Riffe kommen wegen Korallen-Bleichen kaum noch zur Ruhe
Korallenriffe stehen weltweit vor dem Kollaps: Immer häufigere Bleichen lassen die wertvollen Lebensräume schrumpfen.

Das Wichtigste in Kürze
- Weltweit gibt es immer weniger Hartkorallen, weil Korallenbleichen häufiger auftreten.
- Die Korallenriffe haben immer weniger Zeit, sich zwischen den Bleichen zu erholen.
- Weniger Treibhausgase und mehr Schutz könnten die Korallenriffe retten.
Die bisher grösste globale Bestandsaufnahme zeigt: Korallen sind weltweit wegen immer häufigerer Bleiche-Ereignisse stark unter Druck.
Zwar können Riffe sich mit genügend Zeit erholen. Die Erholungsphasen werden aber immer kürzer, wie ein Bericht feststellt.
Im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 1980 bis 2009 ist die weltweite Bedeckung mit Hartkorallen um rund 9,5 Prozent gesunken.

Das geht aus dem Bericht «Zustand der Korallenriffe der Welt: 2025» des Global Coral Reef Monitoring Network (GCRMN) hervor, Der nun im pazifischen Inselstaat Palau vorgestellt wurde.
Für die globale Bestandsaufnahme wurden mehr als 21 Millionen Beobachtungen ausgewertet. Sie stammen von mehr als 36'800 Riff-Standorten in 124 Ländern, Gebieten und Territorien.
Seit 1998 gab es vier grosse weltweite Korallenbleiche-Ereignisse. Sie wurden durch marine Hitzewellen ausgelöst und führten jeweils zu einem deutlichen Rückgang der Hartkorallen.
Die Verluste lagen beim ersten Ereignis 1998/99 bei rund 6,5 Prozent. Beim zweiten 2010/11 bei 9,9 Prozent, beim dritten 2016/17 bei 6,6 Prozent und beim vierten 2023/24 bei 8,9 Prozent.
Stressreaktion
Als Korallenbleiche bezeichnet man eine Stressreaktion von Steinkorallen. Bei dieser verlieren sie ihre Algen, mit denen sie in einer Gemeinschaft zu gegenseitigem Vorteil leben. Dadurch büssen sie ihre typische Färbung ein.
Das durchscheinende weisse Kalkskelett der Korallenpolypen wird sichtbar. Haupttreiber weltweiter Massenbleichen ist der Klimawandel. Eine gebleichte Koralle ist zunächst noch nicht tot, befindet sich aber in einem extrem geschwächten Zustand.
Nur wenn die Temperaturen rechtzeitig wieder absinken, können die Korallen neue Mitbewohner aufnehmen und sich regenerieren.
Riffe können sich erholen – wenn sie Zeit haben
Die Forschenden warnen, dass den Riffen zunehmend die Zeit zur Erholung fehlt. Zwischen 2017 und 2019 hatte die weltweite Bedeckung mit Hartkorallen um rund sechs Prozent zugenommen. Das zeige, dass sich Riffe grundsätzlich erholen könnten, wenn zwischen Bleiche-Ereignissen ausreichend Zeit liege.

Mittlerweile seien die Erholungsphasen aber immer kürzer: «Dadurch entsteht eine Abwärtsspirale, die mit jedem neuen Bleichereignis immer schwieriger umzukehren ist.» Das sagte Hauptautor Manuel González Rivero vom Australian Institute of Marine Science (AIMS).
Während Korallenriffe früher teils jahrzehntelang Zeit zwischen schweren Bleichereignissen gehabt hätten, blieben heute oft nur fünf bis sechs Jahre.
Für viele Riffe, die 2024 von besonders starken Hitzewellen betroffen waren, könnte die Erholungsphase sogar noch kürzer ausfallen: Gerade läuft das Klimaphänomen El Niño.
«Nicht der aktuelle Verlust der Hartkorallen-Bestände bereitet mir die grössten Sorgen. Sondern die Tatsache, dass wir die Bedingungen für ihre Regeneration stetig zerstören», erklärte González Rivero.
Warum sind Korallenriffe so wichtig?
Korallenriffe bedecken weniger als 0,2 Prozent des Meeresbodens. Sie bieten aber dem Bericht zufolge Lebensraum für mindestens ein Viertel der im Meer lebenden Arten.
Rund 104 Millionen Menschen leben heute weniger als fünf Kilometer von einem Korallenriff entfernt. Die Ökosysteme sind für Ernährung, Einkommen, Küstenschutz und Tourismus von grosser Bedeutung.
Die Ergebnisse der jüngsten Studien deuten nach Angaben der Forschenden auf unterschiedliche Zukunftsszenarien hin: Globale Korallenbleichen treten derzeit etwa alle fünf bis sechs Jahre auf. Der Rückgang der Hartkorallen dürfte sich daher fortsetzen.

Eine deutliche Verringerung der Treibhausgasemissionen könnte den Rückgang bremsen. Auch Massnahmen gegen lokale Belastungen wie Überfischung, schlechte Wasserqualität und Küstenbebauung bieten eine Chance, die Riffe zu erhalten.
GCRMN ist ein weltweites Netzwerk aus Wissenschaftlern, Naturschützern und Organisationen. Es wurde 1995 ins Leben gerufen. Seither sammelt und analysiert das Netzwerk wissenschaftliche Daten über den Zustand und die Entwicklung von Korallenriffen weltweit.
Weltmeere so warm wie noch nie
Der Klimawandeldienst des EU-Programms Copernicus in Bonn hatte erst vor wenigen Tagen eine Rekordtemperatur der Weltmeere gemeldet. Sie sind so warm wie noch nie seit Beginn der Messungen 1979.
Die tägliche globale durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur (SST) habe kürzlich ihren höchsten jemals gemessenen Wert erreicht. Das teilte Der Fachdienst mit.
Der Rekord sei am 22. August mit einer Temperatur von 21,1 Grad aufgestellt worden. Damit wurde der bisherige Rekord von 21,09 Grad vom März 2024 übertroffen.












