinen aus dem 3D-Drucker haucht Zürcher Start-up «rrreefs» geschädigten Korallenriffen neues Leben ein. Das Unternehmen ist in fünf Ländern aktiv.

Die Riff-Retterinnen
Die «rrreefs»-Gründerinnen (v.l.): Ulrike Pfreundt, Josephine Graf, Hanna Kuhfuss und Marie Griesmar. - Geraldine Graf / Patricia Stöckli

Korallenriffe zählen zu den artenreichsten Ökosystemen der Welt. Obwohl sie nur etwa 0,1 bis 0,2 Prozent des Meeresbodens bedecken, beherbergen sie rund einen Viertel bis zu einem Drittel aller Meereslebewesen.

Umso alarmierender ist die Entwicklung im Great Barrier Reef vor der Nordküste Australiens: Dort hat die Korallenbleiche inzwischen ein Rekordniveau erreicht.

Die anhaltend hohen Wassertemperaturen verursachen Hitzestress, wodurch die in den Korallen lebenden Algen absterben. Die Korallen verlieren ihre leuchtenden Farben und einen grossen Teil ihrer lebensnotwendigen Nährstoffe.

Fachleute gehen davon aus, dass die Folgen des diesjährigen Hitzesommers alle bisherigen Werte übertreffen werden. Laut Berechnungen des UNO-Weltklimarats werden bei einer Erderwärmung von 1,5 Grad bis zum Jahr 2050 rund 70 bis 90 Prozent aller Korallen verschwinden.

Nach dem Lego-Prinzip

Vor diesem Hintergrund hat es sich 2020 eine Vierergruppe von Akademikerinnen – ein ETH-Spin-off – zur Aufgabe gemacht, Korallenriffe und den von ihnen abhängigen Lebensraum wiederherzustellen. Das preisgekrönte Start-up, das sich «rrreefs» nennt, wurde von Josephine Graf, Marie Griesmar, Ulrike Pfreundt und Hanna Kuhfuss ins Leben gerufen.

Die Riff-Retterinnen
Rettung mit Tonmodulen: Das Siquijor-Korallenriff auf den Philippinen. - Geraldine Graf/Patricia Stöckli

Heute besteht das Unternehmen aus einem zehnköpfigen, interdisziplinären Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Kreativen und Geschäftsleuten, die durch eine gemeinsame Mission verbunden sind.

Der Name «rrreefs» steht dabei für drei Begriffe: «Rethinking» (Überdenken), «Rebuilding» (Wiederaufbauen) und «Regenerating» (Regenerieren). Die vier Gründerinnen vereinen Fachwissen aus Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft.

Josephine Graf umschreibt die Rollen im Team so: «Ulrike Pfreundt und Hanna Kuhfuss sorgen dafür, dass alles, was wir tun, wissenschaftlich fundiert ist. Marie Griesmar prägt mit ihrem kreativen Design unsere Riffstrukturen, und ich bringe die wirtschaftliche Perspektive in unsere Mission und unsere strategischen Ziele ein.»

Das Herzstück des Projekts ist ein modulares Riffsystem aus umweltfreundlichen Tonmodulen – sogenannten «Bricks» – die mithilfe von 3D-Druckern hergestellt werden. Das meerwasserbeständige Material ermöglicht die Gestaltung unterschiedlichster Oberflächenstrukturen, an denen die Korallen sich ansiedeln können.

Marie Griesmar, Künstlerin, und Ulrike Pfreundt, Biologin, lernten sich an der ETH Zürich kennen. Während Griesmar erforscht, wie man mit 3D-Drucktechnologie und Ton Riffstrukturen erstellen kann, untersucht Pfreundt an der ETH Oberflächenstrukturen, die eine optimale Ansiedlung von Korallen ermöglichen.

Vor Ort werden die Elemente nach dem Lego-Prinzip zusammengesteckt und anschliessend mit Metallstäben erdbebensicher im Boden verankert. Die Original-Bricks haben ungefähr die Grösse einer Schuhschachtel.

korallen
Korallenriffe weltweit geraten zunehmend unter Druck. (Symbolbild) - keystone

«Ein Teil der Produktion erfolgt heute in der Ziegelei Coeur-de-Terre in Landquart. Für unser erstes Riffprojekt auf San Andrés in Kolumbien haben wir die Bricks sogar noch selbst hergestellt», erzählt Josephine Graf. Inzwischen ist «rrreefs» bereits in fünf Ländern tätig.

Was ursprünglich als Verein begann, ist heute eine Aktiengesellschaft mit einem Geschäftsmodell, das ökologische und ökonomische Ziele verbindet. Sämtliche Riffprojekte werden durch Firmenpartnerschaften finanziert.

Aktuell ist das Unternehmen in Kolumbien, auf den Virgin Islands (USA), den Philippinen, in Ecuador und auf den Malediven aktiv. «Kürzlich sind knapp 900’000 Franken von über 200 neuen Investorinnen und Investoren zusammengekommen, die sich an unserer Crowd-Investment-Runde beteiligt haben», so Josephine Graf.

Ein wichtiger Kanal dafür

seien die sozialen Medien. Für seine innovative Arbeit wurde «rrreefs» bereits mehrfach ausgezeichnet, so etwa 2024 mit dem «Innovate4Nature Award». Der Schweizer Preis zeichnet Start-ups und Projekte aus, die sich für die Eindämmung des Biodiversitätsverlusts einsetzen.

Sollte der Schutz der Korallenriffe stärker vorangetrieben werden?

Im selben Jahr gewann das Unternehmen die «Ocean Changemakers Challenge» von Economist Impact. Vergangenes Jahr wurde «rrreefs» für den «Earthshot Prize», ins Leben gerufen von Prinz William und dem Naturforscher David Attenborough, nominiert.

Auf der Webseite von «rrreefs» kann ein Riffmodul adoptiert werden. Diese Module werden im Riff verbaut und schaffen neue Lebensräume.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.

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