Fast 4000 Fr. für 2,5 Zimmer – Zürcher lassen Frust raus
3980 Franken für 83 Quadratmeter: Dieses Zürcher Wohnungsinserat sorgt für Kopfschütteln – und das nicht nur auf Facebook.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine 83-Quadratmeter-Wohnung in Zürich sorgt wegen des hohen Preises für Empörung.
- Laut Mieterverband ist dieser Preis «extrem hoch». Die Belastungsgrenze in der Schweiz sei «längst erreicht.»
- Auch auf Facebook hagelt es unter dem Inserat Kritik – von «Wucher» bis «unanständig».
«Wucher und einfach frech.»
3980 Franken für 83 Quadratmeter? In Zürich gibt's das. Für eine 2,5-Zimmerwohnung im Altbau. Mit Balkon und zwei Gartensitzplätzen.
Fast geschenkt – oder doch eher ein Fall für Schnappatmung?
Denn genau dieses Wohnungsinserat sorgt derzeit für mächtig Wirbel. In den sozialen Medien hagelt es Kritik. Von «überrissen» bis «krank» ist alles dabei.

Dabei klingt das Angebot auf «New Home» zunächst nach einem kleinen Wohntraum: Angepriesen wird eine «Grosszügige 2.5-Zimmerwohnung mit grossem Balkon und zwei Gartensitzplätzen mit Blick auf die Limmat.»
Dazu gibt es noch eine Portion Altbau-Romantik: Das denkmalgeschützte Mehrfamilienhaus verfüge über «direkten Zugang zur Limmat». Ausserdem verbinde es «historischen Charme mit einer ausgezeichneten Besonnung und einer ruhigen Wohnlage».
Klingt idyllisch. Kostet aber 3980 Franken.
«Extrem hoch»
Beim «Mieterinnen- und Mieterverband Schweiz» hält sich die Begeisterung in Grenzen. Co-Generalsekretär Urban Hodel sagt auf Anfrage von Nau.ch: «4000 Franken für 83 Quadratmeter sind extrem hoch, auch für Zürich.»
Umgerechnet seien das rund 48 Franken pro Quadratmeter und Monat. Zum Vergleich: Die Mietpreiserhebung der Stadt Zürich weise einen mittleren Quadratmeterpreis von 21.80 Franken aus.
Allerdings sind solche Vergleiche mit Vorsicht zu geniessen. Denn Angebotsmieten (der Preis für eine frisch frei gewordene Wohnung) und Bestandesmieten (bestehender Vertrag) unterscheiden sich deutlich.
Fest steht laut Hodel: «Die Angebotsmieten gehen seit Jahren durch die Decke, in Zürich wie in der ganzen Schweiz.» Die Inserate werden also immer teurer.

Eine Studie der Zürcher Kantonalbank im Auftrag des Bundesamts für Wohnungswesen zeigt: Die Angebotsmieten in der Stadt Zürich sind zwischen 2016 und Ende 2023 um 28,9 Prozent gestiegen.
Ob die 3980 Franken in diesem konkreten Fall tatsächlich missbräuchlich sind, lasse sich von aussen nicht beurteilen. Dafür bräuchte es laut Urban Hodel unter anderem die Anlagekosten der Liegenschaft und die Höhe des investierten Eigenkapitals.
Das Problem: Diese Zahlen kenne nur die Eigentümerschaft.
Genau hier sieht Hodel eine grosse Schwachstelle des Schweizer Mietrechts: «Es gibt in der Schweiz keine Stelle, die sie überprüft.»
«Grenze der Belastung längst erreicht»
Für den Mieterverband ist die Schmerzgrenze ohnehin überschritten. Hodel sagt: «Die Grenze der Belastung ist für die Mieterinnen und Mieter in diesem Land längst erreicht.»
Und er legt nach: «Mietende in der Schweiz bezahlen jedes Jahr über zehn Milliarden Franken zu viel.»
Erhitzte Gemüter
Doch zurück zur Wohnung. Nicht mal die blumige Beschreibung auf «New Home» vermag die Facebook-Gemüter in der Gruppe «Wohnen in Zürich» zu beruhigen.
Im Gegenteil: Unter dem Inserat wird kräftig gewettert – und nicht nur über den Preis.

«Da muss man sich ja schämen», lautet etwa ein Kommentar. Ein weiterer: «Einfach nur krank.»
Das man bei 4000 Franken Miete wohl 12’000 Franken Kaution hinterlegen wird, verwundert auch. «Ihr habt ja 40 Grad Fieber», schreibt einer.
Andere werden noch deutlicher: «Wucher, würde ich nie bezahlen, absolut unanständig.» Oder, mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus: «Ein wahres Schnäppchen!»
Was auffällt: Kaum ein positiver Kommentar lässt sich unter dem Beitrag finden.
Zürcher lassen Frust raus
Kein Lob für den Limmatblick. Keine Begeisterung für die Gartensitzplätze. Keine Freude über den historischen Charme.
Das Immobilienunternehmen selbst liess die Anfrage von Nau.ch unbeantwortet.








